Wer ohne Schlafanzug ins Bett geht, folgt nicht nur einem persönlichen Wohlfühlritual. Ein kühlerer Körper in der Nacht unterstützt zentrale Regelsysteme wie Schlafrhythmus, Hormonhaushalt und Stoffwechsel. Insbesondere Überhitzung kann die Tiefschlafphasen stören. Zudem sinkt mit leichterer Bekleidung die Feuchtigkeit an der Hautoberfläche, was Hautreizungen vorbeugt. Für Personen mit Schlafproblemen, empfindlicher Haut oder Kinderwunsch kann ein Testlauf ohne Kleidung deshalb ein unkomplizierter Ansatz sein – vorausgesetzt, Raumtemperatur und Hygiene passen.

Besserer Schlaf durch kühlere Körpertemperatur

Die innere Uhr nutzt einen leichten Temperaturabfall, um den Körper auf die Nachtruhe einzustellen. Bleibt es unter der Decke zu warm, wird der Tiefschlaf verkürzt und der Schlaf öfter unterbrochen. Forschende zeigen, dass verstärkte Wärmeabgabe während der Nacht die langsamen Schlafphasen verlängert und den Puls senkt, somit ist man am Morgen wacher und konzentrierter. Optimal gelten etwa 15 bis 19 Grad im Schlafzimmer. Dicke Schlafanzüge konterkarieren diesen Effekt, weil sie wie eine zusätzliche Isolationsschicht wirken. Weniger Textil erleichtert dem Organismus die Feinanpassung seiner Temperatur und reduziert damit nächtliche Aufwachphasen.

Stoffwechsel, Gewicht und Diabetesrisiko

Ein dauerhaft etwas kühleres Schlafumfeld beeinflusst auch den Energiehaushalt. In einer von den US‑National Institutes of Health geförderten Untersuchung erhöhten Männer bei 19 Grad Raumtemperatur innerhalb eines Monats das Volumen ihres braunen Fettgewebes um rund 42 Prozent; dessen Aktivität stieg um etwa zehn Prozent. Dieses Gewebe verbrennt Kalorien, um Wärme zu erzeugen, und steht in Zusammenhang mit einer besseren Insulinsensitivität.

Haut und Intimbereich: Weniger Reibung, weniger Feuchtigkeit

Textilien speichern Wärme, Schweiß und Bakterien auf der Haut. Das kann Poren verstopfen, Ekzeme verstärken und Pilzinfektionen im Leisten- oder Intimbereich begünstigen. Ohne enge Schlafbekleidung verringern sich Reibung und Feuchtigkeitsstau, Luft kann besser zirkulieren. Besonders Achseln, Leistenregion und Füße profitieren von dieser Entlastung. Studien zu Scheidenpilz zeigen, dass Hefepilze bevorzugt in warmem, feuchtem Milieu wachsen; lockere Baumwolle oder gar kein Slip in der Nacht senkt dieses Risiko. Auch bei empfindlicher oder zu Neurodermitis neigender Haut kann der Verzicht auf synthetische Stoffe und Waschmittelrückstände auf Pyjamas Juckreiz und Rötungen reduzieren.

Fruchtbarkeit, Beziehung und praktische Aspekte

Für die männlichen Geschlechtsorgane ist eine Temperatur unterhalb der Körperkerntemperatur wichtig. Untersuchungen mit Männern mit Kinderwunsch ergaben, dass Kombinationen aus weiter Unterwäsche am Tag und unbekleidetem Schlafen mit etwa 25 Prozent weniger DNA-Schäden an Spermien einhergingen als bei dauerhaft enger Unterbekleidung. Paare profitieren zusätzlich von mehr Hautkontakt: Laut „Healthline“ wurden Studien durchgeführt, nach denen Berührungen in der Nacht die Ausschüttung des Bindungshormons Oxytocin steigern und mit höherer Partnerschaftszufriedenheit korrelieren.

Alltagspraktisch fallen weniger Wäschestücke an, was Kosten und Reizstoffe durch Waschmittel reduziert. Wichtig bleiben dennoch wöchentlich frisch gewaschene Bettlaken sowie eine Raumtemperatur, die weder frieren noch schwitzen verursacht.