Die große Hoffnung auf eine spürbare Zusatzrente ist für viele Riester-Sparer ausgeblieben. 1.318.703 Menschen erhielten 2024 Auszahlungen aus ihren Verträgen, im Mittel knapp 145 Euro im Monat, meldet das Finanzministerium laut Bild. Männer kamen auf 1.841,23 Euro im Jahr (153,44 Euro monatlich), Frauen auf 1.646,34 Euro (137,20 Euro monatlich). Mehr als die Hälfte der Bezugsberechtigten lag sogar unter 1.000 Euro Jahresleistung. Gleichzeitig wurden fast 97.000 Riester-Verträge auf einen Schlag abgefunden, weil die laufende Zahlung unter 37 Euro im Monat gelegen hätte – ein Aufwand, der Verwaltung und Anbieter zu teuer war.

54,6 Prozent mit weniger als 1.000 Euro im Jahr

Die Verteilung der Auszahlungen offenbart massive Unterschiede. 54,6 Prozent der Leistungsbezieher kamen 2024 auf weniger als 1.000 Euro im Jahr – also unter 84 Euro monatlich. Am anderen Ende der Skala stehen nur 26.851 Menschen, deren geförderte Zusatzleistung über 10.000 Euro jährlich lag, also bei mindestens 833 Euro im Monat. Für die meisten bleibt Riester damit eine kleine Beilage zur gesetzlichen Rente, keine tragende Säule. Wer sehr geringe Beträge angespart hat, erhielt anstelle einer regelmäßigen Zahlung eine Abfindung von durchschnittlich 4.606,71 Euro. Für Betroffene ist das zwar ein einmaliger Geldsegen, aber langfristige Planbarkeit im Ruhestand geht dadurch verloren.

Finanzministerium kritisiert kurze Ansparzeit

Als Hauptursache für die geringen Beträge nennt das Ministerium die kurze Laufzeit vieler Verträge, schließlich gibt es Riester erst seit 2002. Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Viele Verträge sind nicht optimal bespart. 2022 erzielten nur 50,2 Prozent der Vertragsinhaber die vollen staatlichen Zuschüsse, 25,3 Prozent erhielten weniger als die Hälfte der möglichen Förderung, berichtet sueddeutsche.de. Wer zu wenig einzahlt oder Beitragspausen einlegt, verschenkt Zulagen – mit direktem Effekt auf die spätere Auszahlung. Für Verbraucher bedeutet das: Ohne regelmäßige Eigenbeiträge und genaue Beachtung der Förderregeln führen selbst geförderte Produkte zu enttäuschenden Ergebnissen.

Klingbeil setzt auf Altersvorsorgedepot mit Standardprodukt

Union und SPD hatten vereinbart, die Riester-Verträge in ein neues Vorsorgemodell zu überführen. Federführend arbeitet Finanzminister Lars Klingbeil an einem Altersvorsorgedepot, das staatlich gefördert werden soll. Kernstück ist ein Standardprodukt, das ab 2027 von Banken, Brokern und Versicherern angeboten werden muss. Es soll aus einem defensiven und einem chancenorientierten Fonds bestehen und besonders diejenigen abholen, die ihr Depot nicht selbst mit ETFs bestücken wollen. Der aktuelle Gesetzentwurf sieht jedoch Effektivkosten von bis zu 1,5 Prozent pro Jahr vor – ungefähr das Niveau klassischer Riester-Produkte. Verbraucherschützer warnen, dass bei dieser Gebührenhöhe langfristig zu viel Rendite verloren geht.

Kostendeckel und langsamer steigende Renten im Fokus

Das Portal „Finanztip“ fordert einen Kostendeckel von 0,5 Prozent pro Jahr für alle geförderten Vorsorgeformen; Wirtschaftsweise Ulrike Malmendier nannte die geplante Obergrenze „international peinlich“, zitiert t-online.de. Auch aus der Unionsfraktion kommen Signale, die Gebühren weiter zu senken. Parallel berät die Rentenkommission über künftige Anpassungen der gesetzlichen Rente. Diskutiert wird, ob Renten künftig eher an die Inflation statt an die Bruttolöhne gekoppelt werden und wie der Nachhaltigkeitsfaktor nach 2025 weiterentwickelt wird. Die Junge Union bringt zusätzlich einen Nachholfaktor ins Spiel, der ab 2032 Rentenanstiege dämpfen soll. Für künftige Ruheständler heißt das: Die private Vorsorge gewinnt an Gewicht, doch Kosten und Produktwahl entscheiden, ob sich Sparanstrengungen am Ende lohnen.