Flexible Arbeitsmodelle, Homeoffice und digitale Tools sollten den Alltag eigentlich erleichtern. Dennoch fühlen sich viele Beschäftigte erschöpft und lustlos. Eine Erhebung des Instituts Yougov in Zusammenarbeit mit der University of Illinois Urbana-Champaign unter rund 2.000 Beschäftigten zeigt: 61 Prozent empfinden ihre Arbeit als Quälerei, 18 Prozent davon in sehr starkem Maß, meldet wmn.de. Im Vorjahr lag dieser Wert bei 57 Prozent. Fehlende Orientierung, hohe Verdichtung der Aufgaben und schlechte Stimmung im Team gehören zu den häufigsten Gründen – mit Folgen für Gesundheit und Leistungsfähigkeit.
Yougov-Studie: Wenn Arbeit nur noch anstrengt
Die Befragung aus den USA macht deutlich, wie stark sich Unzufriedenheit im Berufsalltag festgesetzt hat. Mehr als jede zweite Person berichtet von fehlender Motivation und dem Gefühl, im Job keinen Sinn zu sehen, so wmn.de. Parallel dazu spielen finanzielle Aspekte und Konflikte mit Vorgesetzten eine große Rolle: Niedriges Gehalt und schlechtes Führungsverhalten nennen jeweils 53 Prozent als Motive für einen Wechsel. Auch Spannungen im Kollegenkreis (44 Prozent), mangelnde Anerkennung (43 Prozent) und monotone Aufgaben (32 Prozent) rauben vielen die Energie. Für Verbraucherinnen und Verbraucher heißt das: Die Ursache liegt selten nur bei einer einzelnen Sache, sondern meist in einem Bündel aus strukturellen und persönlichen Faktoren.
Perspektivwechsel im Alltag: Reframing sinnvoll nutzen
Ein Hebel, der ohne große Kosten auskommt, ist der bewusste Perspektivwechsel. Wirtschaftsprofessor Oscar Ybarra von der University of Illinois rät dazu, tägliche Aufgaben innerlich umzudeuten. Statt ein To-do nur als lästige Pflicht zu sehen, kann es als Lernchance oder zeitlich begrenzte Herausforderung betrachtet werden. Der Fachbegriff dafür lautet Reframing. Verbraucherinnen und Verbraucher können dies konkret üben, indem sie sich zu jeder unangenehmen Aufgabe eine Fähigkeit notieren, die sie dabei trainieren – etwa Kommunikation, Verhandlung oder Organisation. Wer zusätzlich kleine Etappenziele definiert und diese sichtbar abhakt, erlebt mehr Fortschritt im Alltag, auch wenn die Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz noch unverändert bleiben.
Austausch und Arbeitsumfeld: Unterstützung aktiv einfordern
Neben der inneren Haltung spielt das soziale Umfeld eine zentrale Rolle. Gespräche mit Freundeskreis, Familie oder vertrauten Kolleginnen und Kollegen sorgen für emotionale Entlastung und neue Sichtweisen, so wmn.de. Wichtig ist zudem, Probleme im Büro nicht monatelang zu verschweigen. Stört etwa lautes Telefonieren im Großraum, kann ein sachliches Gespräch mit der Teamleitung helfen, etwa mit einem Platzwechsel oder klaren Absprachen. So zählen fehlender Teamgeist und mangelnde Anerkennung zu den häufigsten Frustfaktoren. Zusatzausstattungen wie Obstkörbe ersetzen kein respektvolles Miteinander: Entscheidend ist, ob Leistungen gesehen werden, Rückmeldungen fair erfolgen und Erfolge gemeinsam gefeiert werden.
Eigene Ziele klären: Von der Jobkrise zum Plan B
Wer dauerhaft unzufrieden ist, sollte strukturiert prüfen, ob kleinere Anpassungen reichen oder ein Wechsel sinnvoll ist. Hilfreich ist zunächst eine ehrliche Bestandsaufnahme: Seit wann besteht die Unzufriedenheit, was war der Auslöser, welche Situationen rauben besonders viel Kraft? Anschließend lohnt sich ein Blick auf die eigenen Anteile: Vielleicht fehlen bisher klare Absprachen zu Aufgaben oder Arbeitszeiten, oder es gibt Schwierigkeiten, Grenzen zu setzen. Im nächsten Schritt geht es darum, Wünsche zu konkretisieren: Welche Tätigkeiten bringen in den „Flow“, welche Themen interessieren wirklich, welches Umfeld passt? Wer das schriftlich festhält, kann gezielt nach passenden Stellen suchen und Angebote besser vergleichen. Online-Plattformen mit vielen Einstiegs- und Wechseloptionen unterstützen dabei, ohne vorschnell zu kündigen.
Ausgleich, Gesundheit und Exit-Strategie planen
Lang anhaltende Frustration im Beruf kann psychisch belasten. Ausgleich durch regelmäßige Bewegung, kurze Achtsamkeitsübungen oder kreative Hobbys hilft, Stress abzubauen und Abstand zu gewinnen. Bleibt die Belastung trotz Gesprächen und Anpassungen unverändert hoch, sollten Betroffene frühzeitig ärztliche oder psychologische Hilfe prüfen, um Erschöpfung vorzubeugen. Steht ein Jobwechsel an, empfiehlt es sich, diesen geordnet zu planen: Lebenslauf aktualisieren, Qualifikationen auffrischen, diskret bewerben und erst kündigen, wenn ein unterschriebener Vertrag vorliegt. Eine respektvolle Trennung vom bisherigen Arbeitgeber – inklusive fristgerechter Kündigung und klarer Übergabe – schützt das berufliche Netzwerk und erhöht die Chancen auf positive Referenzen für den weiteren Weg.