Rockmusiker Wolfgang Niedecken, Frontmann der Kölner Band BAP erlebte im Jahr 2011 einen Moment, der sein Leben grundlegend veränderte. Mit 60 Jahren erlitt der Sänger einen Schlaganfall – eine Diagnose, die ihn völlig unerwartet traf.
Während er selbst die ersten Symptome zunächst verharmloste, erkannte seine Frau Tina sofort den Ernst der Lage und handelte schnell. Heute spricht der Musiker offen darüber, wie knapp die Situation war, wie sehr ihn dieser Einschnitt geprägt hat und welchen Stellenwert seine Familie und die Medizin seitdem in seinem Leben einnehmen.
Schlaganfall mit 60: „Mir war nur ein bisschen flau“
Im Rückblick beschrieb der Sänger, wie unscheinbar die ersten Anzeichen wirkten. „Ich selbst habe gedacht, mir ist nur ein bisschen flau“, erzählte er im Interview mit „Chrismon“. Seine Frau Tina zögerte jedoch nicht und alarmierte sofort Hilfe.
Innerhalb von nur etwa einer halben Stunde war er in einer spezialisierten Stroke Unit, einer Klinikabteilung für Schlaganfall-Patienten. Dort stellten die Ärzte fest, dass ein Blutgerinnsel im Gehirn die Ursache war – eine akute Gefahr, die ohne rasche Behandlung schwere Schäden oder sogar den Tod hätte bedeuten können.
Lebensrettende Behandlung in der Stroke Unit
Im Krankenhaus wurde der BAP-Sänger intensiv medizinisch betreut. Die Ärzte entschieden sich für einen Eingriff: „Dort sind sie über die Hauptschlagader mit einer Sonde bis ins Gehirn und haben das Blutgerinnsel rausgeholt“, berichtete Niedecken.
Dass er so schnell in der Klinik war, war dabei entscheidend: Je eher ein Schlaganfall behandelt wird, desto größer sind die Chancen, bleibende Schäden zu verhindern. Besonders gefährlich wird es, wenn Hirnareale betroffen sind, die lebenswichtige Funktionen wie Atmung oder Kreislauf steuern.
Harte Reha: Einfache Wörter werden zur Aufgabe
Trotz der zügigen Behandlung waren die Folgen des Schlaganfalls zunächst deutlich spürbar. Niedecken litt unter vorübergehenden Lähmungserscheinungen, und selbst einfache Denkaufgaben wurden zur Herausforderung.
Im Gespräch mit „Chrismon“ schilderte er, wie mühsam die ersten Schritte zurück in den Alltag waren: „Anfangs dauerte es sechseinhalb Minuten, bis ich mit den Buchstaben R-H-U das Wort ‚Uhr‘ legen konnte.“ Der Musiker kämpfte sich mit viel Disziplin zurück und fand Schritt für Schritt zu seiner kreativen Arbeit.
Neue Sicht aufs Leben und auf das Älterwerden
Im Nahinein änderte der Schicksalsschlag das Leben des Sängers komplett. „Der Schlaganfall hat vieles verändert. Lange habe ich überhaupt nicht daran gedacht, dass das Leben irgendwann mal zu Ende geht“, gab er im Interview zu.
Heute setzt sich Wolfgang Niedecken bewusster mit Vergänglichkeit und seinem Lebensabend auseinander. Für die kommenden Jahre hat er einen klaren Wunsch: „Ich möchte die letzten Jahre keine Schmerzen ertragen. Aber den Tod selbst, den fürchte ich nicht.“ Diese Offenheit zeigt, wie sehr ihn die Erfahrung geerdet hat – und wie dankbar er dafür ist, dass er dank schneller Hilfe und der Unterstützung seiner Frau sein Leben weiterführen kann.