10,8 Prozent weniger Rente bei drei Jahren vorgezogenem Ruhestand – diese Zahl zeigt, wie teuer ein höheres Rentenalter werden kann. Laut t-online kommt eine neue Analyse von IMK, WSI und HTW Berlin zu dem Ergebnis, dass Vorschläge wie die Rente mit 68 oder ein sinkendes Rentenniveau die interne Rendite der gesetzlichen Rentenversicherung auch für Jüngere drücken würden. IMK-Direktor Sebastian Dullien betont laut t-online: „Die gesetzliche Rentenversicherung bietet also ordentliche Renditen, und zwar für Jüngere ebenso wie für Ältere“.
3,1 bis 3,8 Prozent Rendite laut Studie
Der Kern der Untersuchung: Wer Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, erhält nach aktueller Rechtslage im Verhältnis dazu eine vergleichsweise stabile Rendite. Männer kommen laut t-online im Schnitt auf 3,1 bis 3,3 Prozent pro Jahr, Frauen auf 3,6 bis 3,8 Prozent. Genau dieser Wert würde bei Reformen wie einer späteren Regelaltersgrenze sinken. Die oft genannte Begründung der Generationengerechtigkeit gerät damit ins Wanken. Aus Sicht der Studienautoren würden Einschnitte also nicht nur Ältere treffen, sondern gerade die Jahrgänge, die noch lange Beiträge zahlen.
1970, 1976, 1982: Diese Jahrgänge wären zuerst dran
Wie stark eine weitere Anhebung wirken würde, zeigen Berechnungen von Focus. Würde das Rentenalter ähnlich wie bisher weiter steigen, müsste der Jahrgang 1970 regulär mit 68 Jahren in Rente gehen, 1976 erst mit 69 und 1982 wäre der erste Jahrgang mit regulärer Rente ab 70 im Jahr 2052. Schon heute läuft die Anhebung von 65 auf 67 Jahre schrittweise; für 1964 oder später Geborene gilt die Rente mit 67. Zugleich zeigt die Praxis ein anderes Bild: Laut taz gingen 2024 nur 40 Prozent zum gesetzlichen Eintrittsalter in Ruhestand, 60 Prozent früher.
0,3 Prozent Abschlag pro Monat früher
Gerade für Beschäftigte mit körperlich belastenden Berufen ist das relevant. Wer das reguläre Alter nicht durchhält, muss oft früher aufhören und Abschläge akzeptieren. Nach den geltenden Regeln sinkt die Rente für jeden Monat des vorgezogenen Bezugs um 0,3 Prozent – dauerhaft. Ein Jahr früher kostet 3,6 Prozent, zwei Jahre 7,2 Prozent, drei Jahre 10,8 Prozent. Bei einer Monatsrente von 1.800 Euro wären das laut den vorliegenden Berechnungen mehr als 190 Euro brutto weniger, Monat für Monat. Der Wissenschaftliche Beirat des Wirtschaftsministeriums warnte schon früher vor „schockartig steigende Finanzierungsprobleme in der gesetzlichen Rentenversicherung ab 2025“.
1 Renteninfo prüfen, 2 Lücken erkennen, 3 Vorsorge planen
Für Beschäftigte wird damit vor allem eines wichtig: die eigene Rentenbiografie früh prüfen. Sinnvoll ist ein Blick in die Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung, um das persönliche Regelalter, mögliche Abschläge und fehlende Versicherungszeiten zu kontrollieren. Wer längere Auszeiten, Teilzeitphasen oder gesundheitliche Risiken hat, sollte Versorgungslücken konkret durchrechnen. Auch freiwillige zusätzliche Vorsorge kann wichtiger werden, wenn das Rentenalter weiter steigt. Entscheidend ist, nicht erst kurz vor dem Ruhestand zu prüfen, wie teuer ein früher Ausstieg tatsächlich wäre.