Viele werdende Mütter kämpfen in den ersten Wochen mit flauem Magen, Schwindel oder Erbrechen. Nach Angaben von Expertinnen sind 50 bis 80 Prozent der Schwangeren zwischen der 6. und 12. Woche betroffen, oft auch über den Morgen hinaus, so „DAK Gesundheit“. Gleichzeitig gilt das sogenannte Morning-Sickness-Syndrom medizinisch nicht als eigenständige Krankheit, sondern als Begleiterscheinung der frühen Schwangerschaft.

Häufig bessern sich die Beschwerden ab der 12. Woche, nur bei rund 10 Prozent halten sie länger als bis zur 20. Woche an. In den meisten Fällen bleibt die Übelkeit unangenehm, aber ungefährlich für Mutter und Kind, wenn ausreichend getrunken und gegessen wird.

Hormon GDF15 und Blutzucker als zentrale Auslöser

Lange galten vor allem die Schwangerschaftshormone Estrogen, Progesteron und Beta‑hCG als Treiber der Übelkeit. Neuere Forschung sieht zusätzlich das Hormon GDF15 im Fokus: Es wird in der Plazenta gebildet und gelangt in den Blutkreislauf der Mutter. Entscheidend ist offenbar, wie empfindlich der Körper darauf reagiert; darauf basierende Therapien werden derzeit wissenschaftlich geprüft, berichtet die „Apotheken Umschau“.

Parallel spielt ein niedriger Blutzuckerspiegel eine Rolle – vor allem nach längeren Essenspausen. Das passt dazu, dass vielen Frauen vor allem morgens schlecht ist. Verstärkt werden kann das Unwohlsein durch eine gesteigerte Geruchs- und Geschmacksempfindlichkeit, Stress, einen sensiblen Magen sowie ungünstige Ernährung.

Ab wann ärztliche Hilfe nötig wird

Leichte Übelkeit und gelegentliches Erbrechen gelten noch als normal, selbst wenn kurzfristig etwas Gewicht verloren geht. Die Energieversorgung des Kindes erfolgt dann über die Reserven des mütterlichen Körpers. Kritisch wird es, wenn Schwangere mehr als vier- bis fünfmal täglich heftig erbrechen und kaum Nahrung oder Flüssigkeit bei sich behalten.

Mediziner sprechen dann von Hyperemesis gravidarum, einer schweren Form der Übelkeit, von der etwa zwei bis drei Prozent der Frauen betroffen sind. Wie Frauenärztin Filiz Markfeld-Erol laut „Apotheken Umschau“ erklärt, können Mangelerscheinungen, Elektrolytstörungen und starker Flüssigkeitsverlust sowohl die Mutter als auch das ungeborene Kind gefährden. In solchen Fällen sind ärztliche Abklärung, eventuell stationäre Aufnahme, Infusionen und Medikamente gegen das Erbrechen notwendig.

Hyperemesis und psychische Folgen im Blick behalten

Neben den körperlichen Risiken rücken zunehmend psychische Belastungen in den Vordergrund. Eine ausgewertete Studie weist darauf hin, dass Frauen mit Hyperemesis gravidarum bereits vor der Schwangerschaft häufiger an Depressionen litten als Vergleichsgruppen ohne diese Komplikation. Nach der Geburt entwickelten knapp fünf Prozent der Betroffenen eine depressive Episode, bei Frauen ohne extreme Übelkeit lag der Anteil bei rund einem Prozent, meldet die „Apotheken Umschau“.

Anhaltend starke Beschwerden sollten nicht nur körperlich, sondern auch seelisch ernst genommen werden. Ärztinnen und Hebammen können an spezialisierte Beratungsstellen und psychotherapeutische Angebote verweisen, wenn die Situation den Alltag stark einschränkt.

Ernährungstricks, Getränke und Hausmittel im Alltag

Für viele Betroffene lassen sich Beschwerden durch einfache Maßnahmen lindern. Ernährungsberaterin Christina Geffert empfiehlt laut „Apotheken Umschau“, den Blutzucker mit kleinen, häufigen Mahlzeiten stabil zu halten: Zwieback, Banane oder ein Käse-Vollkorn-Knäckebrot direkt nach dem Aufwachen, idealerweise noch im Bett, helfen manchen Frauen.

Als Zwischenmahlzeit bietet sich ein kleines Müsli mit Joghurt, Haferflocken, etwas Obst und Nüssen an. Süße Getränke sind weniger geeignet, da sie den Blutzucker rasch steigen und wieder abfallen lassen. Besser sind Wasser – mit oder ohne Kohlensäure –, ungesüßter Tee und in Maßen Kaffee.

Ingwer kann als Tee oder roh gekaut Linderung bringen, sollte jedoch zurückhaltend verwendet werden, weil eine leicht wehenanregende Wirkung diskutiert wird. Fettige, stark gewürzte oder sehr saure Speisen reizen den Magen zusätzlich, während Schonkost mit Kartoffeln, Reis oder leichter Gemüsesuppe meist besser vertragen wird.

Auch Alltagshelfer wie Ätherische Öle oder Akupressur-Übungen können gegen die Übelkeit angehen. Bei Letzterem wird etwa alle vier Stunden mit drei Fingern auf die Innenseite des Unterarmes, kurz unterhalb des Handgelenkes, gedrückt, das kann das unwohle Gefühl lindern, so „DAK Gesundheit“. Entspannung und etwas frische Luft können ebenso Abhilfe schaffen.