Die jährliche Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung sorgt oft für Ernüchterung: Die Prognose zeigt, dass viele Beschäftigte im Alter deutlich weniger Geld zur Verfügung haben werden als während des Berufslebens. Fachleute sprechen dann von einer Rentenlücke – also dem Unterschied zwischen heutigem Nettoeinkommen und späterer Nettorente. Ein einfaches Beispiel: Wer heute 3.000 Euro netto verdient und später 1.600 Euro gesetzliche Rente erhält, hat eine Lücke von 1.400 Euro pro Monat. Angesichts des demografischen Wandels mit mehr Ruheständlern und weniger Beitragszahlern gerät das Umlagesystem der gesetzlichen Versicherung zunehmend an Grenzen, berichten Experten.

70 bis 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens als Ziel

Um den bisherigen Lebensstandard im Ruhestand zu halten, nennen Verbraucherschützer häufig eine Zielgröße von 70 bis 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens. Laut Focus sollten dabei individuelle Faktoren wie Wohnsituation, Reisepläne oder mögliche Pflegekosten berücksichtigt werden. Wer im Eigenheim ohne Kredit lebt, kommt mit geringeren Fixkosten aus als Mieter in Ballungsräumen. Zusätzliche Einnahmen – etwa Mieten oder Auszahlungen aus privaten Verträgen – können die Lücke verringern. Klar ist jedoch: Wer sich ausschließlich auf die gesetzliche Rente verlässt, muss mit Einschnitten bei Freizeit, Konsum und Rücklagen rechnen und riskiert finanzielle Engpässe im Alter.

Rentenlücke berechnen: Renteninformation und Online-Rechner

Die persönliche Renteninformation bildet die Grundlage für eine erste Hochrechnung. Auf Seite eins steht die voraussichtliche Regelaltersrente als Bruttobetrag, zu dem noch mögliche betriebliche und private Zusagen addiert werden. Davon gehen Sozialversicherungsbeiträge von derzeit rund 12,15 Prozent sowie gegebenenfalls Steuern ab, sodass sich eine geschätzte Nettorente ergibt. Parallel lässt sich der künftige Bedarf bestimmen, indem 70 bis 80 Prozent des aktuellen Nettogehalts als Zielgröße angesetzt und mithilfe einer Inflationsannahme – etwa zwei Prozent jährlich – in die Zukunft hochgerechnet werden. Online-Rechner unterstützen dabei, die Differenz zwischen erwarteter Rente und Wunschbetrag komfortabel zu ermitteln, meldet Finanztip.

Finanztip-Regel: 15 bis 20 Prozent des Nettos sparen

Für die private Vorsorge empfehlen Verbraucherschützer eine klare Daumenregel: Rund 15 Prozent des Nettoeinkommens sollten langfristig für das Alter zurückgelegt werden, bei einem späten Einstieg ab etwa 40 Jahren eher 20 Prozent. Umfangreiche Berechnungen des Portals Finanztip zeigen, dass sich damit in Kombination mit der gesetzlichen Rente häufig der bisherige Lebensstandard finanzieren lässt. Wer sich mit niedrigeren 70 oder 75 Prozent des letzten Nettos zufriedengibt, kann die Sparquote entsprechend anpassen. Entscheidend ist ein möglichst früher Start, um den Zinseszinseffekt zu nutzen und Schwankungen an den Kapitalmärkten über lange Zeiträume auszugleichen.

ETF-Sparplan, Rentenversicherung und staatliche Förderung

Beim Schließen der Lücke spielen kapitalgedeckte Bausteine eine zentrale Rolle. Ein weltweit gestreuter ETF-Sparplan auf Indizes wie den MSCI World bietet kostengünstigen Zugang zur Aktienrendite; bei ausreichend langer Laufzeit rechnet finanzfluss.de mit durchschnittlich sechs Prozent Rendite pro Jahr. Wer zusätzliche Planungssicherheit möchte, kann eine fondsgebundene Rentenversicherung nutzen, die ETF-Investments mit garantierten Mindestleistungen kombiniert. Ergänzend kommen geförderte Varianten wie die Riester-Rente für Familien und Geringverdiener sowie die Rürup-Rente für Selbstständige und Gutverdiener infrage. Welche Kombination passt, hängt von Einkommen, Steuerlast, Risikoprofil und beruflicher Situation ab – eine unabhängige Beratung hilft, teure oder unflexible Produkte zu vermeiden.