Der demografische Wandel verschärft die Finanzierung der deutschen Alterssicherung deutlich: Immer weniger Beschäftigte tragen eine stetig wachsende Gruppe von Ruheständlern. Mit dem Renteneintritt der Babyboomer steigt die Zahl der Leistungsbeziehenden spürbar, während die Geburtenraten niedrig bleiben. Laut OECD waren im Jahr 2000 durchschnittlich 22 von 100 Menschen im Rentenalter, aktuell sind es 33. Bis 2050 wird der Anteil voraussichtlich auf 52 je 100 Personen über 65 Jahre steigen, meldet tagesschau.de. Die Systeme der Mitgliedstaaten reagieren sehr unterschiedlich – mit Folgen für Rentenhöhe, Absicherung gegen Armut und Beitragssätze.

Nettoersatzrate: Deutschland unter dem OECD-Schnitt

Ein zentraler Vergleichsmaßstab im OECD-Bericht „Pensions at a Glance“ ist die Nettoersatzrate, also der Prozentsatz des letzten Nettoeinkommens, der im Ruhestand zur Verfügung steht. Wer hierzulande ab dem 22. Lebensjahr durchgehend gearbeitet hat, kommt im Schnitt auf 53 Prozent seines letzten Nettogehalts. Länder wie Frankreich oder Italien erreichen dagegen rund 70 bis knapp 80 Prozent, berichtet mainpost.de. OECD-Rentenexpertin Monika Queisser führt das unter anderem darauf zurück, dass andere Staaten deutlich mehr Steuermittel in die gesetzliche Alterssicherung lenken: „Viele Länder – Österreich zum Beispiel, aber auch Spanien, Frankreich und Griechenland – geben durchaus mehr für die Rente aus“, so Queisser.

Beiträge und Arbeitgeberanteile im europäischen Vergleich

Neben Steuergeldern unterscheiden sich auch die Beitragssätze erheblich. In Frankreich liegen sie bei rund 30 Prozent des Bruttolohns, in Italien sogar bei etwa 33 Prozent. In zahlreichen südeuropäischen Staaten tragen Arbeitgeber zudem einen größeren Teil der Abgaben als in Deutschland. Hier beträgt der Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung 18,6 Prozent des Bruttolohns, finanziert je zur Hälfte von Unternehmen und Beschäftigten. Während die Wirtschaft hierzulande häufig über hohe Lohnnebenkosten klagt, fällt der reine Rentenbeitrag im internationalen Vergleich moderat aus, wie tagesschau.de erläutert. Für Versicherte bedeutet dies jedoch, dass aus den insgesamt geringeren Zuflüssen auch niedrigere Leistungen resultieren können.

Geringverdienende: Höheres Risiko für Altersarmut

Besonders kritisch ist die Situation von Menschen mit niedrigen Einkommen oder unterbrochenen Erwerbsbiografien. Wer lange im Niedriglohnsektor gearbeitet hat, erhält in Deutschland deutlich weniger als vergleichbare Gruppen in vielen anderen OECD-Staaten. „In Deutschland bekommen sie viel weniger als in den meisten anderen OECD-Ländern“, kritisiert Queisser laut die-glocke.de. Das erhöht das Risiko, im Ruhestand auf Grundsicherung angewiesen zu sein. Andere Länder arbeiten mit Mindestrenten: Dänemark sichert über eine steuerfinanzierte Grundrente ab, Neuseeland nutzt eine Basisrente, die stärker von Gut- zu Geringverdienenden umverteilt. Solche Modelle dämpfen Altersarmut, erfordern aber spürbare Haushaltsmittel.

Renteneintrittsalter und kapitalgedeckte Vorsorge

Für eine solide Finanzierung rückt neben Beiträgen und Staatszuschüssen auch das Renteneintrittsalter in den Fokus. In Deutschland liegt es derzeit bei gut 64 Jahren und steigt schrittweise auf 67 Jahre bis Anfang der 2030er-Jahre. In den USA und Japan wird dieses Niveau schon heute erreicht, meldet mainpost.de. Die OECD empfiehlt, den Ruhestandsbeginn stärker an die steigende Lebenserwartung zu koppeln – eine Regel, die bereits in neun Mitgliedsländern gilt. Parallel sollen umlagefinanzierte Systeme durch kapitalgedeckte Säulen ergänzt werden. Länder wie die Niederlande und Dänemark kombinieren beide Modelle und erreichen so bessere Platzierungen in internationalen Vergleichen. Für Deutschland hebt Queisser den Ausbau der Betriebsrenten hervor: Kollektive Lösungen senken Kosten und erleichtern den Zugang, wenn viele Beschäftigte gemeinsam über Pensionsfonds vorsorgen.