Raimund Harmstorf (†57) galt über Jahrzehnte als Inbegriff des kraftvollen Fernsehhelden. Als Wolf Larsen in „Der Seewolf“ wurde der 1939 geborene Schauspieler zum Star, später folgten Rollen in „Der Kurier des Zaren“, „Tatort“, „Derrick“ und der „Schwarzwaldklinik“. Doch hinter dem Bild des starken Mannes hatte sich in seinen letzten Jahren eine schwere Belastung aufgebaut.
Raimund Harmstorf litt an Parkinson und zog sich zurück
Harmstorf litt an Parkinson und nahm Medikamente gegen die Symptome, deren Nebenwirkungen laut Weggefährten Angstzustände, Wahnvorstellungen und Psychosen auslösen konnten, so „Focus“. 1998 endete sein Leben unter dramatischen Umständen.
Der Schauspieler lebte damals auf einem Bauernhof im Ostallgäu, in dem kleinen Ort Selbensberg mit Blick auf die Alpen. Nachbarn beschrieben ihn als ruhigen, häuslichen Menschen, der gern strickte und im Dorf geschätzt wurde. Zugleich bemerkten viele, dass es ihm gesundheitlich schlechter ging: Er ging langsamer und sprach leiser als früher.
Die Schlagzeile traf den Schauspieler mit voller Wucht
Am 2. Mai 1998 erschien eine Boulevardmeldung über einen angeblichen Aufenthalt in der geschlossenen Psychiatrie. Kurz darauf standen Reporter vor seinem Haus, das Telefon klingelte pausenlos. Seine Lebensgefährtin Gudrun Staeb erinnerte sich später daran, wie sehr ihn die Berichte trafen.
Besonders belastend war für ihn, dass die Geschichte noch am selben Abend im Fernsehen aufgegriffen wurde. In der Küche soll er gefragt haben, ob dies wirklich sein Leben sei und ob seine Theater- und Filmarbeit nun keine Rolle mehr spiele.
Der „Seewolf“ war viel mehr als seine berühmteste Rolle
Die Figur des Wolf Larsen machte Harmstorf Anfang der 70er Jahre zum Fernsehstar. Das Bild des unerschütterlichen Kraftmenschen prägte ihn lange, auch wegen der legendären Kartoffelszene, die allerdings mit einer gekochten Kartoffel gedreht worden war.
Danach spielte der frühere Zehnkampfmeister von Schleswig-Holstein in mehr als 70 Produktionen für Film, Fernsehen und Bühne. Er stand auch mit Bud Spencer und Terence Hill vor der Kamera. Gleichzeitig war sein Berufsleben von Rückschlägen geprägt: Unfälle, Verletzungen und die Pleite seines Restaurants belasteten ihn zusätzlich.
Tragischer Tod
Harmstorf starb auf dem Dachboden seines Hauses. Seine Lebensgefährtin fand am Morgen das leere Bett vor. Dem „SZ-Magazin“ erklärte sie: „Wir sind dann ziemlich früh ins Bett gegangen und von dem, was in der Nacht passiert ist, habe ich nichts mitbekommen. Denn wir haben uns wie immer Ohropax in die Ohren getan. [...] Ich weiß nur noch, dass ich vor dem Einschlafen seine Hand genommen habe. Als ich dann am nächsten Morgen so gegen sechs aufgewacht bin, war der Platz neben mir leer. Leer und kalt.“
Im Ort war die Erschütterung groß, weil viele ihn als hilfsbereiten und warmherzigen Nachbarn erlebt hatten. Ein Landwirt erzählte, Harmstorf habe sogar seine Harley verliehen, weil die Kinder davon schwärmten.
Hier bekommen Sie umgehend Hilfe
Wenn Sie selbst depressiv sind oder Selbstmord-Gedanken haben, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge (www.telefonseelsorge.de).
Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.