Als Johnny Logan am 13. Mai seinen 72. Geburtstag feierte, dann blickte der irische Sänger auf eine Karriere zurück, die so eng mit dem Eurovision Song Contest verbunden ist wie kaum eine andere.

Geboren als Seán Patrick Michael Sherrard 1954 im australischen Frankston, kam er als kleines Kind mit seinen Eltern zurück nach Irland und wuchs in Howth bei Dublin auf. Sein Vater war Charles Alphonsus Sherrard – besser bekannt als der irische Tenor Patrick O'Hagan. Musik lag in der Familie. Und sollte das Leben des Sohnes prägen wie nichts anderes.

Johnny Logan und der erste Triumph in Den Haag

1980 trat ein 25-jähriger Ire beim Eurovision Song Contest in Den Haag an. Sein Song hieß „What's Another Year", geschrieben hatte ihn der Komponist Shay Healy. Es war eine sanfte Ballade über einen verlassenen Mann, der nicht weiß, wie er weiterleben soll. Johnny Logan gewann den Wettbewerb mit 15 Punkten Vorsprung vor Deutschland. „What's Another Year" stürmte die Charts in ganz Europa und erreichte Platz 1 in Großbritannien. Eine Karriere war geboren. Doch der eigentliche Mythos sollte erst sieben Jahre später entstehen.

Johnny Logan und das Lied, das eine Trennung erzählt

1985, mitten in einer ehelichen Krise, schrieb Johnny Logan einen Song für seine zweite Ehefrau. Er nannte ihn „Hold Me Now". Zwei Jahre später trat er damit beim Eurovision Song Contest 1987 in Brüssel an. Was viele Zuschauer nicht ahnten: Wenige Tage vor dem Wettbewerb war die Ehe endgültig zerbrochen. Logan sang den Song nicht aus Liebe, sondern aus Abschied. „Don't cry. Don't say a word. Just hold me now", flehte er ins Mikrofon. Es war eine Bitte an eine Frau, die bereits gegangen war.

Genau diese Mischung aus Schmerz und Würde traf das europäische Publikum. Logan gewann zum zweiten Mal. Als erster und bis 2023 einziger Mensch, dem das zweimal als Sänger gelungen war. „Hold Me Now" verkaufte sich weltweit über sechs Millionen Mal und gilt bis heute als einer der drei besten Eurovision-Songs aller Zeiten.

Johnny Logan und der dritte Triumph als Komponist

Damit nicht genug. Bereits 1984 hatte Logan einen Song für die irische Sängerin Linda Martin geschrieben – „Terminal 3", der beim Eurovision Platz 2 erreichte. 1992 schickte er Linda Martin erneut ins Rennen, diesmal mit dem Song „Why Me?". Sie gewann.

Damit wurde Johnny Logan zum einzigen Menschen, der den Eurovision Song Contest dreimal gewonnen hat – zweimal als Sänger und einmal als Komponist eines Siegerliedes. In Eurovision-Kreisen ist er seitdem nur noch „Mister Eurovision". Auf dem berühmten Walk of Fame in Rotterdam hinterließ er 1997 seine Handabdrücke im Zement.

Johnny Logan und das Leben nach dem Ruhm

Was viele nicht wissen: Trotz seiner drei Eurovision-Triumphe konnte Johnny Logan in seiner eigenen Karriere nie an den Erfolg von „Hold Me Now" anknüpfen. Viele bezeichneten ihn als „One Hit Wonder", obwohl das angesichts seiner Werkliste objektiv falsch war. Logan probierte sich in Rock, Soul und Folk. Er schrieb Filmmusik – unter anderem für die deutschen TV-Produktionen „Derrick" und „Verbotene Liebe".

Und vor allem in Skandinavien blieb er ein Star: 2007 erreichte sein Album „The Irish Connection" Doppel-Platin in Norwegen, Platin in Dänemark und Gold in Schweden. Aus seiner ersten Ehe mit der Lehrerin Ailis Sherrard, die er 1976 geheiratet hatte, gingen drei Kinder hervor. Eurovision-Fans wissen: Logan trifft man heute oft als Gast bei nationalen ESC-Vorentscheidungen, von Schweden bis in die Niederlande.

Johnny Logan mit 72 – der unsterbliche Eurovision-König

Heute lebt Johnny Logan zurückgezogen, gibt aber weiterhin Konzerte, vor allem im deutschsprachigen Raum, in den Benelux-Staaten und in Skandinavien. „Hold Me Now" gehört zum festen Repertoire seiner Auftritte – und das Publikum singt jedes Mal mit. 2024 stand er sogar bei einem ESC-Vorentscheid in Malmö auf der Bühne.

Vielleicht ist das die schönste Pointe einer Karriere, die mit einem Liebeslied über eine zerbrochene Ehe ihren Höhepunkt fand: dass ein Song, der von Abschied erzählt, Millionen Menschen seit Jahrzehnten zusammenbringt. „Hold me now. Don't cry. Don't say a word. Just hold me now." Manche Lieder werden mit der Zeit nicht alt. Sie werden nur immer wahrer.