Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz hat in Ravensburg seine Linie in der Rentenpolitik präzisiert und dabei vor allem junge Erwerbstätige adressiert. Er fordert, die gesetzliche Rente stärker durch kapitalgedeckte Modelle zu ergänzen und setzt dabei auf Eigenverantwortung. In der Oberschwabenhalle sagte Merz, die Bürger müssten „früh genug beginnen, für ihr Alter auch zu sparen“ – zusätzliche Vorsorge sei auch mit kleinen Beträgen möglich. Parallel dazu steigen die gesetzlichen Renten zum 1. Juli um 4,24 Prozent, wovon rund 21 Millionen Ruheständler profitieren, meldet br.de.

Mit 50 Euro zur sechsstelligen Altersvorsorge

Merz machte das Prinzip an einer einfachen Beispielrechnung fest: Wer monatlich 50 Euro privat zurücklege, könne bis zum Rentenbeginn ein sechsstelligen Kapitalstock aufbauen. „Man muss nur mit kleinen Beträgen früh genug anfangen und darf es nie unterbrechen“, so der Kanzler. In seiner Rede betonte er, diese Linie sei mit dem Koalitionspartner SPD abgestimmt. Die Botschaft: Zusätzlich zur gesetzlichen Absicherung soll eine kapitalgedeckte private Schicht helfen, Versorgungslücken zu schließen – etwa über Fondssparpläne, Lebensversicherungen oder andere langfristige Anlageformen, die über Jahrzehnte Zins- und Renditeeffekte nutzen.

Kapitalgedeckte Betriebs- und Privatmodelle im Koalitionsvertrag

Nach Darstellung von Merz reicht es nicht mehr aus, allein auf die umlagefinanzierte Rentenkasse zu setzen. Im Koalitionsvertrag sei bereits festgelegt worden, stärker auf kapitalgedeckte betriebliche und private Lösungen zu setzen. Viele Nachbarstaaten hätten entsprechende Mehrsäulenmodelle längst umgesetzt, berichtet wiwo.de. Ziel ist eine breitere Finanzierungsbasis im Alter: Neben der Pflichtversicherung sollen Betriebsrenten und individuelle Verträge durch Arbeitgeberzuschüsse, steuerliche Förderung und langlaufende Sparpläne gestärkt werden. Für Beschäftigte bedeutet das, Angebote des Arbeitgebers und etwaige Fördermöglichkeiten genauer zu prüfen.

Rente nach Lebensarbeitszeit statt starrem Eintrittsalter

Merz stellte zugleich eine mögliche Neuausrichtung bei der Berechnung der Rentenhöhe in Aussicht. Statt eines einheitlichen Rentenalters solle stärker auf die Zahl der gearbeiteten Jahre abgestellt werden. Die SPD könne sich laut Merz vorstellen, die Ansprüche nach Lebensarbeitszeit zu bemessen und damit flexiblere Übergänge in den Ruhestand zu erlauben. Die bereits eingeführte Aktivrente gilt ihm als erster Schritt, starre Altersgrenzen zu lockern. Im Kern geht es darum, wie sich lange Erwerbsbiografien – etwa mit frühem Einstieg ins Berufsleben – gegenüber später beginnenden Karrieren besser abbilden lassen.

Südekum fordert mindestens 45 Beitragsjahre

Unterstützung bekommt der Ansatz von Ökonom Jens Südekum, Berater des Bundesfinanzministers. Er plädiert dafür, die Ausgestaltung der Altersbezüge konsequent an die Zahl der Beitragsjahre zu knüpfen. „Das Ziel bleibt eine effektive Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Insofern müssten es schon mindestens 45 Jahre sein“, erklärte er in einem Interview. Ausbildungszeiten, Studium, Kindererziehung und Pflege von Angehörigen sollten weiterhin berücksichtigt werden, meldet br.de. Parallel dazu drängt Merz auf umfassende Reformschritte bis 2026 und warnt, dass mit einer ausgeprägten Work-Life-Balance und einer Vier-Tage-Woche das aktuelle Wohlstandsniveau kaum zu halten sei.