Arbeiten am Küchentisch, Pakete annehmen zwischen zwei Video-Calls und trotzdem mehr schaffen als im Großraumbüro: Für viele Beschäftigte ist das längst Alltag. Eine Untersuchung mit 11.000 Angestellten einer deutschen Krankenkasse zeigt, dass im heimischen Arbeitszimmer im Schnitt 20 Prozent mehr Kundenanliegen bearbeitet werden als im Büro, berichtet tagesschau.de. Gleichzeitig fordern einige Konzerne wieder mehr Präsenz. Für Verbraucherinnen und Verbraucher stellt sich daher die Frage: Wie viel Heimarbeit ist sinnvoll – und ab wann leidet die Leistung?

11.000 Kassenangestellte: Plus 20 Prozent Leistung daheim

Die Arbeitswissenschaftlerin Josephine Hofmann vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) wertete Leistungsdaten von 11.000 Sachbearbeitenden aus. „Wir hatten Zugriff auf sehr konkrete und vollständig erfasste Leistungsdaten“, so Hofmann laut mdr.de. Ergebnis: Im Homeoffice erledigten die Beschäftigten im Schnitt ein Fünftel mehr Fälle. Entscheidender Faktor war dabei der Arbeitsanteil zu Hause: Bis rund 60 Prozent Heimarbeit – also gut drei Tage pro Woche – steigt die Produktivität, darüber hinaus nimmt sie wieder ab. Der Grund: Für komplexe Vorgänge bleiben persönliche Abstimmung, informelle Rückfragen und spontane Hilfe im Team wichtig.

Konstanzer Homeoffice-Studie: Drei Tage Wunschwert

Auch die „Konstanzer Homeoffice-Studie“ von Arbeitsforscher Florian Kunze zeigt klare Präferenzen. Im Mittel wünschen sich die Befragten drei Tage pro Woche im Homeoffice, so die Studie. Rund drei Viertel bevorzugen ein hybrides Modell aus Büro und Heimarbeit. Nur etwa jede fünfte Person möchte komplett von zu Hause arbeiten, eine vollständige Rückkehr ins Büro streben deutlich weniger an. Wo Arbeitgeber abrupt auf strikte Anwesenheit setzen, steigen laut Kunze gefühlter Stress und Belastung spürbar. Für Beschäftigte bedeutet das: Flexible Regelungen sind nicht nur komfortabel, sondern auch ein Argument in Gehalts- und Jobverhandlungen.

Mikrozensus und ifo-Daten: Homeoffice bleibt Minderheit

Trotz des Booms arbeitet weiterhin weniger als ein Viertel der Erwerbstätigen mindestens einmal pro Woche von zu Hause. Hamburg kommt auf über 35 Prozent, Berlin und Hessen liegen ebenfalls deutlich über dem Schnitt. In Thüringen und Sachsen-Anhalt liegt die Quote hingegen nur knapp im zweistelligen Bereich. Parallel zeigt eine Erhebung des ifo Institut, dass hybride Modelle die Produktivität in der Regel nicht senken: Im August 2025 lag der Anteil von Beschäftigten mit Homeoffice-Anteil stabil bei 24,4 Prozent, bei Dienstleistern bei gut 35 Prozent, im verarbeitenden Gewerbe bei knapp 16 Prozent.

Pakete, Wäsche, Zeiterfassung: Was im Homeoffice wirklich passiert

Eine Umfrage des Instituts Appinio im Auftrag eines Zeiterfassungsanbieters zeichnet ein realistisches Bild des Arbeitsalltags zu Hause, wie heise.de berichtet. 58,8 Prozent der Befragten nehmen während der Arbeitszeit regelmäßig Pakete an, 46,2 Prozent beantworten private Nachrichten, 42,8 Prozent erledigen Haushaltstätigkeiten. Dennoch geben 75,9 Prozent an, im Homeoffice produktiver zu sein als im Büro. Viele sehen kurze private Unterbrechungen als Entspannung oder Hilfe bei der Stressbewältigung. Rechtlich bedeutsam: Arbeitszeiten müssen seit den Urteilen von EuGH und Bundesarbeitsgericht systematisch erfasst werden; ab 2026 ist eine elektronische Erfassung vorgesehen – auch für Heimarbeit.