Deutschlands gesetzliche Rente reichte 2023 bei vielen Menschen nicht aus, um typische Ausgaben im Alter zu decken. Die durchschnittliche Jahresbruttorente lag einer Studie von Datapulse zufolge 2023 bei 19.138 Euro, für einen Ein-Personen-Haushalt über 60 wurden im Schnitt 28.663 Euro Ausgaben ermittelt. Damit blieb eine Lücke von rund 9500 Euro, die aus Ersparnissen, betrieblicher und privater Vorsorge, Unterstützung durch Familie oder zusätzlicher Arbeit geschlossen werden musste. Zugleich läuft die Debatte, ob Deutschland sich beim Rentensystem stärker an Österreich orientieren sollte, wo die gesetzliche Absicherung breiter angelegt ist und höhere Leistungen auszahlt.
Österreichs Formel 80/45/65 und der Beitragssatz von 22,8 Prozent
In Österreich gilt bei der Pension die Formel 80/45/65: Wer 45 Jahre einzahlt und mit 65 Jahren in Ruhestand geht, kann bis zu 80 Prozent des Einkommens erhalten, wie Wmn berichtet. Finanziert wird das System ebenfalls im Umlageverfahren, doch der Beitragssatz liegt bei 22,8 Prozent statt 18,6 Prozent in Deutschland. Hinzu kommen höhere staatliche Zuschüsse und eine jährliche Anpassung an die Inflation. Ein weiterer Unterschied: Selbstständige sind dort in der gesetzlichen Pflichtversicherung. Die Altersarmutsquote wurde mit 15 Prozent angegeben, in Deutschland lag sie bei 18 Prozent.
Gewerkschaften drängten auf breitere Pflichtversicherung
In der deutschen Debatte standen vor allem drei Punkte im Raum: die Einbeziehung von Selbstständigen und Beamten in eine Erwerbstätigenversicherung, ein höheres Rentenniveau und mehr Bundeszuschüsse. Eine direkte Übertragung galt jedoch als teuer. ifo-Ökonom Joachim Ragnitz warnte, einzelne Bausteine herauszulösen, weil damit das Nachhaltigkeitsproblem nicht gelöst, sondern nur verschoben werde. Auch Österreich diskutierte bereits Reformen und Sparmaßnahmen. Deutschland setzte stattdessen stärker auf ein Mischsystem aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Altersvorsorge, weil höhere Leistungen ohne zusätzliche Einnahmen nicht zu finanzieren gewesen wären.
Norwegen setzte auf Basisrente und Betriebsrenten
Ein anderer Vergleich führt nach Norwegen. Dort blieb Altersarmut vergleichsweise niedrig, weil ein großzügiges Mindestniveau mit betrieblichen Ansprüchen kombiniert wurde. „Warum Altersarmut in Norwegen vergleichsweise gering ist, liegt […] am großzügigen Mindestniveau der Renten […]. Gleichzeitig ist das System aber so angelegt, dass der Staat die Basis bereitstellt, der tatsächliche Lebensstandard im Alter jedoch aus dem Zusammenspiel mit betrieblichen Renten entsteht“, so Axel West Pederson laut Focus. Auch andere Länder ergänzten das Umlageverfahren stärker durch kapitalgedeckte Bausteine. Die Niederlande und Dänemark lagen in internationalen Vergleichen deshalb weit vorn.
Wohnen, Eigentum und Nettoersatzrate verschärften die Lücke
Deutschland lag bei der Nettoersatzrate mit 53 Prozent unter Ländern wie Frankreich oder Italien. Gleichzeitig entfiel rund ein Drittel der Ausgaben älterer Menschen auf Wohnen und Energie. Nach Angaben der Tagesschau lebten hierzulande rund 60 Prozent der Menschen über 60 nicht im Eigentum. In Luxemburg lag die Eigentümerquote dieser Altersgruppe bei über 70 Prozent, in Norwegen bei über 80 Prozent. Nur in vier von 30 untersuchten Ländern überstieg die durchschnittliche staatliche Rente die Ausgaben älterer Menschen vollständig: Rumänien, Tschechien, Polen und Spanien. Ab Anfang der 2030er Jahre galt in Deutschland schrittweise das Rentenalter 67.