Biathlon-Ikone Magdalena Neuner (38) meldet sich mit einem sehr persönlichen Blick auf ihre Sportart und ihre Weggefährten zurück. Die ehemalige Ausnahmesportlerin, die zwischen 2007 und 2012 Titel um Titel sammelte und mit nur 25 Jahren ihre Karriere beendete, zeigt sich nachdenklich wie selten. Im Gespräch mit Welt und Sportbild spricht die Oberbayerin über den Verlust von Laura Dahlmeier (†31), die neue Rolle als Mutter, die Herausforderungen des Spitzensports und die Hoffnungen für Olympia in Antholz. Dabei wird deutlich: Hinter den glänzenden Medaillen stecken Zweifel, Druck – und ein großer Wunsch nach Sicherheit für den Nachwuchs.

Magdalena Neuner über Laura Dahlmeier: „Sie hat Maßstäbe gesetzt“

Besonders emotional wird die frühere Biathletin, wenn sie über Laura Dahlmeier spricht. Die verunglückte Olympiasiegerin bleibt für Neuner unvergessen – sportlich wie menschlich. „Laura fehlt – sportlich wie menschlich. Sie war extrem fokussiert, mutig, klar und gleichzeitig bodenständig“, so Neuner. Dahlmeier habe Rennen geprägt und eine enorme Ausstrahlung gehabt. Für Neuner bleibt sie ein Mensch, „der ganz genau wusste, was er will im Leben und sich von nichts und niemandem verbiegen ließ“. Ihre Worte zeigen, wie tief der Schock in der Biathlon-Familie noch sitzt und wie groß der Respekt für Dahlmeiers Lebensleistung ist.

Karriereende mit 25: Warum Neuner damals stoppte

Mit zwölf WM-Titeln und zwei olympischen Goldmedaillen hörte die damals 25-Jährige auf dem absoluten Höhepunkt auf. Heute beschreibt sie diese Entscheidung als langen inneren Prozess. Ruhpolding 2012 sei für sie ein emotionaler Gipfel gewesen, nach dem es „nicht mehr größer, nicht mehr intensiver“ geworden wäre. Sie habe gehen wollen, solange sie noch Freude und Stolz empfindet – ohne Bitterkeit. Gleichzeitig räumt Neuner ein, dass es Phasen gab, in denen sie sich vom medialen Druck und den Erwartungen überfordert fühlte. Genossen habe sie vor allem die Momente, „in denen alles aufgegangen ist“ – wenn harte Arbeit, Vertrauen und Leistung perfekt zusammenpassten.

Franziska Preuß, neue Generation und Olympia-Hoffnungen

Wenn es um die Zukunft des deutschen Biathlons geht, klingt Neuner optimistisch. Weltmeisterin Franziska Preuß traut sie bei Olympia „sehr viel zu – bis hin zu Medaillen“. Das WM-Gold 2025 sei ein Schlüsselmoment gewesen, der einen mentalen Knoten gelöst habe. Preuß’ größte Stärken sieht Neuner in Konstanz, mentaler Stärke und Professionalität. Gleichzeitig warnt sie die neue Generation um Selina Grotian und Julia Tannheimer davor, sich zu früh nur über Ergebnisse zu definieren. Wichtig sei ein langer Atem und der eigene Stil. Dem deutschen Team insgesamt traut sie in Antholz mehrere Medaillen zu – entscheidend werde das Schießen unter Druck sein.

Mutterrolle, Sponsoren-Druck und Einsatz für die Sporthilfe

Privat lebt die dreifache Mutter heute deutlich ruhiger, auch wenn Sport und Alltag sie weiter „auf Trab“ halten. Umso größer ist ihr Respekt für Athletinnen wie Janina Hettich-Walz, die Leistungssport und Muttersein parallel stemmen. Ihr Rat: Geduld, klare Prioritäten, keine Vergleiche. Gleichzeitig spricht Neuner offen über finanzielle Sorgen vieler Talente. Der Markt sei härter geworden, sportlicher Erfolg allein reiche oft nicht mehr, so die Olympiasiegerin. Sichtbarkeit und Werte spielten eine immer größere Rolle. Umso wichtiger sei die Stiftung Deutsche Sporthilfe, die sie selbst neun Jahre lang unterstützte. „Wer ständig Existenzängste hat, kann sein Potenzial nicht voll entfalten“, betont Neuner – und wirbt als Gesicht der Kampagne „#wirgehenweiter“ für mehr Unterstützung durch den Bund.