Was fast niemand zu Lebzeiten wusste: Die markante Stimme und die überlebensgroße Präsenz hatten einen ungewöhnlichen Ursprung – Beatrice Arthur war bei den US-Marines.
Das Geheimnis hütete sie ihr Leben lang. Erst 2010, ein Jahr nach ihrem Tod, wurden die Militärakten öffentlich. Und sie offenbarten eine Seite der geliebten Fernsehikone, die keiner ihrer Fans je vermutet hätte: Arthur diente im Zweiten Weltkrieg 30 Monate lang, wurde als Lastwagenfahrerin und Dispatcher eingesetzt und schied im September 1945 im Rang eines Staff Sergeant ehrenhaft aus der Armee aus.
Beatrice Arthur: Eine der ersten Marine-Frauen überhaupt
Am 13. Februar 1943 rief das US-Marine-Corps erstmals in seiner Geschichte Frauen zum Dienst: „Be a Marine – Free a Man to Fight." Nur fünf Tage später stand die damals 20-jährige Bernice Frankel, wie Arthur bürgerlich hieß, in der Rekrutierungsstelle. Die Tochter jüdischer Einwanderer aus Polen und Österreich brauchte die schriftliche Zustimmung ihrer Eltern, um dienen zu dürfen. Nach der Grundausbildung war sie von 1944 bis 1945 als Truck-Fahrerin auf der Marine Corps Air Station Cherry Point stationiert.
In ihren Personalakten beschrieben sie Vorgesetzte 1943 als „selbstbewusst, aber wahrscheinlich eine gute Arbeiterin, wenn sie ihren eigenen Weg gehen darf". Das klingt verdächtig nach ihrer späteren Paraderolle Dorothy Zbornak. In einem Interview von 2001 für ein TV-Archivprojekt verleugnete Arthur ihren Militärdienst allerdings rundheraus: „Oh nein... nein." Warum sie ihr Leben lang schwieg, nahm sie mit ins Grab.
Beatrice Arthur: Der späte Durchbruch mit fast 50
Nach dem Krieg studierte Bernice Schauspiel in New York und kämpfte sich durchs Off-Broadway-Theater. Der ganz große Erfolg ließ lange auf sich warten. 1966 gewann sie den Tony Award für ihre Rolle als Vera Charles in „Mame" an der Seite von Angela Lansbury – die beiden wurden beste Freundinnen bis zum Tod.
Der TV-Durchbruch kam erst mit 50 Jahren. Ab 1972 spielte sie in der Sitcom „Maude" eine streitbare Feministin. Die Serie griff Tabuthemen wie Abtreibung und Feminismus auf – und löste Proteststürme aus. Bea bekam dafür ihren ersten Emmy. Privat adoptierte sie mit ihrem damaligen Ehemann, Regisseur Gene Saks, zwei Söhne: Matthew und Daniel.
Beatrice Arthur und die „Golden Girls": Ein Quartett für die Ewigkeit
1985 folgte dann die Rolle ihres Lebens. In „Golden Girls" verkörperte sie Dorothy Zbornak, eine geschiedene Lehrerin aus New York, die mit drei anderen reifen Damen in Miami eine Wohngemeinschaft bildete. Die Serie war revolutionär: Zum ersten Mal standen Frauen über 50 im Mittelpunkt einer großen TV-Serie. Bea, Betty White, Rue McClanahan und Estelle Getty wurden zum unvergesslichen Quartett.
Sieben Staffeln lang liefen die „Golden Girls". Beas trockener Humor, ihre vernichtenden Sprüche und ihr unvergessliches „Picture it..." bleiben für immer. Für die Rolle bekam sie 1988 ihren zweiten Emmy als beste Hauptdarstellerin. 1992 stieg sie aus, weil sie neue Herausforderungen suchte.
Beatrice Arthur: Das stille Ende einer lauten Frau
In ihren letzten Jahren kämpfte Bea Arthur für Tierrechte mit PETA, für LGBTQ-Jugendliche und Obdachlose. Sie spendete dem Ali Forney Center in New York, das obdachlose queere Teenager betreut, 300.000 Dollar. 2008 erhielt sie die Diagnose Krebs. Sie kämpfte still, wie sie auch gedient hatte – diszipliniert, ohne großes Aufsehen. Am 25. April 2009 starb Beatrice Arthur in ihrem Haus in Brentwood, Los Angeles, im Alter von 86 Jahren.
17 Jahre später lebt ihr Lachen weiter – in Millionen Wohnzimmern, in denen die „Golden Girls" immer noch laufen. Und hinter dieser unvergesslichen Dorothy Zbornak stand eine Frau, die als eine der allerersten ihres Landes die Uniform der US-Marines tragen durfte. Bernice „Bea" Frankel Arthur, Staff Sergeant a.D.