Tesla stellt sein Fahrerassistenzpaket „Full Self-Driving (Supervised)“ (FSD) grundlegend um: Der bisher mögliche Einmalkauf für 8000 Dollar in den USA bzw. 7500 Euro in Deutschland soll wegfallen, künftig bleibt nur ein Monatsabo. „Nach dem 14. Februar wird Tesla den Verkauf von FSD beenden“, schrieb CEO Elon Musk auf X. FSD gilt offiziell als Assistenzsystem, bei dem Fahrer jederzeit eingriffsbereit bleiben müssen, auch wenn Werbetexte von einem „vollen Potenzial für autonomes Fahren“ sprechen. Unklar ist bislang, ob der bisherige Abo-Preis von 99 Dollar pro Monat bleibt und ob alle Märkte gleichermaßen betroffen sind. In Europa fehlt derzeit ohnehin die regulatorische Zulassung für die erweiterten Funktionen.
Abo statt Einmalkauf: Kostenfallen für Verbraucher möglich
Die Umstellung vom Kaufmodell hin zu einem reinen Abonnement verändert die finanzielle Planung für Tesla-Fahrer deutlich. Während der Einmalkauf hohe Anfangskosten auslöste, konnten Kunden jahrelang ohne weitere Softwarezahlungen fahren. Mit einem Abo entstehen laufende Ausgaben, die sich über die Nutzungsdauer summieren und den Gesamtpreis im Extremfall über den bisherigen Kaufpreis treiben können. So veröffentlichte der Konzern bislang keine genauen Zahlen zu verkauften FSD-Paketen oder bestehenden Abos, sodass Verbrauchern eine Orientierung fehlt. Brisant ist zudem, dass Tesla jederzeit die monatlichen Gebühren anheben kann. Wer FSD langfristig nutzen will, trägt damit ein Preisrisiko – vor allem, wenn das System später breiter in Europa startet.
Alte Käufer, neue Bedingungen: Rechtsunsicherheit in Europa
Besonders heikel ist die Lage für europäische Kunden, die FSD schon vor Jahren gekauft haben und bis heute nicht den versprochenen Funktionsumfang erhalten. In der EU existiert bislang nur ein eingeschränkter Betrieb, umfassende Selbstfahrfunktionen sind nicht freigegeben. Bild berichtet, dass viele Käufer seit Langem auf „die volle Selbstfahr-Funktion“ warten. Mit der nun angekündigten Fokussierung auf Abos stellt sich die Frage, ob diese Bestandskunden FSD später ohne zusätzliche Zahlungen im vollen Umfang nutzen können oder ob ihnen nur ein zeitlich begrenzter Zugang gewährt wird. Rechtlich könnten hier Streitfälle entstehen: Wurde ein dauerhaft nutzbares Produkt erworben oder faktisch ein zukünftiger Service mit unklarem Startzeitpunkt? Verbraucher sollten sämtliche Rechnungen und Bestellbestätigungen sichern, um Vertragsinhalte notfalls belegen zu können.
Hardware-Generationen: Wer zahlt für mögliche Nachrüstung?
Ein weiteres Problem sind unterschiedliche Hardware-Generationen in den Fahrzeugen. Viele Besitzer haben FSD auf Autos mit der dritten Autopilot-Generation (HW3) gebucht, obwohl für neuere FSD-Versionen mittlerweile HW4 Voraussetzung ist. Musk räumte bereits ein, ältere Fahrzeuge gegebenenfalls mit leistungsfähigeren Rechnern ausstatten zu müssen: „Das wird schmerzhaft und schwierig, aber wir werden es tun“, zitierte ihn Handelsblatt sinngemäß. Entscheidend für Verbraucher ist, wer diese Kosten trägt und welche Funktionen auf älteren Fahrzeugen realistisch nutzbar sind. Branchenbeobachter halten es für möglich, dass Tesla abgestufte Abos einführt: etwa günstigere Pakete mit reduziertem Funktionsumfang für HW3-Modelle. Für Kunden kann sich daraus ein zweistufiges Kostenrisiko ergeben – Investition in FSD plus potenzielle Hardware-Upgrades.
Versprechen vom autonomen Fahren: Was bleibt real nutzbar?
In den USA hat Tesla die Beschreibung von FSD bereits entschärft: Das Auto solle „fast überall mit minimalen Fahrer-Interventionen“ fahren können – also ausdrücklich nicht völlig selbstständig. Zugleich hängt der Einsatz in Europa an strengen Genehmigungsverfahren, Tests in Deutschland, Frankreich und Italien laufen nur begrenzt. Laut teslamag.de hoffen Beobachter auf zusätzliche Einnahmen für den Konzern in einer Phase mit Margendruck und zunehmender Konkurrenz. Für Verbraucher stellt sich die praktische Frage: Welche Funktionen sind tatsächlich verfügbar, wie häufig werden sie in der eigenen Region freigeschaltet und wie zuverlässig arbeiten sie im Alltag? Wer ein neues Abo abschließen will, sollte vorab prüfen, welche Assistenzfunktionen heute im jeweiligen Land erlaubt sind, wie transparent Tesla über Einschränkungen informiert und ob die versprochenen Updates schriftlich und nachvollziehbar dokumentiert werden.