In den neuen Bundesländern liegen die gesetzlichen Altersrenten inzwischen deutlich über denen in den alten Ländern. Nach Daten der Deutschen Rentenversicherung für das Rentenjahr 2024 beträgt die durchschnittliche Monatszahlung im Osten rund 1350 Euro, im Westen rund 1160 Euro – ein Abstand von etwa 190 Euro. Spitzenreiter ist Brandenburg, gefolgt von Sachsen; in Ost-Berlin erreichen Renten mit durchschnittlich 1433 Euro den höchsten Wert. Berücksichtigt werden sogenannte Rentenzahlbeträge, also die Überweisung nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherung, aber vor Steuern. Bei einer Monatsrente von 1350 Euro fällt in der Regel noch keine Einkommensteuer an, meldet der Stern.
1218 Euro: Ost-Rentnerinnen mit deutlichem Plus
Besonders groß ist der Vorsprung bei Frauen. Im Mittel erhält eine Rentnerin in den östlichen Bundesländern 1218 Euro und damit 357 Euro mehr als eine Ruheständlerin im Westen, deren Durchschnitt unter 1000 Euro liegt. Keine Region im Osten weist für Frauen weniger als 1100 Euro aus. Am besten schneiden Rentnerinnen in Potsdam mit 1314 Euro ab; im rheinland-pfälzischen Eifelkreis Bitburg-Prüm sind es dagegen nur 668 Euro im Monat – knapp die Hälfte, berichtet der Spiegel. Die Ursache liegt in der Erwerbsbiografie: In der DDR war Vollzeitbeschäftigung von Frauen üblich, getragen von flächendeckender Kinderbetreuung und kurzer Babypause. Diese durchgehenden Beitragsjahre schlagen nun in der Rente sichtbar zu Buche.
DDR-Kinderbetreuung als Rentenfaktor
Die heutigen Unterschiede wurzeln stark in der Familien- und Arbeitsmarktpolitik vor 1990. In Ostdeutschland existierte ein nahezu flächendeckendes Netz von Krippen und Kitas, überwiegend staatlich oder betrieblich organisiert. Berufstätigkeit von Müttern war gesellschaftliche Norm, entsprechend wurden Erwerbsunterbrechungen kurz gehalten. In der alten Bundesrepublik waren Betreuungsangebote knapper und meist auf Halbtagsbetrieb begrenzt, wie berliner-zeitung.de erläutert. Viele Frauen blieben länger zuhause oder arbeiteten später dauerhaft in Teilzeit. Zwar bringt die Mütterrente zusätzliche Entgeltpunkte, sie gleicht jedoch keine jahrelangen Fehlzeiten oder geringere Arbeitszeiten aus – mit Folgen für die Rentenhöhe über Jahrzehnte.
Männer-Renten: Ost-West-Gefälle weitgehend abgebaut
Bei Männern fallen die regionalen Differenzen deutlich kleiner aus. Westdeutsche Ruheständler beziehen im Schnitt etwa 1430 Euro, im Osten sind es 1416 Euro. Der Abstand zwischen dem Landkreis mit der höchsten und dem mit der niedrigsten Männer-Rente liegt bundesweit nur bei knapp 200 Euro. Das Schlusslicht ist der Landkreis Waldshut im Südschwarzwald mit durchschnittlich 1201 Euro, während die Region um Bottrop auf rund 1686 Euro kommt. Statistische Effekte drücken zugleich die Durchschnittswerte im Westen: Dort wechseln manche Beschäftigte im Lauf des Berufslebens in betriebliche Versorgungssysteme und erwerben nur für wenige Jahre gesetzliche Rentenansprüche. Diese kurzen Versicherungszeiten senken den rechnerischen Mittelwert.
Sinkende Neurenten und finanzielle Gesamtbilanz im Alter
Auffällig ist, dass die Durchschnittsrenten der Neurentner zuletzt wieder zurückgehen. Besonders betroffen sind Männer in den ostdeutschen Ländern sowie in Bremen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland, wo die jüngst zuerkannten Renten teils über 130 Euro unter dem allgemeinen Schnitt liegen. Hintergrund sind Phasen hoher Arbeitslosigkeit nach der Wiedervereinigung und geringere Tarifbindung mit niedrigeren Löhnen; der bis 2024 geltende Umrechnungsfaktor für Ost-Einkommen läuft aus. Zugleich bildet die gesetzliche Rente nur einen Teil der Altersfinanzen. Vermögen, Wohneigentum, Betriebsrenten und private Vorsorge sind im Westen oft stärker ausgeprägt, während die Lebenshaltungskosten – insbesondere Mieten – vielerorts im Osten niedriger liegen. Für die eigene Planung bedeutet das: Nicht nur die staatliche Rente, sondern die gesamte finanzielle Situation im Ruhestand im Blick behalten.