Nach 25 Jahren steht die Riester-Rente faktisch vor dem Ende. Union und SPD haben sich auf ein neues Modell der privaten Altersvorsorge geeinigt, das ab 1. Januar 2027 starten soll. Kern ist ein Altersvorsorgedepot mit gedeckelten Kosten und verschiedenen Risikostufen. Rund 15 Millionen bestehende Riester-Verträge bleiben zwar geschützt, doch viele davon werden ohnehin nicht mehr bespart. Hintergrund sind hohe Gebühren, komplizierte Regeln und magere Erträge, die viele Kunden verärgert haben, wie tagesschau.de berichtet. Künftig sollen einfache, günstigere Produkte den Vermögensaufbau für den Ruhestand erleichtern.

Drei Varianten: von 100-Prozent-Garantie bis Depot ohne Sicherung

Die neue Förderung setzt bei der bisherigen Garantiepflicht an. Klassische Verträge mit vollständiger Beitragsgarantie bleiben möglich: Sparer erhalten mindestens ihre eingezahlten Beiträge und Zulagen zurück. Ergänzend kommt ein Modell mit 80-Prozent-Garantie hinzu, wodurch Anbieter einen höheren Aktienanteil nutzen können. Neu ist vor allem ein Altersvorsorgedepot ohne Garantievorgabe, das stärker auf ETFs und Aktienfonds setzt. Laut br.de sollen damit langfristig deutlich bessere Renditen erreichbar sein, wenn Sparer längere Laufzeiten akzeptieren. Die Wahl zwischen Sicherheit und Ertragschancen wird damit klarer trennbar als im bisherigen System.

Kostendeckel bei 1 Prozent und staatliche Zulage bis 540 Euro

Damit sich Verträge stärker lohnen, werden die Kosten begrenzt. Für das Standarddepot wird ein Kostendeckel von 1 Prozent der Effektivkosten eingeführt – weniger als ursprünglich von Finanzminister Lars Klingbeil vorgeschlagen. Vertriebskosten müssen über die Laufzeit verteilt werden, um Verluste bei einem Anbieterwechsel zu begrenzen. Parallel steigt die Grundzulage: Für Einzahlungen bis 360 Euro pro Jahr zahlt der Staat 50 Cent pro Euro, darüber hinaus bis 1.800 Euro noch 25 Cent. Maximal sind so 540 Euro Förderung im Jahr möglich. Besonders Menschen, die monatlich nur bis etwa 30 Euro sparen, profitieren von der geänderten Staffel.

Mehr Förderung für Familien, Geringverdiener und Selbstständige

Deutlich verbessert wird die Unterstützung für Haushalte mit kleinen Budgets. Eltern erhalten den Kinderzuschlag von 300 Euro pro Kind und Jahr bereits ab einem Eigenbeitrag von 25 Euro monatlich. Der Staat legt in unteren Einkommensgruppen faktisch für jeden eingezahlten Euro einen weiteren Euro drauf, rechnen die Koalitionsfraktionen vor. Erstmals werden auch Selbstständige explizit einbezogen: Sie können künftig geförderte Verträge abschließen, was rund 370 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich kosten dürfte. Finanzminister Klingbeil betont, die private Vorsorge werde „günstiger, einfacher und weniger bürokratisch“, so Bild.

Öffentliches Standarddepot und Wechseloption für Riester-Sparer

Ein zentrales Element ist ein staatlich organisiertes Standarddepot, das von einem öffentlichen Träger wie Bundesbank oder KfW verwaltet werden könnte. Ziel ist ein digitales, transparentes Fondsprodukt mit niedrigen Gebühren, insbesondere für Menschen ohne Erfahrung mit Aktien und ETFs. Die Versicherungsbranche warnt vor Konkurrenz durch einen Staatsfonds, während Verbraucherschützer das Vorhaben als „Meilenstein für Verbraucherinnen und Verbraucher“ bewerten, meldet tagesschau.de. Besitzer bestehender Riester-Verträge behalten ihren Bestandsschutz, können aber in das neue System wechseln, ohne Zulagen zurückzahlen zu müssen. Wechsel-, Abschluss- und Vertriebskosten werden gesetzlich begrenzt, bleiben jedoch ein Kostenfaktor.