Skirennläuferin Emma Aicher ist mit ihren erst 22 Jahren längst zur großen Hoffnung des deutschen Ski-Teams geworden – und das nicht nur wegen ihrer Medaillen bei Olympia in Cortina.
Neben ihren Erfolgen sorgt vor allem eine Eigenschaft immer wieder für Staunen: Aicher spricht Schwedisch so selbstverständlich wie Deutsch. Hinter dieser Selbstverständlichkeit steht ein Leben zwischen zwei Ländern, zwei Sprachen und einer klaren Entscheidung für den Skisport.
Emma Aicher wächst zweisprachig in Schweden auf
Skirennläuferin Emma Mathilda Aicher wurde am 13. November 2003 im schwedischen Sundsvall geboren. Ihre Mutter ist Schwedin, ihr Vater Deutscher, sie wuchs mit ihrem jüngeren Bruder im Norden des Landes auf und lernte schon früh auf den Pisten des örtlichen Slalomklubs das Skifahren.
Im Alltag war Schwedisch ihre natürliche Umgebungssprache – zu Hause, in der Schule, im Verein. Deutsch kam über den Vater dazu, sodass sie schon als Kind zwischen beiden Welten pendelte. Später zog die Familie für mehrere Jahre nach Engelberg in die Schweiz, wo Aicher im dortigen Skiclub trainierte und ihre internationale Laufbahn vorbereitete.
Von Sundsvall nach Berchtesgaden: der Schritt zum DSV
Mit 16 Jahren verließ Aicher ihre schwedische Heimat, um ihren Traum vom Profisport zu verfolgen. Sie wechselte in das Skiinternat Berchtesgaden und schloss dort mit mittlerer Reife ab.
Seit der Saison 2020/21 fährt sie offiziell für Deutschland und begründete den Nationenwechsel mit den besseren Trainingsbedingungen in den Alpen. „Ich bin nach München geflogen, wurde von einer Trainerin abgeholt, die ich gar nicht kannte – und bin einfach geblieben“, so Aicher in Bild. Die schwedische Sprache blieb dennoch ein fester Teil ihrer Identität.
„Silber-Emma“ bleibt Schwedin im Herzen
Trotz ihrer Rolle als große deutsche Medaillenlieferantin fühlt sich Aicher weiterhin eng mit Schweden verbunden. Ihr fließendes Schwedisch ist kein PR-Trick, sondern Ergebnis einer Kindheit, in der sie Sprache, Kultur und Küche – von Köttbullar bis zu schwedischen Alltagsgewohnheiten – aufgesogen hat.
Ihr Handy ist bis heute auf Englisch eingestellt, weil sie mit mehreren Sprachen selbstverständlich jongliert. „Ich versuche, mich immer nur auf mich zu konzentrieren. Was ich beeinflussen kann, ist mein Skifahren“, erklärt sie zu ihrer mentalen Stärke.
Dass sie Interviews mühelos auf Schwedisch geben kann, unterstreicht, wie sehr sie beide Heimatländer in sich vereint – auf der Piste im deutschen Rennanzug, im Herzen auch als Sundsvall-Mädchen.