Ruhestand beginnt lange vor dem offiziellen Rentenstart. Wer Entscheidungen rund um Versicherungsverlauf, Geldanlage, Steuern und Rentenantrag zu spät oder unkoordiniert trifft, riskiert dauerhaft geringere Bezüge und unnötige Steuerlast. Laut Focus gehören dazu insbesondere ein ungeprüfter Versicherungsverlauf, ein verspäteter Antrag, falsches Rententiming und fehlende Planung des Liquiditätsbedarfs. Kritisch wird es, wenn Schulden ins Alter mitgenommen oder verschiedene Einkommensarten ohne steuerliche Planung in ein Jahr fallen. Entscheidend ist daher, den Übergang in klaren Etappen zu organisieren – beginnend bereits ab Mitte 50.

Ab 55: Versicherungsverlauf, Schulden und Vorsorge überblicken

Mit etwa 55 Jahren steht Informationsbeschaffung im Vordergrund. Der komplette Versicherungsverlauf sollte vorliegen, fehlende Schul-, Studien-, Kindererziehungs- oder Pflegezeiten müssen identifiziert und belegt werden, sonst droht später ein dauerhafter Verlust von Rentenansprüchen. Parallel empfiehlt sich eine Gesamtübersicht über gesetzliche Rente, Betriebsrenten, private Verträge, Kapitalvermögen und Immobilien, um reale Versorgungslücken zu erkennen. Ebenso wichtig ist eine Analyse laufender Kredite: Welche Darlehen reichen ins Rentenalter hinein, welche Sondertilgungen sind möglich und sinnvoller als zusätzliche Renditechancen? Wer die grundlegende Steuerlogik des Ruhestands früh versteht, reduziert spätere Überraschungen durch Abfindungen, Gehaltsreste und Kapitalauszahlungen in einem Kalenderjahr.

Ab 60: Rentenbeginn planen und Anlage strukturieren

Ab 60 rückt die konkrete Gestaltung des Renteneintritts in den Fokus. Frühzeitiger, regulärer oder späterer Rentenstart führt über Jahrzehnte zu spürbar unterschiedlichen Monatsrenten. Online-Rechner der Deutschen Rentenversicherung helfen, Varianten für Rentenbeginn und -höhe zu vergleichen, ersetzen aber keine Gesamtplanung. Zusätzlich sollten mögliche Rentenarten – etwa für langjährig oder besonders langjährig Versicherte oder bei Schwerbehinderung – gegeneinander abgewogen werden. In dieser Phase ist auch eine strukturierte Aufstellung der Geldanlage sinnvoll: eine Liquiditätsreserve für mehrere Jahre, stabile Ertragsbausteine und ein langfristiger Wachstumsteil. Parallel beginnt eine grobe steuerliche Zeitplanung, wann welche Auszahlungen tatsächlich auf das Konto fließen sollen.

Ab 63: Rentenantrag, Fristen und Entnahmestrategie sichern

Ab etwa 63 Jahren geht es um verbindliche Entscheidungen. Zunächst wird der Rentenantrag vorbereitet: Welche Rentenart soll genutzt werden, zu welchem Termin, welche Unterlagen fehlen noch? Wichtig ist die Drei-Monats-Frist vor dem gewünschten Rentenbeginn; wer diese überschreitet, riskiert eine verspätete erste Zahlung und damit eine empfindliche Einkommenslücke. Ebenso sollte klar sein, aus welchen Quellen die ersten, meist besonders ausgabenträchtigen Rentenjahre finanziert werden. Ein geregeltes Entnahmekonzept für Wertpapiere und andere Vermögensteile verhindert, dass in ungünstigen Marktphasen zwangsweise verkauft werden muss und vermeidet unnötige Steuerbelastung durch unkoordinierte Ausschüttungen.

Ab 65: Bescheide prüfen, Steuern und Ausschüttungen steuern

Mit dem regulären Rentenalter zwischen 65 und 67 Jahren verschiebt sich der Schwerpunkt von der Planung zur Kontrolle. Der Rentenbescheid sollte unmittelbar nach Zugang geprüft werden: Stimmen Rentenart, Beginn und sämtliche Versicherungszeiten, oder fehlen anrechenbare Phasen? Innerhalb eines Monats kann widersprochen werden, danach wird der Bescheid bestandskräftig – selbst bei Fehlern. Im ersten Rentenjahr ist zudem die Steuerbelastung besonders sensibel, weil häufig mehrere Einkunftsarten zusammenfallen. Die Anlagestruktur wird nun regelmäßig, aber ohne hektische Reaktionen an den zuvor definierten Entnahmeplan angepasst. Dividenden und andere Ausschüttungen verdienen einen kritischen Blick, wenn sie zwar Bruttoerträge liefern, netto aber durch Steuerabzug die Altersfinanzierung kaum verbessern.