Schweden wird in der deutschen Rentendebatte oft als Referenz genannt. Das Land hat sein System in den 1990er-Jahren neu aufgebaut und verbindet die gesetzliche Absicherung mit einem kapitalgedeckten Anteil sowie einer breit verbreiteten betrieblichen Vorsorge. Für Verbraucher ist vor allem relevant, wie die Beiträge verteilt werden, wann Renten beginnen können und wo Risiken liegen. Laut augsburger-allgemeine.de fließen 18,5 Prozent des steuerpflichtigen Einkommens in die allgemeine Rente, davon 16 Prozentpunkte in die Einkommensrente und 2,5 Prozentpunkte in die Prämienrente.

16 Prozent Umlage, 2,5 Prozent Fondsanteil

Die Einkommensrente arbeitet im Umlageverfahren, die Beiträge werden aber zugleich auf persönlichen Rentenkonten erfasst. Die spätere Auszahlung hängt auch davon ab, wie hoch die Lebenserwartung des jeweiligen Jahrgangs ist. Steigt sie, kann die monatliche Zahlung bei gleichem Rentenbeginn sinken. Wer länger arbeitet, kann diesen Effekt abfedern. Die Prämienrente wird am Kapitalmarkt angelegt. Versicherte können einen Fonds selbst wählen oder landen automatisch in einem staatlichen Standardfonds. Das System umfasst daneben auch betriebliche und private Vorsorge.

Richtalter an Lebenserwartung gekoppelt

Ein zentraler Unterschied zu Deutschland liegt beim Rentenalter. Wie tagesschau.de berichtet, ist die Richtaltersgrenze in Schweden an die durchschnittliche Lebenserwartung gekoppelt. Einkommensrente und Prämienrente können grundsätzlich frühestens drei Jahre vor dieser Grenze bezogen werden. Garantierente, Einkommensrentenzuschlag und weitere Hilfen gibt es erst ab dem Richtalter. Für jüngere Jahrgänge wird diese Marke regelmäßig neu berechnet. In Deutschland steigt die Regelaltersgrenze gesetzlich von 65 auf 67 Jahre, in Schweden erfolgt die Anpassung fortlaufend.

90 Prozent mit betrieblicher Vorsorge

Neben der gesetzlichen Absicherung stützt sich das Modell stark auf Betriebsrenten. Wie boeckler.de analysiert, sind wegen der hohen Tarifbindung 90 Prozent der Beschäftigten in vier betrieblichen Versorgungswerken abgesichert. Arbeitgeber zahlen bis zur Beitragsgrenze meist 4,5 Prozent des Einkommens in die betriebliche Altersversorgung ein. Oberhalb der Bemessungsgrenze liegen die Beiträge sogar bei 30 Prozent des darüberliegenden Einkommens. Ein weiterer Unterschied: Auch Beamte und Selbstständige sind einbezogen. Hinzu kommt eine steuerfinanzierte Garantierente als Mindestsicherung.

Rentenkürzungen und Garantierente mit Grenzen

Das schwedische Modell hat aber klare Schwächen. Der kapitalgedeckte Teil bleibt von Börsenverlusten nicht verschont, auch wenn das Geld mit näher rückendem Ruhestand vorsichtiger angelegt wird. Zudem gab es 2010, 2011 und 2014 nominale Kürzungen bei Renten. Die Garantierente galt 2021 mit umgerechnet 850 Euro für Alleinstehende nicht als armutsfest, zudem sind rund 40 Jahre Aufenthalt im Land nötig, um sie voll zu erhalten. Ende 2025 verfügte der staatliche AP4-Fonds über 578,1 Milliarden schwedische Kronen. Die deutschen Rücklagen der Rentenversicherung lagen bei rund 41,3 Milliarden Euro.