Konrad Beikircher ist tot. Der Kabarettist, Musiker und Autor starb im Alter von 80 Jahren in Bonn, wie stol.it berichtet. Geboren in Südtirol, wurde er im Rheinland zu einer festen Größe, weil er Dialekt, Mentalität und Alltag der Region mit feinem Humor auf die Bühne brachte. Gerade dieser Blick von außen machte seine Programme so besonders. Über Jahrzehnte erklärte er den Rheinländern ihre Eigenheiten auf eine Art, die nahbar, klug und sehr präzise wirkte. Nun endet ein Künstlerleben, das tief mit Bonn und dem Rheinland verbunden war.

Konrad Beikircher fand im Rheinland seine künstlerische Heimat

1945 in Südtirol geboren, kam Beikircher 1965 zum Psychologiestudium nach Bonn und blieb dort für den Rest seines Lebens. Schon früh machte er deutlich, wie eng beide Welten für ihn zusammengehörten. „Meine Heimat ist und bleibt Südtirol. Aber mein Zuhause ist das Rheinland“, sagte Konrad Beikircher laut n-tv.de. Er sprach von einem „mediterranen Lebensgefühl“, das er dort besonders schätzte. Aus dieser Verbindung entstand später sein künstlerisches Markenzeichen: ein Südtiroler, der den Menschen im Rheinland ihre Sprache, ihre Denkweise und ihren Alltag mit großer Treffsicherheit erklärte.

Vom Gefängnispsychologen auf die Bühne

Bevor er hauptberuflich Künstler wurde, führte Beikircher ein ganz anderes Berufsleben. Nach dem Studium arbeitete er rund 15 Jahre als Gefängnispsychologe in der Justizvollzugsanstalt Siegburg und betreute dort vor allem junge Sexualstraftäter. Abends sang er in Bonner Kneipen Wiener Chansons, bis der WDR auf ihn aufmerksam wurde. Dort bekam er die Radio-Kolumne „Sarens, Frau Walterscheidt“, mit der auch seine Figur der Bäckerin Roleber populär wurde. Der Erfolg gab ihm den Mut, den sicheren Beamtenjob aufzugeben und ganz auf das Kabarett zu setzen. Sein erstes Programm „Himmel un Ääd“ erreichte später Kultstatus.

Fünf Kinder, viele Talente und ein politischerer Ton

Beikircher war weit mehr als nur Kabarettist. Er spielte zahlreiche Instrumente, trat als Sänger mit italienischen Liedern auf, schrieb Kochbücher, Kindererzählungen und Opernführer und moderierte Konzerte mit großen Orchestern. Der Vater von fünf Kindern füllte mit seinen Dialektparodien die Säle, entwickelte sein Werk aber auch weiter. In späteren Bühnenjahren wurden seine Programme politischer und religiöse Themen rückten stärker in den Mittelpunkt. So nahm sich der bekennende Katholik im Luther-Jahr 2017 in „500 Jahre falscher Glaube“ der Religion an. Auch die Pandemie verarbeitete er später in einem historischen Kabarettprogramm.

Sein Wunsch für das Lebensende war klar

So sehr Beikircher die Bühne liebte, für seinen letzten Weg hatte er eine ganz andere Vorstellung. Er wollte nicht im Rampenlicht sterben, sondern zu Hause in Bad Godesberg im Kreis seiner Familie. Diesen Wunsch hatte er schon vor Jahren offen formuliert. Seine Ehefrau Anne Beikircher sagte laut rp-online.de: „Er hat die Menschen geliebt, das war authentisch. Und die Menschen haben ihn geliebt.“ Nach Angaben aus den Berichten war seine Familie bei ihm. Mit seinem Tod verliert das Rheinland eine Stimme, die Sprachwitz, Bildung, Glauben und Lebensnähe auf seltene Weise miteinander verbunden hat.