Schlagersängerin Renate Kern galt in den 70er-Jahren als Stimme für Trost und Zuversicht – privat aber zerbrach sie an Druck, Erwartungen und inneren Konflikten. Die Künstlerin, deren bürgerlicher Name Renate Poggensee von Produzenten in das markantere „Kern“ geändert wurde, wollte eigentlich Lehrerin werden, bevor sie im Musikgeschäft landete. Mit Hits wie „Du mußt mit den Wimpern klimpern“ oder „Lieber mal weinen im Glück“ sang sie sich in die deutsche Schlagerlandschaft. Doch je erfolgreicher ihre Lieder wurden, desto größer wurde offenbar die Diskrepanz zwischen Bühnenfigur und verletzlicher Frau dahinter.
Das tragische Ende von Renate Kern
Während einer Phase schwerer Depressionen soll Renate Kern in Kontakt mit einer streng organisierten Sekte geraten sein.
Laut Medienberichten wurde sie in eine psychiatrische Klinik eingeliefert. Kurz vor ihrer Entlassung habe man sie dort als nicht mehr suizidgefährdet eingeschätzt. Wenige Zeit später, am 18. Februar 1991, wurde sie erhängt auf dem Dachboden ihres Hauses in Wildeshausen aufgefunden. Die Rechnung für den Strick habe sich laut „taz“ in ihrer Nähe befunden.
„Und vor mir die Sterne“ ist eine Dokumentation über die aus Wildeshausen stammende Schlagersängerin Renate Kern. Inszeniert wurde der Film von den Regisseuren Ulrike Franke und Michael Loeken. Die beiden Regisseure sprachen mit „taz" über den viel zu frühen Tod der Sängerin und warum sie in ihrer Dokumentation den Grund des Suizids nicht thematisierten: „Eine endgültige Antwort kann es bei einem Selbstmord gar nicht geben. Wir hatten zwar noch Material darüber, wie viele Millionen Schulden sie hatte, in welche Sekte sie eingetreten war, oder wie es um ihre Ehe stand, aber wir wollten die Geschichte lieber mit filmischen Mitteln erzählen. Wir liefern Einsichten, aus denen jeder seine eigenen Rückschlüsse ziehen kann, ohne daß wir zu konkret werden."
Unerfüllter Traum von der „deutschen Piaf“
Beruflich träumte Renate Kern von einer ernsteren künstlerischen Laufbahn. Dieter Thomas Heck berichtete, ihr Wunsch, eine deutsche Édith Piaf zu werden, sei abgelehnt worden – man habe bereits Mireille Mathieu und brauche Kern als optimistische Wimpernklimpern-Sängerin. Statt tiefgründiger Chansons prägten stampfende Beats und aufmunternde Texte ihr Repertoire. Ein Weggefährte nannte sie gönnerhaft „die Sängerin der Provinz“. Diese Einordnung traf eine Frau, die sich selbst offenbar nie genügte und große Angst vor Auftritten hatte. Der Titel „Und vor mir die Sterne“ wurde zum Sinnbild ihres Gefühls, nie dort anzukommen, wo sie eigentlich hinwollte.
Hier bekommen Sie umgehend Hilfe
Wenn Sie selbst depressiv sind, Selbstmord-Gedanken haben, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge (www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.