Die Rentenkommission der Bundesregierung bereitet ein Treffen vor, bei dem eine mögliche Anhebung des regulären Ruhestandsalters auf 70 Jahre auf der Agenda steht. Nach bisherigen Berechnungen würde eine Fortschreibung der aktuellen Logik – also eine Erhöhung um zwei Monate pro Jahr – bedeuten, dass der Jahrgang 1970 ab 2028 regulär mit 68 Jahren in den Ruhestand geht, 1976 Geborene mit 69 und der Jahrgang 1982 im Jahr 2052 erstmals regulär mit 70 Jahren in den gesetzlichen Ruhestand eintreten würden, meldet Focus. Noch ist nichts beschlossen, doch die Debatte hat erhebliche Konsequenzen für alle, die ihren Job vor oder nach der gesetzlichen Altersgrenze beenden wollen.

Rentenkommission unter Janda berät über höhere Altersgrenze

Am 23. Februar soll die Rentenkommission unter Leitung der Speyerer Sozialrechtsprofessorin Constanze Janda erneut tagen. Thema ist eine mögliche Anhebung des gesetzlichen Ruhestandsalters auf 70 Jahre, berichtet zdfheute.de. In dem Gremium sitzen acht Wissenschaftler, drei Politiker und zwei Vorsitzende. Diskutiert werden sollen nicht nur das neue Zielalter, sondern auch Abstufungen: Laut Focus geht es um die Frage, wie hoch die Kürzungen bei einem Ausstieg vor dem 70. Geburtstag ausfallen und wie ein Arbeiten über diese Marke hinaus finanziell attraktiver gestaltet werden kann. Damit rückt die künftige Balance aus Beitragsdauer, Rentenhöhe und Erwerbsleben in den Mittelpunkt.

Frühere Rente: Wie stark Abschläge die Zahlungen mindern

Schon heute führt ein vorzeitiger Ruhestand zu spürbaren Einbußen. Wer mindestens 45 Beitragsjahre nachweisen kann, darf derzeit mit 65 ohne Kürzung in den Ruhestand gehen; früher firmierte das als „Rente mit 63“ für besonders langjährig Versicherte. Mit Abschlägen ist ein Ausstieg ab 63 möglich. Gleichzeitig liegt das tatsächliche durchschnittliche Rentenalter deutlich darunter: 2024 lag es bei 64,7 Jahren, nach 64,3 Jahren im Vorjahr, so Focus unter Verweis auf die Deutsche Rentenversicherung. Für jeden Monat vor der persönlichen Regelaltersgrenze sinkt die gesetzliche Zahlung um 0,3 Prozent – lebenslang. Ein Jahr weniger Arbeit bedeutet damit 3,6 Prozent geringere Monatsleistung, zwei Jahre 7,2 Prozent, drei Jahre 10,8 Prozent. Bei einer beispielhaften Rente von 1800 Euro brutto sind das über 190 Euro Abzug pro Monat dauerhaft.

Modell Werding: Kopplung des Rentenalters an Lebenserwartung

In der Kommission liegt ein weitergehender Vorschlag von Martin Werding auf dem Tisch, Mitglied des Sachverständigenrats und selbst Teil des Gremiums. Er plädiert dafür, das Regelalter systematisch an die steigende Lebenserwartung zu koppeln. Ab 2031 solle die Altersgrenze alle zehn Jahre um ein halbes Jahr steigen. Nach seinen Berechnungen wäre ein Regelalter von 70 Jahren dann erst 2091 erreicht, berichtet Focus. Kurz- und mittelfristig erwartet Werding bereits Entlastungseffekte: höhere Rentenniveaus bei gleichzeitig niedrigeren Beitragssätzen, weil die Zeitspanne des Rentenbezugs relativ zur Erwerbszeit weniger stark wächst. Die Diskussion darüber berührt damit sowohl die Finanzierbarkeit der gesetzlichen Versicherung als auch die Planungssicherheit für künftige Ruheständler.

Politische Konfliktlinien und Alternativvorschläge zur Finanzierung

Parteipolitisch ist die Debatte hoch umstritten. SPD-Sozialexpertin Annika Klose, ebenfalls in der Kommission, nannte eine weitere Anhebung des Einstiegssalters eine „rote Linie“, meldet zdfheute.de. Ein anderer Ansatz stammt vom Ökonomen Jens Südekum: Wer später ins Berufsleben eintritt, etwa nach einem Studium, solle auch später in den Ruhestand gehen; SPD-Bundestagspräsidentin Bärbel Bas zeigte sich dafür offen. Aus Opposition und Linkspartei kommt scharfe Kritik: Die Linke-Politikerin Sarah Vollath hält die Pläne für „völlig an der Lebensrealität vorbei“, weil viele Beschäftigte schon heute aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aufhören müssen. Ihre Partei bringt eine alternative Finanzierungsquelle ins Spiel: Arbeitgeber sollen statt 50 künftig 60 Prozent des Rentenbeitrags tragen, um Beitragszahler zu entlasten und die Kassen zu stabilisieren.