Mehr als vier von fünf Menschen in Schleswig-Holstein erwarten, dass die gesetzliche Rente ihren heutigen Lebensstandard im Alter nicht sichern wird. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Sozialverbands Deutschland hervor, über die ndr.de berichtet. Besonders problematisch ist dabei der zweite Befund: Viele Beschäftigte sehen sich finanziell gar nicht in der Lage, privat zusätzlich vorzusorgen. Für Verbraucher entsteht damit ein doppeltes Risiko aus niedrigen Erwartungen an die spätere Auszahlung und begrenztem Spielraum im Alltag. Genau diese Unsicherheit schildert auch die alleinerziehende Mutter Miriam Körner aus Neustadt in Holstein.
56,5 Prozent in Schleswig-Holstein können nicht extra vorsorgen
Bundesweit gehen rund 82 Prozent der Befragten zwischen 18 und 67 Jahren davon aus, dass die gesetzliche Absicherung später nicht reichen wird. In Schleswig-Holstein liegt der Anteil bei etwa 83 Prozent. Gleichzeitig sagen bundesweit 54 Prozent, dass sie finanziell keine Möglichkeit zur privaten Vorsorge haben. Im Norden liegt dieser Wert mit 56,5 Prozent noch höher. Miriam Körner beschreibt die Sorgen sehr konkret: „Reicht es? Reicht es nicht? Muss man vielleicht Flaschen sammeln? Oder hat man Glück und kann sich übers Foodsharing Lebensmittel holen?„, so Miriam Körner laut ndr.de. Trotz Riester-Vertrag und betrieblicher Altersversorgung bleibt bei ihr Verunsicherung.
Tim Holborn nennt die gesetzliche Rente alternativlos
Tim Holborn, Landesgeschäftsführer des SoVD in Schleswig-Holstein, verlangt eine Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung. Sein Vorschlag ist eine Erwerbstätigenversicherung, in die auch Beamte und Selbstständige einzahlen. Dadurch würde sich die Finanzierungsbasis verbreitern. Zugleich widerspricht er der Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz, die gesetzliche Rente werde künftig nur noch eine Basisabsicherung sein. „Ich glaube, dass die gesetzliche Rente alternativlos ist. Es gibt kein Modell im Angebot, das die Leistung erbringen kann, die die gesetzliche Rente erbringt", so Tim Holborn laut ndr.de. Für Beschäftigte ist das vor allem eine Debatte über Verlässlichkeit und Planbarkeit.
18.509 Euro Jahresrente in Schleswig-Holstein
Die durchschnittliche Rentenleistung lag 2024 in Schleswig-Holstein bei 18.509 Euro pro Person im Jahr, also bei rund 1.542 Euro im Monat. Damit liegt das Land unter dem Bundesdurchschnitt von 19.211 Euro jährlich beziehungsweise 1.601 Euro monatlich. Besonders hohe Werte wurden mit 20.271 Euro in Stormarn erreicht. Ebenfalls relativ hohe Renten gab es in Pinneberg und Herzogtum Lauenburg. Deutlich niedriger fiel das Niveau in Flensburg mit 17.598 Euro aus, dahinter folgten Nordfriesland und Schleswig-Flensburg. Als Grund nennt Holborn die Wirtschaftsstruktur mit vielen Jobs in Landwirtschaft und Tourismus, in denen oft geringere Löhne gezahlt werden.
Kostenlose Beratung ab dem ersten Job
Für Berufseinsteiger lautet eine zentrale Empfehlung, sich früh beraten zu lassen. Die Deutsche Rentenversicherung Nord rät dazu, spätestens mit dem ersten Job eine kostenlose Rentenberatung zu nutzen. Nach Angaben der Behörde wird dieses Angebot zwar häufiger wahrgenommen als früher, aber noch immer nicht von genug jungen Menschen. Beratungsstellen gibt es in Flensburg, Heide, Husum, Kiel, Lübeck, Neumünster, Norderstedt, Oldenburg in Holstein, Pinneberg und Rendsburg. Zusätzlich bietet die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein Rentenberatungen in Kiel, Lübeck, Norderstedt, Heide und Flensburg an. Dort kostet die Beratung 70 Euro und kann eine erste Orientierung zur eigenen Absicherung liefern.