Ulrich Mühe stand 2007 auf dem Höhepunkt seiner Karriere und zugleich vor seinem letzten Lebensabschnitt. Millionen Kinozuschauer verbanden ihn damals mit dem preisgekrönten Drama „Das Leben der Anderen“, in dem er als Stasi-Offizier Gerd Wiesler eine seiner eindringlichsten Rollen spielte.

Kurz nach dem Oscar-Erfolg des Films wurde bekannt, dass der Schauspieler im Alter von 54 Jahren in Walbeck in Sachsen-Anhalt an Magenkrebs gestorben war. Die Beisetzung hatte im engsten Familienkreis stattgefunden, ganz nach seinem Wunsch nach Ruhe und Zurückgezogenheit.

Ulrich Mühe kehrte für seine letzten Tage nach Walbeck zurück

Wie „Bild“ berichtete, war Mühe rund zwei Wochen vor seinem Tod gemeinsam mit seiner dritten Ehefrau Susanne Lothar und den Kindern in sein Sommerhaus nach Walbeck zurückgekehrt, um dort Abschied zu nehmen. In dem Ort lebten auch seine Mutter und seine Brüder.

Ein Freund schilderte laut „Bild“ die letzten Wünsche des Schauspielers mit den Worten: „Er wollte hier sterben, die letzten Tage in Ruhe im Kreise seiner Familie sein.“ 

Zuvor hatte sich Mühe aus dem Krankenhaus in seine Berliner Wohnung bringen lassen. Als keine Therapie mehr anschlug, wurde er nur noch palliativ behandelt.

Oscar-Erfolg und Krankheit lagen bei ihm dicht beieinander

Besonders tragisch wirkte der Kontrast zwischen seinem späten Welterfolg und seiner schweren Erkrankung. Schon in der Oscar-Nacht war Mühe schwer krank, trat aber dennoch an der Seite von Susanne Lothar vor die Kameras.

Nach einer Magenoperation hatte er zunächst gehofft, die Krankheit überwunden zu haben. Der „Bild“ hatte er noch erklärt: „Ich fühle mich wieder gut. Die Operation und die anschließende Reha sind gut verlaufen.“ Wenig später kehrte der Krebs jedoch mit großer Härte zurück. Damit endete das Leben eines Schauspielers, der gerade internationale Anerkennung erhalten hatte.

Das Leben der Anderen machte ihn weltweit zum Gesicht des Films

Seine Darstellung in „Das Leben der Anderen“ blieb für viele Zuschauer untrennbar mit seinem Namen verbunden. Besonders sein zurückgenommenes, intensives Spiel galt als Stärke, mit dem er den inneren Wandel eines DDR-Offiziers greifbar machte.

Mühe kannte die Welt, die der Film zeigte, aus eigener Erfahrung. Er stammte aus Grimma, leistete Wehrdienst an der Berliner Mauer und sprach später offen über die Belastungen dieser Zeit. Auf die Frage nach seiner Vorbereitung für die Rolle sagte er: „Ich habe mich erinnert“, sagte Ulrich Mühe laut „Tagesspiegel“.

Theater, Fernsehen und Kino prägten Ulrich Mühes Karriere

Trotz seines internationalen Filmerfolgs war Mühe vor allem ein Star des Theaters. Er spielte an der Volksbühne, am Deutschen Theater und später auch am Burgtheater Wien. Zugleich erreichte er ein großes Fernsehpublikum als Rechtsmediziner Robert Kolmaar in der ZDF-Serie „Der letzte Zeuge“.

Auch im Kino zeigte er eine große Bandbreite, von „Funny Games“ über „Das Spinnennetz“ bis zu „Mein Führer“. Mühe hinterließ fünf Kinder aus drei Ehen. Mit seinem Tod verlor die deutsche Film- und Theaterwelt einen Darsteller, dessen Kunst vielschichtig und unverwechselbar blieb.