Österreich und die Schweiz gelten in der Rentendebatte oft als Referenzpunkte – aus unterschiedlichen Gründen. In Österreich lag die durchschnittliche gesetzliche Pension 2022 bei 1645 Euro brutto und damit rund 500 Euro über dem deutschen Niveau; insgesamt ergeben sich im Schnitt 47 Prozent Plus gegenüber der Bundesrepublik, rechnen Forscher der Deutschen Rentenversicherung vor. In der Alpenrepublik zahlen auch Selbstständige sowie große Teile des öffentlichen Dienstes in die Pflichtversicherung ein. Die Schweiz wiederum arbeitet mit geringeren Beitragssätzen, verzichtet aber auf eine Beitragsbemessungsgrenze und begrenzt die Rentenhöhe nach oben. Für deutsche Sparer ist der Blick auf beide Modelle wichtig, um die eigene Altersvorsorge realistisch zu planen.
Österreichische Pensionsharmonisierung: 80 Prozent nach 45 Jahren
In Österreich wurde 2004 das Pensionsharmonisierungsgesetz beschlossen. Es führt ein einheitliches System für nahezu alle Erwerbstätigen: Nach 45 Versicherungsjahren kann eine Pension von 80 Prozent des Lebensdurchschnittseinkommens erreicht werden. „Die Grundüberlegung dieses Gesetzes war, dass für alle Berufsgruppen jeder Beitrags-Euro gleich viel wert sein soll“, sagt Wolfgang Panhölzl von der Arbeiterkammer Wien, niemand solle mit seinen Beiträgen eine bessere oder schlechtere Pension erhalten, ob selbstständig, angestellt, Beamter oder Politiker. Voraussetzung sind mindestens 15 Versicherungsjahre – wer darunter bleibt, erhält keine Leistung. Das reduziert sehr kleine Ansprüche, wie sie in Deutschland etwa durch kurze Erwerbsphasen von Hausfrauen oder Solo-Selbstständigen entstehen. Laut tagesschau.de war diese Vereinheitlichung ein Kernbaustein für ein stabiles Leistungsniveau.
Beiträge, Demografie, Beamte: Warum Österreich höher zahlt
Der Unterschied bei den Renten erklärt sich nur teilweise über die Einbeziehung weiterer Gruppen. Der Beitragssatz zur gesetzlichen Pension liegt in Österreich seit 1988 bei 22,8 Prozent des Bruttoeinkommens, gegenüber 18,6 Prozent in Deutschland. Arbeitnehmer tragen 10,25 Prozent, Arbeitgeber 12,55 Prozent. Nach Berechnungen der DRV-Forscher erklärt der höhere Satz etwa ein Drittel der Differenz bei den Leistungen; weitere Anteile gehen auf höhere Bundeszuschüsse zurück. Zugleich ist die Bevölkerung des Nachbarlands im Schnitt jünger, auf eine Person im Ruhestand kommen mehr Erwerbstätige. Außerdem werden Beamtenpensionen seit rund 20 Jahren Schritt für Schritt an die gesetzliche Pension angenähert, für neue Staatsdiener gelten einheitliche Berechnungsregeln. Laut capital.de entlastet dies die öffentlichen Haushalte langfristig deutlich.
Schweiz: Gedeckelte Maximalrente und starke Umverteilung
Die Schweiz organisiert ihre Altersvorsorge über drei Säulen, ähnlich wie Deutschland, setzt in der staatlichen Grundversicherung aber andere Prioritäten. Der Beitragssatz zur ersten Säule liegt bei 10,6 Prozent, paritätisch finanziert durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Im Unterschied zu Deutschland gibt es jedoch keine Beitragsbemessungsgrenze, Abgaben fallen auf das gesamte Einkommen an. Die Leistungen sind begrenzt: Die Maximalrente liegt derzeit bei gut 2500 Franken, also rund 2700 Euro. Gutverdiener zahlen damit deutlich mehr ein, als sie später herausbekommen. Das Schweizer Bundesamt für Sozialversicherungen bezeichnet dieses System als Basis des nationalen Wohlstands, warnt aber vor den Folgen von Alterung, niedriger Geburtenrate und konjunkturellen Schwächen: Diese Entwicklungen gefährden die Finanzierung der Altersvorsorge.
Gerechtigkeitsdebatte in Deutschland: Rentenkasse für alle?
In Deutschland konkurrieren mehrere Alterssicherungssysteme: gesetzliche Rente, Beamtenversorgung und berufsständische Versorgungswerke. Während das Rentenniveau aktuell bei etwa 48 Prozent des Durchschnittslohns liegt, kann ein Beamter bis zu 71,75 Prozent seiner letzten Bezüge als Pension erhalten – ohne eigene Pflichtbeiträge. Ein angestellter Lehrer mit 5900 Euro brutto käme nach VdK-Berechnungen auf rund 1731 Euro Nettorente plus etwa 580 Euro Zusatzversorgung, der gleich verdienende Beamte auf gut 3214 Euro Netto-Pension. Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK, fordert eine einheitliche Rentenkasse für alle, auch für Staatsdiener. Rentenexperte Bert Rürup bezweifelt jedoch, dass eine Einbeziehung der Beamten politisch durchsetzbar ist, berichtet mdr.de. Im Koalitionsvertrag ist eine Kommission vorgesehen, die bis 2027 Vorschläge zur Alterssicherung vorlegen soll.