Die Lage von Kronprinzessin Mette-Marit hat in Norwegen eine starke Reaktion ausgelöst. Nachdem der Palast in Oslo am 5. Juni mitgeteilt hatte, dass die 52-Jährige auf der Warteliste für eine Lungentransplantation steht, stieg die Zahl der Registrierungen zur Organspende sprunghaft an. Innerhalb weniger Tage meldeten sich Tausende Menschen neu an. Für viele Norweger rückte damit ein Thema in den Vordergrund, das sonst oft erst dann besprochen wird, wenn eine Familie unmittelbar betroffen ist. Gerade deshalb ist die Resonanz im Land so bemerkenswert.
Mette-Marit hat eine neue Lunge
Die Frau von Kronprinz Haakon leidet an einer unheilbaren Lungenfibrose. Dabei vernarbt das Gewebe der Lunge zunehmend, was die Atmung erschwert und die körperliche Belastbarkeit stark einschränkt. Im Alltag nutzt Mette-Marit inzwischen ein Sauerstoffgerät. Am Mittwochmorgen dann die erlösende Nachricht: Die Prinzessin erhielt eine Spenderlunge.
Dennoch: Wie Stern berichtet, ist die Aufnahme auf eine solche Warteliste an eine harte medizinische Voraussetzung gebunden: Ohne eine neue Lunge hätte ein Patient nur noch etwa ein Jahr zu leben. Damit wurde auch deutlich, wie ernst sich der Gesundheitszustand der Kronprinzessin zuletzt entwickelt hat.
Tausende neue Registrierungen nach der Mitteilung des Palasts
Nach Bekanntwerden der Nachricht schnellten die Anmeldungen deutlich nach oben. Nach Angaben der norwegischen Stiftung Organspende registrierten sich seitdem rund 12.000 Menschen als Spender, was im Vergleich zum Vormonat einem massiven Anstieg entspricht. Allein an einem Tag meldeten sich 2178 Personen neu an, zusätzlich wurden Hunderte neue Organspendeausweise ausgefüllt.
Aleksander Sekowski von der Stiftung für Organspende bezeichnete diese Entwicklung als „ganz fantastisch", so der Sprecher gegenüber NRK. Die Zahlen zeigen, wie stark die öffentliche Aufmerksamkeit innerhalb kürzester Zeit gewachsen ist.
Rund 600 Menschen in Norwegen warten auf ein Organ
Von der gestiegenen Bereitschaft profitieren nicht nur Menschen mit Lungenerkrankungen. Derzeit warten in Norwegen etwa 600 Patientinnen und Patienten auf ein Spenderorgan. Darunter sind auch mehrere Betroffene, die ebenfalls auf eine neue Lunge hoffen. Die Warteliste für Lungentransplantationen gilt nach Einschätzung von Fachleuten momentan als vergleichsweise kurz.
Dennoch bleibt jede zusätzliche Registrierung wichtig, weil passende Organe schnell verfügbar sein müssen und viele Entscheidungen unter großem Zeitdruck getroffen werden. Das Schicksal der Kronprinzessin hat diese Realität nun vielen erneut vor Augen geführt.
Norwegens Regelung bezieht auch Angehörige mit ein
In Norwegen gilt grundsätzlich die Widerspruchslösung. Das bedeutet, dass Verstorbene automatisch als Organspender gelten, sofern sie zu Lebzeiten nicht widersprochen haben. Trotzdem werden die Angehörigen in die Entscheidung einbezogen und können eine Entnahme ablehnen. Genau deshalb rät die Stiftung Organspende dazu, den eigenen Wunsch in der Familie klar anzusprechen.
Laut blick.ch nutzten nach der Mitteilung aus dem Palast auch deutlich mehr Menschen die digitale Gesundheitsplattform und entsprechende Apps, um ihre Entscheidung festzuhalten. Das persönliche Schicksal von Mette-Marit hat damit weit über das Königshaus hinaus Wirkung entfaltet.