Die Bundesregierung plante für 2026 einen Zuschuss von 6,5 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds, damit die Übertragungsnetzkosten sinken. Für einen Musterhaushalt mit 3500 Kilowattstunden Jahresverbrauch ergibt das rechnerisch etwa 100 Euro weniger pro Jahr, wie der Focus erläutert. Das Problem für Verbraucher: Diese Entlastung landet nicht automatisch bei allen. Vor allem bei Sonderverträgen mit umfassender Preisgarantie kann der Vorteil zunächst beim Versorger hängenbleiben, obwohl politisch eine spürbare Senkung der Stromkosten angekündigt wurde.
Ralf Walther: Entlastung bleibt teils beim Versorger
Ralf Walther, Energiemarktexperte beim Anbieter Tibber, kritisiert die gesetzliche Konstruktion scharf. „Bei Sonderverträgen mit Preisgarantie ist das Gesetz explizit so geschrieben, dass die Entlastung beim Versorger bleibt", erklärt er laut Focus. Gemeint sind Tarife, bei denen der Preis über die Laufzeit fest vereinbart ist. Dann können sinkende Netzkosten nicht ohne Weiteres an Kunden weitergereicht werden. Nach Walthers Einschätzung profitieren Betroffene oft erst bei der nächsten regulären Preisanpassung. Das betreffe jährlich im Schnitt nur zehn bis 20 Prozent dieser Verträge.
Preisgarantie entscheidet über die Ersparnis
Für Haushalte lohnt deshalb ein genauer Blick in die Vertragsunterlagen. Entscheidend ist, ob die Preisgarantie nur den Energiepreis absichert oder zusätzlich Netzentgelte, Steuern und Abgaben umfasst. EnBW verweist darauf, dass bei einer eingeschränkten Preisgarantie Änderungen bei Umlagen und Steuern auch während der Laufzeit weitergegeben werden können. Vattenfall argumentiert ähnlich und unterscheidet ebenfalls nach Vertragsart. Eon nennt keine pauschalen Beträge und verweist auf individuelle Konditionen, Laufzeiten und regionale Kostenfaktoren. Für Verbraucher heißt das: Die versprochenen 100 Euro sind kein Automatismus.
Fünf Prüfpunkte für die nächste Stromrechnung
Wer wissen will, ob die Senkung 2026 tatsächlich ankommt, sollte den eigenen Tarif Schritt für Schritt prüfen. Wichtig ist erstens, ob überhaupt eine Preisgarantie vereinbart wurde. Zweitens zählt, welche Bestandteile sie umfasst. Drittens sollte der Anbieter konkret gefragt werden, ab wann niedrigere Netzkosten berücksichtigt werden. Viertens hilft ein Vergleich: Wie hoch wäre die Ersparnis ohne festen Preis? Fünftens lohnt sich der Blick auf andere Preisanpassungen. Ein Wechsel kann sinnvoll sein, wenn ein anderer Tarif die Senkung schneller weitergibt. Gleichzeitig schützt eine Preisgarantie auch vor späteren Verteuerungen.