Die gesetzliche Rente bleibt für Millionen Menschen in Deutschland knapp bemessen. Verdi-Vorsitzender Frank Werneke verweist darauf, dass selbst nach einem vollen Erwerbsleben in Vollzeit viele Ruheständler nur 1.200 bis 1.300 Euro monatlich erhalten, bei unterbrochenen oder teilzeitigen Erwerbsbiografien häufig weniger als 1.000 Euro – insbesondere Frauen. Die Koalition hat zwar beschlossen, das Sicherungsniveau der gesetzlichen Rente bis 2031 bei 48 Prozent des Durchschnittseinkommens zu halten, doch der Gewerkschafter hält das für viele Betroffene für unzureichend. „Das ist das Mindeste, was kommen muss“, so Werneke im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur, auf das sich de.marketscreener.com beruft.

Rentenkommission soll auch höheres Rentenalter prüfen

Parallel zum Rentenpaket hat die Bundesregierung eine Kommission eingesetzt, die bis Mitte des kommenden Jahres Vorschläge für eine umfassende Reform der Alterssicherung erarbeiten soll. Nach Angaben aus dem politischen Berlin soll das Gremium unter anderem ein höheres Renteneintrittsalter und alternative Anpassungsformeln untersuchen. Werneke bezeichnet die Prüfaufträge aus Sicht künftiger Ruheständler als „überwiegend bedrohlich“. Besonders kritisch sieht er Überlegungen, Renten künftig nur noch an die Inflationsrate statt an die Lohnentwicklung zu koppeln: Dies würde das Rentenniveau in kurzer Zeit absenken und damit die reale Kaufkraft vieler älterer Menschen ausdünnen.

8,5 Millionen mit maximal 1.050 Euro Monatsrente

Die offiziellen Zahlen zeigen, wie knapp die finanzielle Lage vieler Senioren ist. Ende 2024 lag die durchschnittliche Altersrente nach mindestens 35 Versicherungsjahren bei 1.892 Euro brutto für Männer und 1.459 Euro für Frauen. Gleichzeitig erhielten rund 8,5 Millionen Beziehende einer regulären Altersrente höchstens 1.050 Euro im Monat. Die Zahl der Menschen, die zusätzlich Grundsicherung im Alter benötigen, erreichte mit 739.000 einen Höchststand. Nach Daten der Deutschen Rentenversicherung stehen Frauen in Westdeutschland im Ruhestand im Schnitt jährlich gut 13.500 Euro schlechter da als Männer, wenn gesetzliche, betriebliche und private Vorsorge zusammengerechnet werden. Die Rentenkluft beträgt dort 61 Prozent, in Ostdeutschland 24 Prozent.

Teilzeit und Care-Arbeit verstärken Rentenlücke von Frauen

Ein wesentlicher Treiber der Unterschiede ist die verbreitete Teilzeitarbeit, oft bedingt durch Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen. Viele Frauen unterbrechen ihre Erwerbsbiografie oder reduzieren Stunden, was sich direkt in niedrigeren Rentenansprüchen niederschlägt. Häufig reicht erst das gemeinsame Haushaltseinkommen mit dem Partner, um laufende Kosten zu decken. Fällt dieses Einkommen im Alter weg, droht schnell ein Abrutschen in die Grundsicherung. Verbraucherschützer empfehlen daher, Betreuungsphasen gezielt mit zusätzlicher privater Vorsorge zu flankieren – etwa über Riester-Verträge, betriebliche Entgeltumwandlung oder ETF-Sparpläne –, um die Lücken in der gesetzlichen Absicherung abzufedern, wie boerse.de analysiert.

Werneke fordert höhere Grundrente und stärkere Umverteilung

Für Verdi-Chef Werneke reichen die aktuellen Pläne nicht aus. Er spricht sich für ein höheres Rentenniveau und eine klar stärkere Finanzierung über Steuern aus. Vermögende sowie große Erbschaften müssten „einen höheren Anteil am Steueraufkommen übernehmen“, fordert er und plädiert für höhere Sätze ab Vermögen im sechsstelligen Bereich. Gleichzeitig mahnt er, die Grundrente auszubauen: Viele Menschen mit unterbrochenen Erwerbsbiografien, gerade Frauen, hätten sonst so geringe Alterseinkünfte, dass das Vertrauen in die gesetzliche Rentenversicherung erodiere. Aus Verbrauchersicht bleibt daher zentral, früh zu prüfen, welche individuellen Rentenansprüche zu erwarten sind, Versorgungslücken zu berechnen und ergänzend auf betriebliche und private Vorsorgebausteine zu setzen.