Am 22. Mai 2026 feiert eine fast vergessene Größe des deutschen Fernsehens ihren 89. Geburtstag: Elftraud „Elfi" Marie Elisabeth Wilhelmina Ulrike von Kalckreuth, geboren 1937 in Breslau. Eine Adelige aus dem niederschlesischen Uradel, Tochter eines Fregattenkapitäns. Eine Vertriebene. Eine Schauspielerin. Eine ZDF-Ikone. Und heute: eine Sterbebegleiterin. Eine Lebensreise, die zeigt, wie viele Verwandlungen ein Mensch im Laufe eines Jahrhunderts durchlaufen kann.

Elfi von Kalckreuth und ihre Kindheit: Vertreibung aus Schlesien

Was viele nicht wissen: Elfi von Kalckreuth kam in einer Welt zur Welt, die wenige Jahre später nicht mehr existieren sollte. 1937 in Breslau, der einstigen schlesischen Provinzhauptstadt, als Tochter eines Fregattenkapitäns und Diplom-Landwirts. Die Familie stammt aus dem niederschlesischen Uradel – einem der ältesten Adelsgeschlechter Ostdeutschlands.

Acht Jahre später war alles vorbei. Mit Kriegsende 1945 wurde die Familie aus Schlesien vertrieben – wie Millionen anderer deutscher Familien aus den Ostgebieten. Elfi kam mit ihren Eltern nach Laupheim in Württemberg, fernab von der Heimat, in der sie ihre ersten Jahre verbracht hatte. Eine Erfahrung, die ihr Leben für immer prägte. Vielleicht ist es kein Zufall, dass die Themen Verlust und Trauer Jahrzehnte später zu ihrer eigentlichen Berufung werden sollten.

Elfi von Kalckreuth und ihr Weg ins Fernsehen: Vom Adelsspross zum ZDF-Gesicht

Nach dem Abitur studierte sie sechs Semester Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte – an den Universitäten Tübingen und München. Eine klassische Bildungsbiografie der Nachkriegszeit. In München fand sie zum Theater, arbeitete als Funk- und Synchronsprecherin, Regieassistentin und Schauspielerin. Unter dem Künstlernamen Eva Anthes stand sie 1959 und 1960 für vier Spielfilme vor der Kamera – darunter an der Seite von Joachim Fuchsberger in der Edgar-Wallace-Verfilmung „Der Frosch mit der Maske".

1957 sammelte sie ein halbes Jahr lang Erfahrungen beim Bayerischen Rundfunk als Ansagerin. Es war die Vorarbeit für jene Karriere, die sie später zur Stimme einer Generation machen sollte. Im April 1965 begann Elfi von Kalckreuth beim ZDF zu arbeiten – zunächst als freie Mitarbeiterin im Bereich „Programmsprecher", später als feste Mitarbeiterin mit erweiterten Aufgaben. Eine Funk Uhr nannte sie liebevoll „Das Mainzelmännchen mit der dunklen Stimme".

Elfi von Kalckreuth und ihre TV-Glanzzeit: Der erste weibliche Quizmaster

Was für Frauen heute selbstverständlich wirkt, war damals revolutionär. Von 1976 bis 1980 moderierte Elfi von Kalckreuth das ZDF-Musikquiz „Spaß mit Musik" – und wurde damit zum ersten weiblichen Quizmaster in der Geschichte des bundesdeutschen Fernsehens. Eine Pionierin in einer Männerwelt. Daneben das frühsonntägliche „ZDF-Sonntagskonzert" von 1974 bis 1979, das in vielen Wohnzimmern den Sonntagmorgen prägte.

Sie war elegant, ohne kühl zu sein. Klug, ohne belehrend zu wirken. Eine Erscheinung wie aus einer anderen Zeit – und doch ganz modern. Dem breiten Publikum war Elfi von Kalckreuth über zwei Jahrzehnte vor allem als Ansagerin bekannt – jene würdevolle Übergangsfigur zwischen den Sendungen, die heute aus dem Fernsehen verschwunden ist. Am 1. April 1982 wurde sie feste ZDF-Mitarbeiterin, ab da auch als Leiterin vom Dienst und Redakteurin tätig. Bis 1993 arbeitete sie in der Redaktion „Schauspiel".

Elfi von Kalckreuth heute: Sterbebegleiterin und Sinnsucherin

Doch die schönste Pointe ihres Lebens beginnt erst nach der Fernsehkarriere. 1992 – sie war gerade 55 Jahre alt – wandte sich Elfi von Kalckreuth einer ganz anderen Aufgabe zu: der ehrenamtlichen Hospizarbeit. Parallel absolvierte sie in den USA eine Ausbildung in Gestalttherapie, später in Existenzanalyse und Logotherapie. Seit 1998 arbeitet sie als Therapeutin. Aus dem TV-Gesicht wurde eine Sterbebegleiterin.

Ihre Erfahrungen verarbeitete sie in mehreren Büchern, darunter „Auf dem Weg mit Sterbenden", das heute zur Standardliteratur der Hospizbewegung zählt. Hinzu kamen Bücher wie „Angst als Freund: Alltäglichen Ängsten mit Vertrauen begegnen" und Meditations-CDs zum christlichen Leben. Die gläubige Katholikin gibt Vorträge, war Lehrbeauftragte an der Universität Mainz. Eine Frau, die in ihrer zweiten Lebenshälfte gefunden hat, was sie in der ersten suchte: Sinn.

Heute, an ihrem 89. Geburtstag, lebt Elfi von Kalckreuth zurückgezogen. Ihre Stimme aus den Ansagepausen des ZDF ist heute auf YouTube nur noch ein nostalgisches Echo.

Doch ihr eigentliches Werk wirkt fort – in jedem Menschen, der dank ihrer Bücher mit weniger Angst auf den letzten Lebensweg blickt.

Vielleicht ist genau das die schönste Pointe ihres Geburtstages: Eine adlige Vertriebene aus Schlesien wurde zur Stimme einer Generation – und gab dieser Stimme später eine Bedeutung, die kein Fernsehbildschirm der Welt hätte vermitteln können.