Die Debatte um die gesetzliche Rente bekommt neuen Schub. Wolfgang Steiger, Generalsekretär des Wirtschaftsrats der CDU, fordert die Abschaffung mehrerer rentenpolitischer Leistungen und eine stärkere Ausrichtung auf Finanzierbarkeit. Genannt werden Grundrente, Mütterrente und die Rente mit 63. Für Beschäftigte ist das mehr als ein politischer Vorstoß: Es geht um die Frage, wie verlässlich der frühe Renteneintritt noch ist, wie stark private Vorsorge gebraucht wird und welche Belastungen Beitragszahler in den kommenden Jahren tragen müssen, wenn sich an den Regeln nichts ändert.
Wolfgang Steiger nennt Grundrente und Rente mit 63
Steiger verlangt laut abendblatt.de einen Kurswechsel bei der Alterssicherung. „Dazu gehört, kostspielige Leistungsausweitungen wie Grundrente, Mütterrente und Rente mit 63 wieder abzuschaffen und das Renteneintrittsalter perspektivisch an die steigende Lebenserwartung zu koppeln“, so Wolfgang Steiger laut abendblatt.de. Seine Begründung: Nur so lasse sich das Verhältnis zwischen Beitragszahlern und Rentenempfängern langfristig stabilisieren. Außerdem fordert der Wirtschaftsrat, Frühverrentungsanreize komplett zu streichen. Auch eine Neuauflage der Rente mit 63 unter anderem Namen lehnt Steiger ab.
Abschläge von 3,6 bis 14,4 Prozent pro früherem Start
Für Verbraucher ist der praktische Kern der Debatte klar: Ein früherer Ruhestand kostet dauerhaft Geld. Pro Monat vor der Regelaltersgrenze sinkt die gesetzliche Rente um 0,3 Prozent. Das summiert sich auf 3,6 Prozent bei einem Jahr, 7,2 Prozent bei zwei Jahren, 10,8 Prozent bei drei Jahren und 14,4 Prozent bei vier Jahren früherem Rentenbeginn. Wer regulär 2000 Euro Monatsrente bekäme, läge bei einem Jahr früher noch bei 1928 Euro, bei vier Jahren früher nur noch bei 1712 Euro. Dazu kommt, dass mit jedem früheren Ausstieg weitere Rentenpunkte verloren gehen.
Andreas Irion: Frührente ist meist erst ab 63 möglich
Hinzu kommen klare rechtliche Grenzen. „Wer mindestens 35 Versicherungsjahre gesammelt hat, kann grundsätzlich schon ab 63 Jahren in Rente gehen, allerdings mit Abschlägen“, so Andreas Irion laut bild.de. Angerechnet werden dabei nicht nur Arbeitsjahre, sondern auch Kindererziehung, Pflegezeiten sowie bestimmte Schul- oder Studienzeiten. Für Jahrgänge ab 1964 liegt die Regelaltersgrenze bei 67 Jahren. Wer schon mit 62 oder noch früher aus dem Job aussteigen will, muss die Zeit bis zur ersten Rentenzahlung in der Regel aus eigener Tasche finanzieren.
150.000 Euro für fünf Jahre ohne Rentenzahlung
Gerade dieser Zwischenschritt macht den frühen Ausstieg oft teuer. Bei einem gewünschten Nettoeinkommen von 2500 Euro im Monat werden für fünf Jahre Überbrückung rund 150.000 Euro fällig, ohne Zusatzkosten für Krankenversicherung, Pflegeversicherung oder Inflation. Mit laufenden Krediten kann der Bedarf sogar über 180.000 Euro steigen. Steiger warnt zudem vor einer wachsenden Belastung der Sozialsysteme und hält Sozialabgaben von bis zu 50 Prozent bis 2035 für möglich. Parallel wirbt er für mehr kapitalgedeckte Altersvorsorge. Für Sparer heißt das: Wer früher aufhören möchte, muss die Rentenlücke möglichst früh und realistisch kalkulieren.