Schauspieler Armin Rohde steht seit Jahrzehnten vor der Kamera, doch nun rückt seine Arbeit hinter dem Objektiv in den Mittelpunkt. Im Ruhr Museum in Essen präsentiert der 71-Jährige die Ausstellung „Gesichter des Reviers – Vom Ankommen und Dazugehören“. Gezeigt werden Porträts von Menschen, deren Lebenswege eng mit dem Ruhrgebiet verbunden sind. Für Rohde ist das Projekt mehr als eine künstlerische Arbeit: Als Kind einer Arbeiterfamilie aus Gladbeck nähert er sich damit auch seiner eigenen Herkunft und einer Region, die ihn bis heute prägt.

Armin Rohde spricht offen über seine Herkunft

Der Schauspieler wuchs zunächst im Ruhrgebiet auf, bevor die Familie nach Wuppertal zog. Sein Vater arbeitete im Bergwerk, seine Mutter in einer Fabrik. In der Schulzeit erlebte Rohde, wie stark soziale Herkunft bewertet wurde. „Das war eine Zeit, in der Arbeiterkinder noch sehr selten auf dem Gymnasium waren“, so Armin Rohde. Erst mit der Aufnahme an der Schauspielschule änderte sich sein Blick auf sich selbst. Dort wurde seine Herkunft nicht als Nachteil gesehen, sondern als Teil einer besonderen Biografie.

Ruhr Museum zeigt Porträts vom Ankommen und Bleiben

Im Zentrum der Ausstellung stehen Menschen mit Einwanderungsgeschichte, die im Revier ihren Platz gefunden haben. Das Projekt beleuchtet Lebens- und Arbeitswege und erzählt von Ankommen, Bleiben und Weitergehen. Zu sehen sind etwa eine junge Frau vor einem griechischen Imbiss oder Maria und Czeslaw Golebiewski vor ihrem früheren Lokal „Gdanska“ in Oberhausen. Auch der Arzt und Professor Ali Canbay gehört zu den Porträtierten. So will die Ausstellung Vielfalt sichtbar machen und gegenseitiges Verständnis fördern.

Armin Rohde fotografiert mit Nähe und Vertrauen

Rohde arbeitet bevorzugt ungestellt, auch wenn nicht jedes Bild spontan entstanden ist. Gerade diese Mischung aus direkter Begegnung und bewusster Inszenierung prägt die Serie. Für viele Porträts nutzt er das Vertrauen, das ihm Menschen entgegenbringen. Als Schauspieler sei er immer derjenige, dem zugeschaut wird. Aber als Fotograf dürfe er anderen zuschauen meinte Armin Rohde. Auch bei Dreharbeiten greift er oft zur Kamera, wenn zwischen den Szenen Zeit bleibt. Kollegen ließen sich darauf ein, weil sie seine Haltung kennen.

Brost-Stiftung rückt Migrationsgeschichte ins Zentrum

Initiiert wurde das Projekt von der Brost-Stiftung gemeinsam mit dem Ruhr Museum. Es ist Teil der Initiative „Wege ins Revier“, die sich mit der Migrationsgeschichte der Region beschäftigt. Die Fotografien zeigen nicht nur einzelne Gesichter, sondern auch, wie stark Zuwanderung das Ruhrgebiet wirtschaftlich, sozial und kulturell geprägt hat. Rohdes Arbeiten eröffnen dabei einen persönlichen Blick auf Zugehörigkeit, Arbeit und Wandel. Die Ausstellung in Essen ist noch lange zu sehen und setzt ein klares Zeichen für gesellschaftlichen Zusammenhalt.