Für viele Partnerschaften gehört das gemeinsame Bett zum Standard – getrennte Schlafzimmer wirken auf den ersten Blick wie ein Krisensignal. Gleichzeitig berichten laut einer Pronova-BKK-Studie rund ein Drittel der Menschen in Deutschland, dass sie allein besser schlafen würden. Schnarchen, unterschiedliche Schlafenszeiten oder stark abweichende Temperaturvorlieben sorgen häufig für Dauerfrust in der Nacht.

Untersuchungen aus dem schwefischen Zentrum für Schlagstörungen zeigen, dass wiederholte Unterbrechungen langfristig Schlafprobleme begünstigen können. Schlechter Schlaf schlägt zudem auf Stimmung, Immunabwehr und Herz-Kreislauf-System – und belastet damit auch die Partnerschaft.

Sleep Divorce: Konzept, Gründe und Studienlage

Unter „Sleep Divorce“ wird eine einvernehmliche Schlaftrennung verstanden: Paare bleiben zusammen, wählen aber getrennte Betten oder Räume. Die häufigsten Auslöser sind lautes Schnarchen, unruhiges Schlafverhalten, Sprechen im Schlaf oder sehr verschiedene Einschlafzeiten. Laut Auswertungen schläft jedes zehnte Paar getrennt.

Eine Umfrage der US-amerikanischen Sleep Foundation ergab, dass 53 Prozent der Befragten allein besser zur Ruhe kamen und im Schnitt 37 Minuten länger schliefen. Frauen meldeten besonders starke Verbesserungen.

Gesundheitseffekte: Mehr Erholung, weniger Stress

Durchgehender Schlaf unterstützt das Immunsystem, reduziert Entzündungsprozesse und senkt langfristig das Risiko für chronische Erkrankungen. Eine Untersuchung der Universität Keele in Großbritannien zeigt, dass hohe Schlafqualität Depressionen, Angstzustände und Stress mildern kann. Bereits eine ungestörte Nacht verbessert laut diesen Daten spürbar die Stimmung.

Da Schlafmangel die Ausschüttung von Entzündungsmarkern fördert, kann ein ruhigeres Schlafzimmer auch ein Beitrag zur Prävention ernster Erkrankungen sein.

Risiken für Nähe und Sicherheit in der Partnerschaft

Nicht alle Fachleute sehen räumliche Trennung im Bett nur positiv. Beziehungsexpertinnen und -experten warnen, dass sich insbesondere in ohnehin angespannten Partnerschaften Einsamkeitsgefühle verstärken können. Paartherapeut Roland Bösel erklärt gegenüber der „Apotheken Umschau“: „Schwierig wird es, wenn einer plötzlich mehr Abstand möchte und der andere es nicht nachvollziehen kann. Oder es persönlich nimmt.“

Schlafexpertin Christine Blume stellt jedoch klar: „Schlafen ist ein wichtiges Bedürfnis. Wenn das dauerhaft eingeschränkt wird, weil einer schnarcht oder die Leselampe nicht ausmacht, schadet das letztlich eher der Beziehung.“ Am Ende ist der Schlüssel dabei eine offene Kommunikation beider Partner.

Praxis-Tipps: Zwischen Kuschelritual und Ausweichzimmer

Getrennt schlafen muss keine Dauerlösung sein, sondern kann phasenweise Entlastung bringen. Mit zusätzlichen Betten oder einem Gästezimmer kann man flexibel bleiben: Bei starkem Schnarchen zieht eine Person zeitweise um, an anderen Tagen wird gemeinsam geschlafen. Für Nächte im selben Zimmer helfen getrennte Matratzen, eine an die Bedürfnisse angepasste Temperatur und abdunkelnde Vorhänge.

Ohrstöpsel oder gleichmäßige Hintergrundgeräusche („weißes Rauschen“) können Lärm mindern. Wichtig bleiben verbindende Rituale wie eine kurze gemeinsame Mittagsruhe oder bewusste Schlaf-Verabredungen am Wochenende.

Expertin Christine Blume zieht laut „Apotheken Umschau“ ein klares Fazit zur Sleep Divorce: „Oberstes Ziel: ausgeruht in den Tag starten. Und wer allein besser schläft, soll es machen. Alles andere wäre falscher Ehrgeiz.“ Entscheidend ist am Ende, dass beide Partner sich einbezogen fühlen und die Lösung als gemeinsamen Weg zu mehr Erholung sehen.