Palmer Luckey startet mit seinem neuen Unternehmen ModRetro ein milliardenschweres Retro-Gaming-Projekt: Moderne Neuauflagen klassischer Konsolen aus den 1990er-Jahren sollen den Handheld- und Wohnzimmermarkt aufmischen.
Zielgruppe sind vor allem erwachsene Gamer, die mit Geräten wie dem Game Boy und dem Nintendo 64 aufgewachsen sind und nun technisch aufgerüstete, aber authentische Neuinterpretationen dieser Geräte suchen.
Chromatic: Game-Boy-Revival mit moderner Technik
Erstes Produkt von ModRetro ist der Handheld „Chromatic“, der 2024 erschien und optisch klar an den Game Boy Color angelehnt ist. Das Gerät wird zum Start mit einer Version des Puzzlespiels Tetris ausgeliefert, einem Klassiker, der bereits in den 90ern zum System-Seller wurde.
Luckey betont, er arbeite seit fast 17 Jahren daran, „das ultimative Game-Boy-inspirierte Gerät“ zu entwickeln. Für Konsumenten ist der Ansatz interessant: Das Design bleibt bewusst retro, während Fertigungsqualität, Displaytechnik und Energieeffizienz dem heutigen Standard entsprechen sollen. Damit spricht der Handheld sowohl Sammler als auch Gelegenheitsspieler an, die ein robustes Zweitgerät außerhalb von Smartphone und PC suchen.
M64: N64-Neuauflage mit 4K und FPGA-Technik
Parallel entwickelt ModRetro mit der „M64“ eine Wohnzimmerkonsole, die das Nintendo 64 neu interpretiert. Die Early-Bird-Version soll rund 199 US‑Dollar kosten und orientiert sich damit am ursprünglichen Einführungspreis der Originalkonsole von 1996, meldet t3n.de.
Technisch setzt das System auf ein offenes FPGA-Design, das die Chiplogik der Original-Hardware nachbildet, anstatt Spiele nur per Software zu emulieren. Dies ermöglicht geringere Latenzen und eine besonders genaue Reproduktion klassischer Titel.
Gleichzeitig bietet die Konsole HDMI-Ausgabe mit bis zu 4K, unterstützt originale N64-Module und kann mit den alten Controllern genutzt werden. Ein nachgebildeter Controller liegt bei, ein Bluetooth-Modell soll folgen.
Geschäftsmodell: Hardware, Spiele und Sammlerzielgruppe
ModRetro plant nicht nur Konsolen, sondern auch eigene Spiele und Neuauflagen bekannter Klassiker. Damit entsteht ein Ökosystem, das sich vom reinen Hardwareverkauf hin zu wiederkehrenden Einnahmen über Software entwickelt. Remaster alter Spiele und neue Titel im Retro-Look könnten sowohl physisch auf Modulen als auch digital angeboten werden.
Für Verbraucher bedeutet das: Wer noch Module besitzt, kann diese weiterverwenden und ergänzt sie bei Bedarf um neue Veröffentlichungen. Die Preisgestaltung – etwa 219,99 Euro für den Chromatic in Europa – positioniert die Geräte im Premium-Nischenmarkt, in dem Design, Nostalgiefaktor und Sammelwert eine zentrale Rolle spielen.
Vom VR-Pionier zum Retro-Hardware-Investor
Luckey ist in der Tech-Branche kein Unbekannter: 2014 verkaufte er seine VR-Firma Oculus für rund zwei Milliarden US‑Dollar an Facebook und baute anschließend das Rüstungsunternehmen Anduril mit auf, das im Bereich KI-gestützter Verteidigungssysteme tätig ist. Dort liegen die Unternehmenswerte inzwischen bei mehreren Dutzend Milliarden Dollar.
Mit ModRetro verlagert der Unternehmer einen Teil seines Engagements zurück in den Konsumentenmarkt – mit einem Produkt, das unmittelbar auf Emotionen und Kindheitserinnerungen vieler Spieler zielt.
Für Käuferinnen und Käufer entsteht damit eine Alternative zu rein digitalen Retro-Angeboten wie Emulator-Apps: physische Geräte mit Modulschacht, moderner Bildausgabe und potenziell langer Verfügbarkeit, auch unabhängig von App-Stores und Lizenzfristen.