Zweimal im Jahr werden in Deutschland die Uhren verstellt – mit Folgen für Schlaf, Energiekosten und den Alltag. 2026 beginnt die Sommerzeit in der Nacht zum 29. März, wenn die Uhr von 2 Uhr auf 3 Uhr springt und die Nacht um eine Stunde kürzer wird. Am 25. Oktober folgt die Rückkehr zur Mitteleuropäischen Zeit, wenn der Zeiger von 3 Uhr auf 2 Uhr zurückgeht. Während Frühaufsteher im Frühjahr mit Müdigkeit kämpfen, freuen sich viele im Herbst über eine zusätzliche Stunde Schlaf. Gleichzeitig bleibt der wirtschaftliche Nutzen der Regelung umstritten, denn der erhoffte Spareffekt bei Strom und Heizung fällt gering aus.

Energieersparnis kaum messbar

Die Sommerzeit wurde in Deutschland 1980 vor allem als Reaktion auf die Ölkrise eingeführt, mit dem Ziel, Lichtstrom zu sparen und das Tageslicht besser zu nutzen.

Laut einem Bericht des Forschungsausschusses im Bundestag von 2016 liegt die geschätzte Stromeinsparung bei lediglich rund 0,2 Prozent pro Jahr. Das Umweltbundesamt argumentiert zudem, dass zwar abends etwas weniger künstliches Licht benötigt wird, im Frühling und Herbst jedoch morgens häufiger geheizt wird, weil es zur üblichen Aufstehzeit noch kälter ist. Mit der Verbreitung von LED- und Energiesparlampen schrumpft der mögliche Vorteil weiter.

Für private Haushalte bedeutet das: Die finanziellen Effekte der Uhrumstellung auf die Stromrechnung bleiben minimal, während Heizausgaben unverändert vom individuellen Verhalten und der Witterung abhängen.

Schlafrhythmus und Gesundheit im Fokus

Direkt nach der Umstellung berichten viele Menschen über Müdigkeit und Konzentrationsprobleme. Eine repräsentative DAK-Umfrage ergab, dass 25 Prozent der Befragten körperliche oder psychische Beschwerden nach dem Zeitsprung haben, 85 Prozent von ihnen fühlen sich müde oder schlapp, 63 Prozent kämpfen mit Einschlafproblemen, 16 Prozent gaben depressive Verstimmungen an, meldet saarbruecker-zeitung.de.

Schlafforscher wie Hans-Günter Weeß empfehlen die dauerhafte Beibehaltung der Normalzeit, da sie dem biologischen Rhythmus besser entspricht. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin warnt zudem vor einem „sozialen Jetlag“ bei dauerhafter Sommerzeit.

Für Verbraucher gilt: In den Tagen rund um die Umstellung helfen feste Schlafzeiten, Tageslicht am Morgen und ein eher ruhiger Tagesablauf, um den Organismus zu entlasten.

Funkuhren, Autos & Co.: Welche Geräte stellen sich um?

Technisch wird die gesetzliche Zeit in Deutschland von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) über den Zeitzeichensender DCF77 in Mainflingen bei Frankfurt verbreitet. Millionen Funkuhren – vom Radiowecker über Bahnhofsuhren bis zu Steuerzentralen von Energieversorgern – empfangen dieses Signal und springen automatisch eine Stunde vor oder zurück.

Moderne Smartphones, Computer und viele Navigationssysteme orientieren sich zusätzlich an Internetzeitservern und passen sich ohne Zutun an.

Per Hand verstellt werden müssen dagegen analoge Armbanduhren, klassische Wanduhren, alte Wecker und Uhren in vielen älteren Fahrzeugen, wie volksfreund.de berichtet.

Wer Reiseverbindungen, Schichtdienste oder digitale Kalender nutzt, sollte die Termine rund um den 29. März und 25. Oktober 2026 frühzeitig prüfen, um Doppelbuchungen und Verspätungen zu vermeiden.

Politische Debatte in der EU bleibt festgefahren

2018 sprach sich eine große Mehrheit der Teilnehmenden einer EU-weiten Online-Befragung – rund 80 Prozent – für ein Ende der Zeitumstellung aus. Die EU-Kommission legte daraufhin einen Richtlinienentwurf vor, das Europäische Parlament votierte 2019 dafür, den halbjährlichen Wechsel nach 2021 abzuschaffen, berichtet newstime.joyn.de.

Seitdem stockt der Prozess: Im Rat der Mitgliedstaaten fehlt eine Einigung darauf, ob dauerhaft Mitteleuropäische Zeit oder Sommerzeit gelten soll. Ein Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen innerhalb Europas soll vermieden werden, weshalb die bisherige Praxis vorerst bleibt.

Für Verbraucher bedeutet das: Auch 2026 und auf absehbare Zeit müssen Termine, Bahnfahrten, Flüge und digitale Verträge weiterhin um die beiden Stichtage im März und Oktober herum sorgfältig geprüft werden, um Fehlplanungen und mögliche Zusatzkosten zu verhindern.