Am Freitag brach der 40-Jährige am Rand eines Trainings der Bayern-Amateure zusammen. Er verbrachte die Nacht im Krankenhaus, und Sportvorstand Max Eberl sprach später von einem stabilen Zustand und von einem Ausfall über Wochen. Es ist ein Moment, in dem Zahlen, Taktik und Tabellen plötzlich zweitrangig sind. Was dann zählt, sind die Menschen, die immer da waren.

Vincent Kompany und sein Vater Pierre: Ein Leben aus dem Nichts aufgebaut

Pierre Kompany floh als politischer Gegner der Mobutu-Diktatur aus dem Kongo nach Belgien. Dort lebte er zunächst ohne Papiere, bevor er als Flüchtling anerkannt wurde. Er studierte Ingenieurwesen und fuhr nachts Taxi, um die Familie zu ernähren. Später wurde er in Ganshoren, einem Vorort von Brüssel, zum ersten schwarzen Bürgermeister Belgiens gewählt. Heute sitzt er im belgischen Parlament. Als sein Sohn Trainer des FC Bayern wurde, sagte er über ihn: „Er gibt niemals auf.“ Wer diesen Vater erlebt hat, versteht, woher der Sohn seine Hartnäckigkeit hat.

Vincent Kompany und seine Mutter Jocelyne: „Uns wurde beigebracht, stärker zu sein“

Aufgewachsen ist Vincent im Brüsseler Viertel Noordwijk. Seine Mutter Jocelyne arbeitete bei einer staatlichen Arbeitsvermittlung und engagierte sich in der Gewerkschaft. Als er bei Turnieren rassistisch beleidigt wurde, stellte sie sich so entschlossen vor ihre Kinder, dass es beinahe zu einer Schlägerei kam.

Den Kindern schärfte sie ein, doppelt so hart arbeiten zu müssen, weil Hautfarbe oder Name trotz gleicher Qualifikation Nachteile bringen können. „Uns wurde beigebracht, stärker zu sein“, sagte Kompany in einem Interview. 2007 starb Jocelyne an Krebs. Dass er zehn Jahre später neben dem Fußball seinen MBA abschloss, verstand er auch als Würdigung seiner Mutter.

Vincent Kompany als Teenager: Der Halt, als alles wackelte

Die Jugend verlief nicht geradlinig. Mit 14 wurde er wegen Fehlzeiten durch Reisen mit der Schul-Nationalmannschaft der Schule verwiesen, kurz darauf flog er nach einem Konflikt mit dem Trainer aus der Jugendauswahl. Dazu kamen eine Knieoperation, die Scheidung seiner Eltern und die drohende Räumung der Sozialwohnung. Es ist die Zeit, in der aus Talent Charakter wurde. Und es war die Familie, die ihn trotz aller Brüche nicht losließ.

Vincent Kompany und Carla: Die Liebe, die in Hamburg begann

Kennengelernt haben sich Vincent Kompany und Carla Higgs, als er beim Hamburger SV spielte. Seit Juni 2011 sind die beiden verheiratet, gemeinsam haben sie drei Kinder: Sienna, Kai und Caleb. Die Britin arbeitet als Radiomoderatorin und teilte lange Zeit Familienmomente auf Instagram, zum Beispiel gemeinsame Essen im Garten. Kompany selbst achtet sehr auf die Privatsphäre der Familie.

Zu den Weihnachtsgrüßen Ende 2025 dankte er den Fans dafür, dass sich seine Familie in München heimisch fühlt. Auch in dieser Woche war sie dabei: Eberl sprach am Freitagabend mit Kompany und mit seiner Frau.

Vincent Kompany jetzt: Zeit zum Durchatmen

Der Verein nimmt jeden Druck heraus. „Er bekommt alle Zeit“, sagte Eberl. Co-Trainer Aaron Danks führt das Team vorerst, am Sonntag gewann Bayern in Freiburg mit 3:1. Die Ursache des Zusammenbruchs ist noch nicht geklärt, weitere Untersuchungen laufen. Wer mit diesem Rückhalt aufgewachsen ist, weiß: Auch ein Fels darf einmal innehalten und es gibt Menschen, die dann das Fundament sind.

Alles Gute, Vincent Kompany.