Das klingt nach einem Profi-Trick für Eingeweihte – und ist es im Kern auch. Die spannende Frage ist nur: Lohnt sich dieses Geschäft mit dem eigenen Alter überhaupt? Wir rechnen es vor.
Was ein Rentenpunkt 2026 kostet
Erst die nackte Zahl. 2026 kostet ein einziger Rentenpunkt, offiziell „Entgeltpunkt", genau 9.661,58 Euro. Das entspricht 18,6 Prozent des Durchschnittsentgelts von 51.944 Euro – exakt dem Beitragssatz, den auch normale Arbeitnehmer zahlen.
Und was bekommt man dafür? Jeder Rentenpunkt bringt ab dem 1. Juli 2026 genau 42,52 Euro Bruttorente pro Monat, und zwar lebenslang. Das macht im Jahr 510,24 Euro zusätzliche Rente, Jahr für Jahr, bis ans Lebensende.
Die Rechnung: ab wann es sich lohnt
Jetzt wird es interessant. Sie zahlen einmalig 9.661,58 Euro ein und bekommen dafür jährlich 510,24 Euro zurück. Die zentrale Frage lautet: Wie lange müssen Sie leben, damit Sie Ihr Geld wieder hereinholen? Die Rechnung ist simpel: 9.661,58 Euro geteilt durch 510,24 Euro pro Jahr ergibt rund 18,9 Jahre.
Nach knapp 19 Jahren Rentenbezug haben Sie Ihre Einzahlung also wieder drin, alles danach ist Gewinn. Wer mit 67 in Rente geht, ist demnach mit rund 86 Jahren im Plus. Klingt nach einer langen Wartezeit? Hier kommt der entscheidende Punkt: Die durchschnittliche Lebenserwartung mit 65 liegt bei Frauen bei rund 21 weiteren Jahren, bei Männern bei etwa 17 bis 18. Für Frauen geht die Wette im Schnitt also klar auf – für Männer ist sie knapp. Was viele unterschätzen: Gerade weil Frauen statistisch länger leben, zahlt sich der Kauf für sie am ehesten aus.
Zwei Hebel, die das Geschäft besser machen
Die 18,9 Jahre sind die vorsichtige Brutto-Rechnung. In der Realität sprechen zwei Dinge zusätzlich für den Kauf.
Erstens steigt die Rente jedes Jahr. Der Wert von 42,52 Euro ist nicht in Stein gemeißelt – mit jeder Rentenerhöhung wächst auch der Betrag, den ein gekaufter Punkt abwirft. Die 510 Euro im Jahr werden also Jahr für Jahr mehr, und der Break-even rückt näher.
Zweitens zahlt der Fiskus mit. Freiwillige Beiträge zur Rentenversicherung lassen sich 2026 als Altersvorsorgeaufwendungen absetzen, bis zu 30.826 Euro für Alleinstehende und 61.652 Euro für Verheiratete. Wer im letzten Berufsjahr noch gut verdient, holt sich damit einen ordentlichen Teil der Einzahlung über die Steuererklärung zurück.
Für wen sich der Kauf lohnt – und für wen nicht
Der Hebel ist konkret, aber kein Selbstläufer. Sinnvoll ist der Kauf vor allem für Menschen mit guter Gesundheit und hoher Lebenserwartung, für Gutverdiener kurz vor der Rente, die den Steuervorteil mitnehmen, und für alle, die Abschläge bei einem früheren Renteneintritt ausgleichen wollen. Diese Ausgleichszahlung ist bereits ab dem 50. Lebensjahr möglich.
Wer dagegen das Geld renditestärker anlegen kann oder flexibel bleiben will, sollte genau gegenrechnen. Denn anders als ein Aktiendepot lässt sich eine eingezahlte Rente nicht vererben – mit dem Tod ist sie weg, abgesehen von möglichen Hinterbliebenenrenten.
Fazit
Rente kaufen ist kein Zaubertrick, sondern eine nüchterne Wette auf das eigene Alter. Die Mathematik ist klar: knapp 19 Jahre bis zum Break-even auf Brutto-Basis, real eher kürzer dank Rentenerhöhungen und Steuervorteil. Wer gesund ist, lange leben dürfte und kurz vor der Rente noch Steuern sparen will, macht hier ein solides Geschäft – eine garantierte, inflationsgeschützte Lebensrente bekommt man am freien Markt kaum günstiger. Wer dagegen flexibel bleiben oder etwas vererben möchte, fährt mit einem eigenen Depot oft besser. Die ehrliche Faustregel lautet: Es ist eine Versicherung gegen ein langes Leben, kein Renditeprodukt. Wer alt wird, gewinnt – wer das genau für sich prüfen will, lässt sich vorab bei der Deutschen Rentenversicherung kostenlos beraten.