Weniger Stunden im Job bedeuten mehr Zeit für Kinder, Pflege oder Freizeit – gleichzeitig aber deutlich weniger Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Wer seine Arbeitszeit über längere Zeit reduziert, riskiert im Ruhestand spürbare finanzielle Einbußen. Ein aktuelles Rechenbeispiel aus einem Bericht von t-online.de zeigt, dass allein eine Reduzierung von 40 auf 32 Wochenstunden über 20 Jahre zu Einbußen von knapp 40.000 Euro führen kann. Besonders betroffen sind Frauen, die deutlich häufiger in Teilzeit arbeiten als Männer und dadurch dauerhaft weniger Entgeltpunkte sammeln.

40 statt 32 Stunden: 163 Euro Rentenminus pro Monat

Ausgangspunkt der Berechnung ist ein Jahresbruttogehalt von 52.000 Euro bei einer 40-Stunden-Woche. Dieses Einkommen liegt nahe am vorläufigen Durchschnittsentgelt 2026 von 51.944 Euro und bringt rund einen Entgeltpunkt pro Jahr. Ein Punkt ist aktuell 40,79 Euro Monatsrente wert. Wird die Arbeitszeit auf 32 Stunden reduziert, sinkt das Jahresbrutto auf 41.600 Euro. Daraus entstehen nur noch 0,8 Entgeltpunkte, also 32,63 Euro Monatsrente. Über 20 Jahre ergibt das in Vollzeit 815,80 Euro monatlichen Anspruch, in Teilzeit jedoch nur 652,60 Euro. Das Minus von 163,20 Euro je Monat summiert sich in 20 Rentenjahren auf rund 39.168 Euro.

Rentenformel und steigende Hürden bei Entgeltpunkten

Die gesetzliche Rente ergibt sich aus der Formel: Entgeltpunkte × Zugangsfaktor × Rentenartfaktor × aktueller Rentenwert. Entscheidend ist also, wie viele Punkte während des Erwerbslebens zusammenkommen. Seit der neuen Sozialversicherungs-Rechengrößenverordnung ist es schwieriger geworden, viele Punkte zu erreichen, weil das maßgebliche Durchschnittsentgelt deutlich angehoben wurde. Lag es 2024 noch bei 47.085 Euro, stieg der Wert 2025 auf 50.493 Euro und 2026 auf 51.944 Euro. Die Plattform rentenbescheid24.de spricht von einem „Rentenschock“, da „die wenigsten Arbeitnehmer in zwei Jahren mehr als zehn Prozent Lohnsteigerung aushandeln können“. Wer länger in Teilzeit bleibt, rutscht beim Punktesammeln daher noch weiter zurück.

Frauen arbeiten häufiger Teilzeit – mit Folgen im Alter

Die Statistik zeigt, dass vor allem Mütter die Konsequenzen tragen. 2023 waren laut Statistischem Bundesamt 91,4 Prozent der erwerbstätigen Väter mit einem Kind unter sechs Jahren vollzeitbeschäftigt, nur 8,6 Prozent arbeiteten in Teilzeit. Bei Müttern war das Verhältnis umgekehrt: 27 Prozent Vollzeit, 73 Prozent Teilzeit. Sind die Kinder älter, ändert sich das Bild nur langsam: Bei schulpflichtigen Kindern arbeiten 37,1 Prozent der Frauen in Vollzeit, 62,9 Prozent bleiben in reduzierter Stundenzahl. Kindererziehungszeiten können die Lücke teilweise mindern, sie werden jedoch höchstens drei Jahre pro Kind und nur für eine Person angerechnet, informiert die Deutsche Rentenversicherung.

Strategien gegen Einbußen: Ausgleich, Vorsorge, längeres Arbeiten

Um Einkommenslücken im Ruhestand zu begrenzen, nennen Verbraucherseiten mehrere Hebel. Partner, von denen einer Vollzeit und der andere reduziert arbeitet, können interne Ausgleichszahlungen vereinbaren und diese gezielt in private Vorsorgeprodukte oder ETF-Sparpläne lenken, berichtet das Portal gegen-hartz.de. Zusätzlich lohnt der Blick auf betriebliche Altersvorsorge: Viele Beschäftigte haben Anspruch auf eine Zusatzrente, die aus Arbeitgeber- und Eigenbeiträgen gespeist wird. Wer körperlich dazu in der Lage ist, kann zudem über das reguläre Rentenalter hinaus im Beruf bleiben und pro zusätzlichem Monat einen Zuschlag von 0,5 Prozent auf die Rente erhalten. Wichtig bleibt in jedem Fall, alle Nachweise zu Beschäftigungs- und Auszeiten sorgfältig aufzubewahren, damit die Ansprüche im Alter vollständig berücksichtigt werden.