Das Geldvermögen in Deutschland erreicht neue Höchststände, gleichzeitig wächst die Zahl der Menschen ohne finanzielle Reserve. Laut einer Ipsos-Befragung für die Direktbank ING geben 27 Prozent der 1007 Teilnehmenden an, keinerlei Ersparnisse zu besitzen – im Vorjahr waren es noch 23,5 Prozent. Parallel dazu ist der Anteil der Sparerinnen und Sparer von 70,7 Prozent im Jahr 2024 auf 63,7 Prozent im Dezember 2025 gesunken. Die Zahlen stehen im Kontrast zu den Rekordwerten beim gesamten Geldvermögen und zeigen, wie stark sich die finanzielle Lage der Haushalte auseinanderentwickelt, wie Spiegel berichtet.

27 Prozent ohne Rücklagen – Einkommen reicht oft nicht

Fast die Hälfte (46,7 Prozent) der Befragten ohne Ersparnisse gibt an, zu wenig zu verdienen, um Geld zurückzulegen. Weitere 22 Prozent erklären, dass gestiegene Lebenshaltungskosten ihre Rücklagen aufgebraucht hätten.

Finanzielle Sorgen schlagen sich auch psychisch nieder: 17,9 Prozent grübeln nachts über Geld, 36,5 Prozent stimmen der Aussage zu, aufgrund ihrer Situation nie die Dinge erreichen zu können, die sie sich wünschen. Diese subjektive Belastung tritt damit deutlich häufiger auf als klassische Überschuldung, meldet t3n.de.

Für Verbraucher bedeutet das: Schon eine unerwartete Rechnung oder eine kaputte Waschmaschine kann ohne Puffer schnell zum Problemfall werden.

9,389 Billionen Euro Vermögen – aber starke Ungleichheit

Rein rechnerisch sind private Haushalte so reich wie nie. Nach Daten der Bundesbank summierte sich das Geldvermögen Ende des dritten Quartals 2025 auf 9,389 Billionen Euro, die DZ Bank kalkuliert für das Gesamtjahr sogar knapp über zehn Billionen und erwartet 2026 rund 10,5 Billionen Euro. Erfasst werden Bargeld, Bankeinlagen, Wertpapiere und Versicherungsansprüche, nicht jedoch Immobilien.

Doch rund die Hälfte dieses Vermögens entfällt auf die reichsten zehn Prozent, rund vier Millionen Haushalte. Am unteren Ende stehen etwa 20 Millionen Haushalte, die zusammen nur acht Prozent halten. Diese Schieflage erklärt, weshalb Rekordwerte beim Gesamtvermögen viele Menschen im Alltag kaum entlasten, so Spiegel.

Schufa: Mehr Kleinkredite und 650.000 neue Zahlungsstörungen

Parallel zu knappen Budgets verlagern sich immer mehr Ausgaben in die Kreditfinanzierung. Nach Angaben der Schufa stieg die Zahl der Kleinkredite unter 1000 Euro von rund 1,4 Millionen im Jahr 2020 auf fast fünf Millionen im Jahr 2024 – mehr als eine Verdreifachung. Gleichzeitig wurden 2025 etwa 650.000 Personen erstmals mit einer Zahlungsstörung registriert, ein Plus von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr und mehr als ein Viertel über dem Vor-Corona-Niveau, berichtet n-tv.de.

Schufa-Chefin Tanja Birkholz betont, dass eine Zahlungsstörung erst nach mehrfacher Mahnung eingetragen wird. Mit einem neuen, transparenten Score-System und einem digitalen Account sollen Verbraucher besser nachvollziehen können, wie ihre Bonität zustande kommt.

Notgroschen, Zinskosten und einfache Schritte für mehr Stabilität

Finanzexpertinnen empfehlen, zwei bis drei Netto-Monatsgehälter als Reserve für Krisensituationen aufzubauen. Wer knapp kalkuliert, kann mit sehr kleinen Beträgen beginnen: Schon zehn Euro, die direkt nach Gehaltseingang automatisiert auf ein Tagesgeldkonto fließen, schaffen allmählich einen Puffer. Wichtig ist, dieses Konto strikt vom Alltagsbudget zu trennen, um das Geld nicht versehentlich auszugeben.

Denn fehlende Rücklagen machen teuer: Banken verlangen im Schnitt 12,31 Prozent Dispozinsen. Statt Lücken mit Krediten zu schließen, raten Fachleute zu einem Haushaltsplan, pünktlicher Begleichung von Rechnungen und frühzeitigen Gesprächen mit Gläubigern oder Schuldnerberatungen, wie t3n.de meldet. So lassen sich Bonität sichern und kostspielige Zahlungsausfälle vermeiden.