Zur Mittelschicht zu gehören, gilt vielen als Synonym für finanzielle Stabilität. Im Ruhestand wird dieser Anspruch jedoch schnell teuer. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft liegt die Mitte bei Singles rund um 1850 Euro netto im Monat; als mittlere Einkommensgruppe gelten etwa 1500 bis 3500 Euro netto, wie capital.de berichtet. Wer diesen Lebensstandard auch nach dem Berufsleben halten will, braucht also ein Alterseinkommen, das in ähnlicher Größenordnung liegt. Genau daran scheitert es in vielen Fällen schon heute.
1150 Euro Durchschnittsrente reichen oft nicht
Die Deutsche Rentenversicherung kommt laut capital.de auf eine durchschnittliche Altersrente von rund 1150 Euro im Monat. Über alle Rentner hinweg liegt der durchschnittliche Zahlbetrag bei etwa 1289 Euro, die Standardrente nach 45 Beitragsjahren mit Durchschnittsverdienst bei rund 1600 Euro netto. Damit liegt selbst ein langes Erwerbsleben häufig nur am unteren Rand dessen, was für einen mittleren Lebensstandard nötig wäre. „Die gesetzliche Rentenversicherung allein wird allenfalls noch die Basisabsicherung sein für das Alter", so Bundeskanzler Friedrich Merz laut capital.de.
2500 Euro netto im Job bedeuten 450 bis 700 Euro Lücke
Wie groß die Differenz ausfallen kann, zeigt ein einfaches Beispiel. Wer zuletzt 2500 Euro netto verdient hat, gehört zur Mittelschicht und benötigt im Ruhestand nach gängiger Faustregel rund 70 bis 80 Prozent davon, also etwa 1750 bis 2000 Euro im Monat. Liegt die gesetzliche Zahlung bei 1300 Euro, entsteht eine monatliche Rentenlücke von 450 bis 700 Euro. Auf 20 Jahre summiert sich das auf mehr als 100.000 Euro. Rentenberater Thorsten Kullwitz verweist zudem auf zusätzliche Wünsche zu Beginn des Ruhestands, etwa Reisen oder ein Wohnmobil.
2500 Euro Bruttorente werden zu rund 2050 Euro netto
Selbst eine auf den ersten Blick hohe gesetzliche Zahlung verliert nach Abzügen spürbar an Kraft. Wie fr.de berichtet, bleiben von 2500 Euro Bruttorente nach Einkommensteuer sowie Kranken- und Pflegeversicherung nur etwa 2050 bis 2090 Euro netto übrig. Finanzexpertin Margarethe Honisch warnt deshalb vor falschen Erwartungen: „Der Rentenbescheid ist keine Gehaltsabrechnung", so Margarethe Honisch. Schon die Besteuerung trifft Neurentner stärker; wer 2025 in Rente geht, muss 83,5 Prozent der Bezüge versteuern.
2,5 Prozent Inflation halbieren die Kaufkraft fast
Hinzu kommt die Teuerung. Bei einer durchschnittlichen Inflation von 2,5 Prozent pro Jahr sinkt die Kaufkraft derselben Nettorente über zwei Jahrzehnte massiv. Aus rund 2000 Euro werden dann real nur noch etwa 1220 bis 1280 Euro in heutigen Preisen. Für die private Vorsorge rücken damit vor allem langfristige Anlagen in den Blick. Genannt werden breit gestreute ETF-Sparpläne, die flexibel bespart werden können. Ein Beispiel: Wer ab 35 jeden Monat 200 Euro investiert und langfristig 7 Prozent Rendite erreicht, kommt bis 67 auf rund 230.000 Euro Kapital.