Wenn irgendwo auf der Welt die Klänge von „Sirtaki" erklingen, denkt jeder Filmfan sofort an einen Mann: Anthony Quinn. Seine Rolle als griechischer Lebenskünstler Alexis Sorbas in der Verfilmung von 1964 machte ihn endgültig unsterblich. Heute jährt sich sein Geburtstag zum 111. Mal – Zeit, zurückzublicken auf ein Leben, das so bewegt war wie seine Filme.

Anthony Quinn: Vom Straßenjungen zum Hollywood-Star

Seine Lebensgeschichte ist schon für sich genommen filmreif. Geboren am 21. April 1915 in Chihuahua, Mexiko, als Antonio Rodolfo Quinn Oaxaca, kam er mitten in den Wirren der Mexikanischen Revolution zur Welt. Sein Vater kämpfte an der Seite des legendären Revolutionärs Pancho Villa, seine Mutter war bei Anthonys Geburt gerade einmal 15 Jahre alt.

„Meine Mutter hat mich in einem Kohlekarren versteckt und ist so mit mir von Mexiko nach El Paso geflohen", erzählte Quinn später. In den Armenvierteln von Los Angeles wuchs er auf – und verlor mit 12 Jahren seinen Vater bei einem Verkehrsunfall. Schon als Kind musste er Geld verdienen: als Zeitungsjunge, Schuh- und Fensterputzer, Maurer, Boxer und Wasserträger.

Anthony Quinn – Der Kraftmensch mit Oscar-Gold

Doch Anthony Quinn hatte ein besonderes Talent: Bereits als Elfjähriger bekam er einen Preis für eine Skulptur. Der legendäre Architekt Frank Lloyd Wright wurde auf den jungen Mexikaner aufmerksam – und bezahlte ihm sogar eine Zungenoperation, die einen Sprachfehler behob. Der Dank? Quinn entdeckte durch den Sprachtherapie-Unterricht seine Leidenschaft für die Schauspielerei.

Der Durchbruch kam spät: 1952 spielte Anthony Quinn in Elia Kazans „Viva Zapata!" an der Seite von Marlon Brando und gewann seinen ersten Oscar als Bester Nebendarsteller – als erster mexikanisch-amerikanischer Schauspieler überhaupt! Nur vier Jahre später folgte der zweite Oscar für seine Rolle als Paul Gauguin in „Vincent van Gogh – Ein Leben in Leidenschaft" (1956).

„Alexis Sorbas": Die Rolle seines Lebens

Seinen größten Erfolg feierte Anthony Quinn aber 1964 als „Alexis Sorbas". Der Film nach dem Roman von Nikos Kazantzakis machte ihn weltweit zur Legende – ein Mexikaner wurde zum Inbegriff griechischer Lebensart. Für die Rolle erhielt Quinn seine dritte Oscar-Nominierung (diesmal als Hauptdarsteller).

Später erzählte er, dass Sorbas „die Macht über ihn ergriffen" habe – schon beim Lesen des Romans. In der berühmten Schlussszene am Strand von Kreta sei „der Funke des Glücks, die glückliche Lebenseinstellung auf die Menschen in der ganzen Welt übergesprungen", so Quinn. 1985 kehrte er sogar mit einem „Zorbas"-Musical an den Broadway zurück – ein Abschied mit Stil.

Anthony Quinn: Weltkino und Federico Fellini

Neben „Alexis Sorbas" hinterließ Anthony Quinn Spuren in vielen Filmklassikern: „La Strada" (1954) mit Federico Fellini, „Lawrence von Arabien" (1962) mit Peter O'Toole, „Die Kanonen von Navarone" (1961) und „Der Glöckner von Notre Dame" (1956), in dem er den Quasimodo verkörperte.

Hollywood hatte ihn anfangs auf Nebenrollen als Mexikaner oder Indianer festgelegt – über 50 Mal spielte er einen amerikanischen Ureinwohner! Quinn selbst sagte dazu einmal offen: „Es gibt wunderbare Schauspieler, die niemals Stars werden, weil sie Latinos sind. Ich kämpfte für meinen Platz. Ich verließ Amerika und drehte in Italien, Ungarn und Griechenland."

Anthony Quinn privat: 13 Kinder von fünf Frauen

Auch privat lebte Anthony Quinn wie sein Alexis Sorbas: leidenschaftlich und ohne Kompromisse. Dreimal war er verheiratet, und insgesamt hatte er 13 Kinder von fünf verschiedenen Frauen – die letzten beiden zeugte er erst mit 68 und 71 Jahren!

Seine erste Ehe mit Schauspielerin Katherine DeMille, der Adoptivtochter des legendären Regisseurs Cecil B. DeMille, hielt von 1937 bis 1965 und brachte fünf Kinder hervor. Tragisch: Ihr erstgeborener Sohn Christopher ertrank 1941 als Kleinkind in einem Teich auf dem Anwesen von Schauspieler W. C. Fields.

Nach einer Affäre mit Yolanda Addolori (1966 Ehefrau Nummer zwei) folgten drei weitere Kinder, darunter die Schauspieler Francesco und Daniele Quinn. Seine dritte Ehe schloss Quinn 1997 im Alter von 82 Jahren mit seiner früheren Sekretärin Kathy Benvin, mit der er ebenfalls zwei Kinder bekam.

Anthony Quinn: Maler, Bildhauer, Universalkünstler

Was viele nicht wissen: Anthony Quinn war nicht nur Schauspieler. Er war auch ein bedeutender Maler, Bildhauer und sogar Designer von Schmuck und Uhren. 1972 veröffentlichte er seine Memoiren „Der Kampf mit dem Engel". Seine Kunst wird bis heute in Galerien weltweit ausgestellt – ein Universaltalent durch und durch.

Der Tod von Anthony Quinn: Abschied einer Legende

Am 3. Juni 2001 starb Anthony Quinn im Alter von 86 Jahren in Boston an Lungenversagen nach einer Lungenentzündung. Die Welt trauerte um einen Schauspieler, dessen Lebenslust und Leidenschaft ihn zu einem wahren Ausnahmekünstler gemacht hatten.

Anthony Quinn wäre heute 111: Sein Erbe lebt weiter

Heute, an seinem 111. Geburtstag, erinnern sich Filmfans weltweit an Anthony Quinn. An seinen Tanz am Strand von Kreta, an sein mächtiges Gebrüll in „La Strada", an seinen Zampanò, seinen Gauguin, seinen Sorbas. 167 Filme hat die Internet Movie Database für ihn gelistet – und jeder einzelne trägt seine unverwechselbare Handschrift.

Wie hätte er selbst wohl seinen 111. Geburtstag gefeiert? Wahrscheinlich wie sein Alexis Sorbas – mit einem Glas Retsina, Sirtaki-Klängen und einem breiten Lächeln. Denn das war Anthony Quinn: ein Mann, der das Leben in vollen Zügen genoss. Und uns gelehrt hat, es ebenso zu tun.