Digitale Einkaufslisten geben einen selten genauen Einblick in den Alltag: Seit Mai 2025 hat die Plattform kaufDA mehr als eine Million Listeneinträge aus rund 6.500 Orten in Deutschland ausgewertet. Analysiert wurden Prospekte und Angebote von Supermärkten, Discountern, Biomärkten und Getränkemärkten, um zu sehen, welche Produkte Verbraucher besonders häufig vorm Einkauf vormerken. Überraschend dominieren koffeinhaltige Getränke, exotisches Obst und süße Snacks. Gleichzeitig zeigen sich deutliche saisonale Muster – von Wassermelone im Hochsommer bis zu Mandarinen im Advent – und regionale Eigenheiten zwischen Ost und West, Nord und Süd.

Energy Drinks vor Cola, Avocado schlägt Banane

In den Top 50 der am häufigsten notierten Produkte liegen Energy Drinks mit über 7 Prozent der Einträge auf Platz eins, dicht gefolgt von Cola mit knapp 6 Prozent. Der Abstand von fast zwei Prozentpunkten ist bei dieser Datenmenge deutlich.

Direkt dahinter folgt ein Produkt, das vor wenigen Jahren noch als Luxus galt: die Avocado. Sie erreicht 4 Prozent der Top-50-Einträge und ist damit beliebtestes Frischeprodukt – gleichauf mit Butter und vor Bananen und Äpfeln.

In den Top 10 tauchen außerdem Chips auf Rang 5 und Tiefkühlpizza auf Platz 6 auf, während Schokolade die Liste der beliebtesten Süßwaren komplettiert.

Wasser landet mit nur 1 Prozent erst auf Platz 43, was nahelegt, dass viele Haushalte Mineralwasser gar nicht mehr notieren, sondern automatisch mitnehmen oder Leitungswasser bevorzugen.

Saisonkalender im Einkaufszettel: Melone, Kaki, Nutella

Auch ohne Blick in Ratgeber ergibt sich aus den Einkaufslisten ein klarer Jahreszeitenrhythmus. Zwischen Juni und August entfallen vier von fünf Einträgen für Kirschen, Nektarinen oder Zwetschgen auf diese drei Monate. Wassermelone erreicht mit einem Saison-Index von 78,5 einen besonders hohen Sommerfokus: Kaum ein anderes Produkt steht so stark für heiße Tage.

Im Herbst und Winter verschiebt sich der Schwerpunkt: Kaki und Mandarinen erscheinen ausschließlich zwischen September und Dezember auf den Listen und erreichen jeweils einen Saisonfaktor von 100, Granatapfel liegt mit 89,7 nur knapp dahinter.

Beim Gemüse dominieren Rosenkohl (Index 70,4) und Karotten (73,6) die kalte Jahreszeit. Auffällig ist auch Nutella: Mit einem Wert von 64,9 wird die Nuss-Nougat-Creme deutlich häufiger notiert, sobald Plätzchenbacken und Winterfrühstücke beginnen.

Nord-Süd- und Ost-West-Gefälle beim Einkauf

Die regionale Auswertung der Daten zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Landesteilen. In den neuen Bundesländern führt Energy Drink die Listen vor Cola an, im Westen ist es umgekehrt. Butter, Schokolade und Bananen belegen bundesweit vordere Plätze, doch im Detail wird es spannend: Im Osten schaffen Gurken Rang 5, während sie im Westen nur auf Platz 21 landen. Müllermilch erreicht im Osten Platz 9, im Westen lediglich Platz 24.

Schleswig-Holstein fällt mit einer besonderen Vorliebe für Süßes auf: Fruchtgummis und Lakritze stehen hier auf Platz 5, Flensburg bestätigt dieses Muster auf Stadtebene. Im Westen wiederum gehört Weichspüler in vielen Regionen zur Standardliste und landet in Köln und Ludwigshafen sogar in den Top 6 der notierten Haushaltsprodukte.

Avocado-Städte, Bier-Hochburg und Gurkenfans

Metropolen entwickeln eigene Einkaufsprofile. In Hamburg, München und Frankfurt gehört die Avocado zu den Spitzenreitern und erreicht dort Plätze zwischen 3 und 6 – das Bild des Avocado-Toasts in Großstädten ist also keine bloße Marketingfantasie.

Berlin entpuppt sich dagegen eher als „Gurkenhauptstadt“: Gurken landen dort auf Rang 4, zusammen mit Butter, Bananen, Cola und Avocado als feste Größen im Warenkorb.

Im Ruhrgebiet sticht Dortmund mit Bier auf Platz 3 heraus, während Duisburg Nutella auf Rang 4 führt und Chips in den Top 10 hält. Weichspüler belegt in Essen Platz 6 und in Duisburg Platz 7 – frischer Wäscheduft besitzt hier offenbar hohen Stellenwert.

Die Analyse von kaufda.de basiert auf anonymisierten App-Daten und zeigt, wie stark Angebote, persönliche Vorlieben und regionale Traditionen das alltägliche Konsumverhalten prägen.