Schauspieler Nicholas Ofczarek hat seine Multiple-Sklerose-Erkrankung nach fast 30 Jahren öffentlich gemacht. Die Diagnose erhielt er mit 27 Jahren, kurz nach der Geburt seiner Tochter. Heute ist der 55-Jährige unter anderem aus Produktionen wie „SOKO“, „Tatort“, „Braunschlag“, „Der Pass“ und „Die Ibiza-Affäre“ bekannt.
Er sprach nun erstmals ausführlich darüber, wie ihn die chronische Erkrankung seit Jahrzehnten begleitet und inzwischen auch seinen Berufsalltag prägt.
Nicholas Ofczarek spricht über die ersten Worte der Ärztin
An den Moment der Diagnose erinnert er sich bis heute genau. „Das Erste, was meine Ärztin damals gesagt hat, war: Du weißt schon, das ist unheilbar“, sagte Nicholas Ofczarek im österreichischen Magazin Fleisch.
Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Symptome sind unter anderem Bewegungsstörungen, Muskelschwäche und starke Erschöpfung. Betroffene sind dabei unterschiedlich stark eingeschränkt.
Am Burgtheater werden selbst Treppen zur Hürde
Im Arbeitsalltag macht sich die Erkrankung für den Burgtheater-Schauspieler inzwischen stärker bemerkbar. Schon der Weg auf die Bühne kann schwierig werden, wenn die Beschwerden zunehmen: „Manchmal ist es schon ein Problem, überhaupt über die Stiegen auf die Bühne zu kommen.“ Wie stark ihn die Symptome treffen, hängt nach seinen Angaben von Wetter, Stress und der Tagesform ab.
Auch seine Art des Schauspielerns hat sich verändert. Früher arbeitete er stärker körperlich, heute setzt er andere Schwerpunkte. Er beschrieb, dass ihn die Umstände zu einem „sprachbetonteren Schauspieler“ gemacht hätten, weil körperliche Einschränkungen seine Arbeit stärker beeinflussen.
Ehefrau Tamara Metelka gibt ihm Rückhalt
Besonders wichtig ist für ihn der familiäre Rückhalt, vor allem durch seine Frau Tamara Metelka. In Momenten, in denen er wegen seiner körperlichen Einschränkungen an sich zweifelte, half ihm ihr Zuspruch weiter.
„Du bist so viel mehr als dein Gang, wenn du auf die Bühne gehst“, sagte seine Ehefrau laut Ofczarek. Die Unterstützung der Familie spielt für ihn auch deshalb eine große Rolle, weil er weiterhin anspruchsvolle Rollen übernimmt. Seine Karriere auf Bühne, im Fernsehen und im Kino lief trotz der Diagnose über viele Jahre weiter.
Offenheit soll jungen Betroffenen Mut machen
Lange sprach der Schauspieler nicht öffentlich über seine Erkrankung. Jetzt entschied er sich dazu, weil er jüngeren Menschen mit derselben Diagnose Orientierung geben will: „Ich hoffe, dass das für einige junge Menschen, die die Diagnose MS erhalten, eine Perspektive eröffnet. Dass man nämlich trotz und mit dieser Erkrankung seine Ziele verfolgen und erreichen kann.“
Mit Ernährung, Training und einem bewussteren Lebensstil versucht er gegen seine Krankheit anzukämpfen. Seinen Blick nach vorn hat er dennoch behalten und erklärte, er habe noch immer Energie und große Freude an seiner Arbeit. „Die Diagnose bedeutet nicht das Ende des Lebens, sondern ist ein Aufruf zur Veränderung“, so Nicholas Ofczarek.