2000 Euro gesetzliche Rente gelten vielen Beschäftigten als komfortable Zielmarke. An der Realität der Haushaltskasse geht diese Zahl häufig vorbei. Beispiel Helga M.: Auf ihrem Konto landen gut 2000 Euro monatlich, doch nach Warmmiete, Nebenkosten, Krankenkasse und Einkäufen bleibt kaum Spielraum für Reisen oder unerwartete Ausgaben, berichtet Focus. Entscheidend ist, wie viel nach Abzug aller Fixkosten verfügbar bleibt – und hier schlagen vor allem Wohnkosten und Gesundheitsausgaben zu Buche. Fachleute empfehlen, maximal rund ein Drittel des Nettoeinkommens für die Wohnung auszugeben. Wer deutlich darüber liegt, rutscht schnell in eine finanzielle Enge.

700 bis 1000 Euro Warmmiete: Welche Rente nötig ist

Rechenbeispiele mit heutigen Mieten zeigen, wie hoch das Einkommen im Ruhestand sein sollte. Liegt die Warmmiete bei etwa 700 Euro, braucht es mindestens rund 2000 Euro netto, damit noch genug für Lebensmittel, Energie, Versicherungen und Freizeit übrig bleibt. Steigen die Wohnkosten auf 800 Euro, werden eher 2300 bis 2600 Euro netto erforderlich. Bei 1000 Euro Warmmiete gelten 2800 bis 3300 Euro netto als sicherer Korridor, so t-online.de. Viele Experten kalkulieren zusätzlich einen Puffer von 300 bis 500 Euro über dem reinen Mindestbedarf, um Preissteigerungen und unerwartete Ausgaben aufzufangen. Problematisch ist, dass eine solche Nettorente deutlich über dem Niveau vieler aktueller Altersbezüge liegt.

Netto statt Brutto: So viel bleibt von der Rente übrig

Die gesetzliche Altersleistung wird als Zahlbetrag überwiesen, von dem Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung bereits abgezogen sind. Laut Deutscher Rentenversicherung liegen die Sätze im Schnitt bei rund 12,35 Prozent für die Krankenkasse und 12,95 Prozent für Kinderlose in der Pflegeversicherung. Hinzu kommen gegebenenfalls Steuern. Unterm Strich kommen bei vielen Beziehenden nur etwa 80 bis 85 Prozent der Bruttorente an. Aus 2000 Euro brutto werden so meist 1600 bis 1750 Euro netto, 2500 Euro brutto führen zu etwa 1950 bis 2100 Euro, 3000 Euro brutto zu rund 2300 bis 2500 Euro. Wer also 2500 Euro netto anstrebt, muss grob 3000 Euro Bruttorente erreichen – ein Wert, der für Durchschnittsverdiener nur selten realisierbar ist.

74 Entgeltpunkte: Warum hohe Renten so schwer erreichbar sind

Die Höhe der gesetzlichen Alterszahlung basiert auf Entgeltpunkten. Der aktuelle Rentenwert liegt bei 40,79 Euro pro Punkt. Für 3000 Euro brutto wären damit etwa 74 Punkte nötig (3000 geteilt durch 40,79). Zum Vergleich: Wer 45 Jahre jeweils einen vollen Entgeltpunkt pro Jahr erhält, kommt auf 45 Punkte, was rund 1835 Euro monatlich brutto ergibt. Um 74 Punkte zu erzielen, wäre über 45 Jahre hinweg ein durchschnittliches Bruttoeinkommen von gut 7000 Euro pro Monat erforderlich – ohne lange Phasen in Teilzeit, Arbeitslosigkeit oder Familienpausen. Die Deutsche Rentenversicherung weist darauf hin, dass frühere Durchschnittslöhne niedriger lagen und damit auch die Verdienste, die 65 Prozent über dem Mittelwert liegen mussten. Selbst viele Gutverdiener erreichen diesen Status nicht durchgängig.

Rentenlücke in Zahlen: Was Frauen und Männer ansparen müssten

Neben der gesetzlichen Leistung spielt die private Vorsorge eine zentrale Rolle. Berechnungen zeigen, dass etwa 40-jährige Frauen im Schnitt mit einer Lücke von 271.000 Euro über 16 Rentenjahre rechnen müssen, wenn der aktuelle Lebensstandard gehalten werden soll. Wer ab sofort monatlich zehn Prozent des Nettogehalts spart, kommt bis zur Rente nur auf rund 86.000 Euro und müsste bereits heute etwa 185.000 Euro Ersparnisse besitzen, um den Abstand zu schließen. Bei 50-jährigen Frauen ergibt sich bei durchschnittlich 265.000 Euro Differenz noch ein Sparpotenzial von 54.000 Euro, sodass aktuell rund 211.000 Euro Kapital notwendig wären. Männer liegen wegen höherer Einkommen etwas günstiger: Ein 40-Jähriger benötigt rund 150.000 Euro vorhandenes Vermögen, ein 50-Jähriger etwa 181.000 Euro. Ohne zusätzlichen Vermögensaufbau bleibt das Risiko, im Alter spürbar weniger zur Verfügung zu haben, als das Erwerbseinkommen suggeriert.