In der NDR Talkshow zeigt sich Sänger Der Graf so persönlich wie selten zuvor. Der 56-Jährige, der mit Unheilig große Erfolge feierte, blickt auf Monate voller Schmerz zurück: Innerhalb kurzer Zeit verlor er erst seinen Vater, dann seine Mutter.

Während er eigentlich sein Bühnen-Comeback genießen wollte, wurde seine Welt aus den Angeln gehoben. Offen berichtet er von Telefonaten, Diagnosen und Abschieden – und davon, wie sehr ihn diese Ereignisse geprägt haben. Gleichzeitig macht er deutlich, welche Rolle seine Familie und die Musik in dieser Ausnahmesituation spielten.

Der Graf verliert Vater während Tour-Comeback

Vor rund einem halben Jahr kehrte der Musiker nach langer Pause auf die Bühne zurück. Neun Jahre hatte er sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, dann stand er wieder vor ausverkauften Hallen. Doch mitten in dieser Phase erreichte ihn die Nachricht vom plötzlichen Tod seines Vaters.

„Die Situation war nicht einfach für mich. Ich habe versucht, das zu verarbeiten, indem ich unsere Konzerte weitergespielt habe“. Die Bühne wurde für ihn zum Ort, an dem er den ersten Schock in Energie und Musik zu verwandeln versuchte.

Schwere Diagnose für seine Mutter Anfang des Jahres

Kaum hatte er begonnen, den Tod des Vaters zu begreifen, folgte der nächste Schlag. „Als Anfang des Jahres die Nachricht kam, dass meine Mama nicht mehr lange leben wird, hat mir das den Boden unter den Füßen weggerissen“, erklärte der Sänger. Die Aussicht, innerhalb kürzester Zeit beide Eltern zu verlieren, traf ihn tief.

Er schildert, wie er sich zunächst komplett zurückzog, um überhaupt atmen zu können. In dieser Phase sei seine Familie eng zusammengerückt, habe ihn aufgefangen und ihm Halt gegeben, als er selbst kaum Kraft hatte.

Zusage für „Sing meinen Song“ und innerer Konflikt

Kurz vor der Diagnose seiner Mutter hatte Der Graf für die Vox-Show „Sing meinen Song“ zugesagt, deren Dreharbeiten in Südafrika stattfinden. Als sich der Gesundheitszustand seiner Mutter dramatisch verschlechterte, sagte er das Projekt zunächst ab. „Ich dachte, ich kriege das emotional nicht hin“, berichtet er.

Die Produktion reagierte mit großem Verständnis. Schließlich entschied sich der Musiker doch zur Teilnahme. „Ich dachte, vielleicht hilft es mir ja. Heute weiß ich: Ohne die Musik und diese Sendung hätte ich den Verlust meiner Eltern nicht so schnell verkraftet“, so der 56-Jährige.

Abschied von der Mutter kurz vor dem Abflug

Vor dem Flug nach Südafrika stand für ihn fest, dass er sich bewusst von seiner Mutter verabschieden musste. Er bedankte sich bei ihr, „im Gefühl, dass es vielleicht das letzte Mal ist“. Ihre Reaktion beschreibt er mit einem liebevollen Lächeln: „Du sagst aber jetzt nichts ab, oder?“, habe sie ihm gesagt.

Einen Tag vor seinem Abflug starb sie. „Ich war sehr traurig, aber dachte mir auch: typisch Mama! Sie regelt immer noch die Dinge für mich“, erzählt der Sänger. Der Gedanke, dass seine Eltern nun „auf einer Wolke“ vereint seien, gebe ihm Trost. „Sie hat mir gezeigt, was Liebe ist“, so Der Graf über seine Mutter.