Wer in den 1950ern und 1960ern ins Kino ging, kannte ihn. Fernand Joseph Désiré Contandin, der sich nach seiner Schwiegermutter „Fernandel" nannte, war einer der größten Stars Frankreichs. Doch unsterblich machte ihn nicht die französische Bühne, auf der er als Chansonnier auftrat. Sondern ein italienisches Dorf an der Po-Ebene, eine Soutane und ein Bürgermeister namens Peppone.

Fernandel und Don Camillo – das Kult-Duo der Nachkriegszeit

1952 begannen die Dreharbeiten zum ersten „Don Camillo und Peppone"-Film unter Regisseur Julien Duvivier. Die literarische Vorlage stammt vom italienischen Schriftsteller Giovannino Guareschi, der sich für die Verfilmung Mitspracherecht gesichert hatte – und Fernandel persönlich als Hauptdarsteller auswählte. Eine glückliche Wahl. Bis 1965 entstanden fünf Filme: „Don Camillo und Peppone", „Don Camillos Rückkehr", „Die große Schlacht des Don Camillo", „Hochwürden Don Camillo" und „Genosse Don Camillo". Ganz Europa strömte in die Kinos. Gedreht wurde fast alles im realen kleinen Brescello, 30 Kilometer nördlich von Parma. Heute eine Pilgerstätte für Fans.

Das Pferdegesicht und die Glocken – Fernandels Kunst

Was Fernandel so unverwechselbar machte, war sein Mienenspiel. Er selbst nannte es liebevoll sein „Pferdegesicht". Ein Gesichtszug, ein gerunzeltes Auge, ein wegrutschender Mundwinkel – mehr brauchte er nicht, um eine Pointe zu setzen. Die Zwiegespräche zwischen Don Camillo und der Christus-Figur in der Dorfkirche gehören bis heute zu den schönsten Szenen der Filmgeschichte. Und wenn der schlitzohrige Pfarrer bei einer Rede des Kommunisten Peppone (Gino Cervi) einfach die Kirchturmglocken läuten ließ, lachten Generationen von Zuschauern. Auch in höchsten kirchlichen Kreisen. Sowohl der emeritierte Papst Benedikt XVI. als auch Papst Franziskus haben sich öffentlich als Fans der Reihe geoutet.

Der berühmteste Franzose – sogar für de Gaulle

Fernandels Popularität war so überwältigend, dass Staatspräsident Charles de Gaulle einmal einräumte, Fernandel sei der einzige Franzose, der berühmter sei als er selbst. Über 125 Filme drehte der Schauspieler in seinem Leben, stand mit Stars wie Heinz Rühmann (in „Geld oder Leben", 1966), Buster Keaton, Frank Sinatra und Louis de Funès vor der Kamera. Mit Jean Gabin verband ihn eine tiefe Freundschaft – die beiden Männer betrieben gemeinsam die Produktionsfirma „Gafer". Was viele nicht wissen: Trotz seines Weltruhms blieb Fernandel ein bodenständiger Bonvivant aus Marseille. Er liebte gutes Essen, Pastis und seine Zigaretten – Letztere wurden ihm später zum Verhängnis.

Fernandels letzter Don Camillo – der Film, der nie fertig wurde

Im Februar 1971 begannen in Paris die Dreharbeiten zum sechsten Don-Camillo-Film, „Don Camillo e i giovani d'oggi" – Don Camillo und die Rothaarige. Doch Fernandel kam nicht weit. Eine Lungenkrebserkrankung zwang ihn zum Abbruch. Am 26. Februar 1971 starb der Schauspieler in seinem Pariser Appartement im Alter von 67 Jahren. Sein langjähriger Filmpartner Gino Cervi war so erschüttert, dass er sich kurz darauf endgültig vom Filmgeschäft zurückzog – ohne Fernandel kein Peppone. Der unvollendete Film wurde nie aufgeführt. Beigesetzt wurde Fernandel auf dem Cimetière de Passy in Paris, dort wo auch der Komponist Claude Debussy und der Maler Édouard Manet liegen.

Fernandel heute – warum der Kult nie endete

Aus der 1925 geschlossenen Ehe mit Henriette Manse gingen drei Kinder hervor – Josette, Janine und Franck, der als Franck Fernandel selbst ein bekannter Chansonnier wurde. Sein Enkel Vincent Fernandel arbeitet heute als Schauspieler und Moderator in Paris. Im kleinen italienischen Brescello, dem Drehort der Filme, steht bis heute ein Museum, das die Erinnerung an das Duo wachhält. Don Camillos Soutane hängt dort im Glaskasten. Die Filme laufen weiter im Fernsehen, finden neue Generationen von Fans, lassen Familien zusammen lachen. Vielleicht ist das die schönste Pointe seines Lebens: Fernandel, der „nur" ein Komiker war, hat etwas geschaffen, das größer ist als er selbst – ein kleines Stück Frieden zwischen Pfarrer und Kommunist, gedreht in einem Italien, das es so nie gab und das doch jeder zu kennen glaubt.