Zum 1. Juli 2026 wurden die gesetzlichen Renten in Deutschland um 4,24 Prozent erhöht. Der aktuelle Rentenwert stieg von 40,79 auf 42,52 Euro je Entgeltpunkt. Wer bisher 1.000 Euro Rente erhielt, kommt damit auf 1.042,40 Euro. Für viele Ruheständler ist das ein spürbares Plus im Monat. Gleichzeitig reicht der Blick auf die Anpassung allein nicht aus. Denn im internationalen Vergleich fällt die Altersvorsorge hierzulande weiter ab, obwohl das Rentenniveau nach dem Rentenpaket 2025 bis 2031 bei 48 Prozent abgesichert werden soll.
53,3 Prozent Nettoersatzquote in Deutschland
Wie wmn.de berichtet, liegt die Netto-Rentenersatzquote für Durchschnittsverdienende in Deutschland bei 53,3 Prozent. Gemeint ist das Verhältnis der Nettorente zum letzten Nettoverdienst. Der OECD-Mittelwert kommt dagegen auf 63,2 Prozent. Wichtig ist dabei die Einordnung: Diese Kennzahl ist eine Modellrechnung, Kaufkraft und Lebenshaltungskosten fließen nicht ein. Trotzdem ist der Abstand deutlich. Wer allein auf die gesetzliche Rente baut, muss im Alter oft mit einem merklich niedrigeren Einkommen als während des Erwerbslebens rechnen.
Rang 22 im Mercer-Index trotz solider Struktur
Im Mercer Global Pension Index 2025 kommt Deutschland auf 67,8 Punkte und landet damit auf Platz 22 unter 52 Ländern, laut dasinvestment.com. Im Vorjahr war es noch Rang 20. Positiv bewertet wird die grundsätzliche Struktur des Systems. Schwächer fällt die Bewertung bei langfristiger Finanzierbarkeit und Nachhaltigkeit aus. In der Teilkategorie Angemessenheit reicht es zwar für Rang zehn, doch gerade die Frage, wie das System bei alternder Bevölkerung dauerhaft tragfähig bleibt, belastet die Gesamtwertung. Für Sparer heißt das: Die gesetzliche Säule allein wird als Absicherung oft nicht genügen.
Türkei und Niederlande führen bei der Rentenhöhe
Bei der Netto-Rentenersatzquote liegt die Türkei mit 96,4 Prozent an der Spitze. Direkt dahinter folgen die Niederlande mit 96,0 Prozent. Bei den gesamten Rentensystemen führt das niederländische Modell ebenfalls mit 85,4 Punkten vor Island mit 84,0 und Dänemark mit 82,3 Punkten. Der Kern des Erfolgs ist ein Mehrsäulensystem aus staatlicher Grundrente, betrieblicher Vorsorge und privater Absicherung. In den Niederlanden bieten rund 90 Prozent der Arbeitgeber eine Betriebsrente an. Das senkt die Abhängigkeit von nur einer Einkommensquelle im Ruhestand.
Mercer-Experte Sauler nennt drei Hebel
„Deutschland steht vor der großen Aufgabe, sein Rentensystem widerstandsfähiger gegenüber dem demografischen Wandel zu machen", so Michael Sauler, Leiter Wealth bei Mercer Deutschland, laut dasinvestment.com. Er nennt drei Ansatzpunkte: eine höhere Mindestrente für Geringverdienende, mehr kapitalgedeckte Vorsorgebeiträge und eine breitere Einbindung der Beschäftigten in betriebliche Altersvorsorgeprogramme. Der Vergleich mit Ländern wie den Niederlanden oder Dänemark liefert dafür konkrete Hinweise. Für Verbraucher bleibt damit vor allem eine praktische Konsequenz: Wer Versorgungslücken vermeiden will, sollte gesetzliche Rente, Betriebsrente und private Vorsorge gemeinsam betrachten.