Kap-Verde-Torwart Vozinha erlebt bei der WM einen Moment, der weit über den Sport hinausgeht. Nachdem seine Mutter das erste Gruppenspiel noch aus der Heimat verfolgen musste, sitzt Ana Candida Evora beim 2:2 gegen Uruguay nun tatsächlich im Stadion von Miami. Für den 40-Jährigen ist das mehr als ein Familienbesuch: Nach seinem starken Auftritt gegen Spanien hatte er unter Tränen erklärt, wie sehr ihn ihre Abwesenheit getroffen hatte. Nun wird aus dem schmerzhaften Auftakt eine Geschichte mit viel Erleichterung und neuer Kraft auf den Rängen.
Vozinha sprach offen über die fehlende Mutter
Nach dem 0:0 gegen Spanien hatte der Keeper erklärt, warum ihn die Situation so belastete. „Ich habe auch geweint, weil meine Mama aufgrund des Visums nicht einreisen konnte. Weil uns das Geld gefehlt hat, das wir hätten zahlen müssen, lief uns die Zeit davon. Wir haben es nicht mehr geschafft“, sagte Vozinha laut blick.ch.
Hintergrund waren Visa-Probleme und eine hohe Kaution für Bürger aus Kap Verde. Inzwischen konnte die Einreise geklärt werden, sodass seine Mutter am Freitag in Miami ankam und ihren Sohn beim zweiten Auftritt unterstützen konnte.
Ana Candida Evora reist erstmals für ihren Sohn
Die Reise war für Ana Candida Evora alles andere als selbstverständlich. Wie die Hamburger Morgenpost berichtet, war sie zuvor noch nie aus Kap Verde ausgereist, hatte nicht einmal einen Pass und galt in der Familie als jemand, der ungern reist.
Gerade deshalb ist ihre Ankunft in den USA für Vozinha so bedeutend. Neben seiner Mutter sind inzwischen auch sein Vater und sein Bruder vor Ort. Der Torwart betonte, wie wichtig ihm dieser Rückhalt ist und wie sehr ihn seine Familie in allen Lebenslagen begleitet.
Beim 2:2 gegen Uruguay wird es auch sportlich heikel
Auf dem Platz lief für Vozinha diesmal nicht alles so makellos wie beim Spanien-Spiel. Bei den beiden Gegentoren war er zwar ohne echte Chance, in einigen Szenen wirkte er aber unsicherer als noch zum Auftakt. Besonders brenzlig wurde es nach 68 Minuten, als er einen eher harmlosen Schuss nach vorne abprallen ließ.
Maxi Araujo traf im Anschluss zwar zum vermeintlichen 3:2 für Uruguay, doch wegen einer Abseitsstellung zählte der Treffer nicht. So konnte Kap Verde den nächsten Punktgewinn feiern und weiter vom Weiterkommen träumen.
Arcanjo-Szene sorgt nach Abpfiff für Diskussionen
Für Gesprächsstoff sorgte vor allem eine Situation kurz vor der Pause. Kap-Verde-Spieler Arcanjo ging mit Schmerzen im Oberschenkel zu Boden, doch Uruguay spielte den Angriff weiter. Wenige Sekunden später fiel der Ausgleich durch Maximiliano Araujo. Die Szene wurde danach kritisch bewertet, weil viele ein Unterbrechen des Spiels erwartet hätten. Trotz dieses umstrittenen Moments bleibt das Remis für den Außenseiter ein starkes Ergebnis. Mit zwei Unentschieden steht Kap Verde vor dem letzten Gruppenspiel gegen Saudi-Arabien weiter ordentlich da, und Vozinha konnte diesen wichtigen Abend endlich mit seiner Mutter teilen.