Immer wieder tauchen zum Jahreswechsel neue Deutungen der Nostradamus-Prophezeiungen auf. Der französische Apotheker und Astrologe aus dem 16. Jahrhundert wird mit Vorhersagen zu Kriegen, Katastrophen und gesellschaftlichen Umbrüchen in Verbindung gebracht. Es existiert jedoch keine Stelle in seinen Vierzeilern, den sogenannten Quatrains, in der das Jahr 2026 konkret genannt wird. Stattdessen arbeiten Experten mit Zahlenspielen, Übersetzungsvarianten und Rückbezügen auf reale Katastrophen, um die alten Texte in einen modernen Kontext zu rücken.
Kriege, Konflikte und Katastrophen: Was wirklich belegt ist
Ein häufig zitiertes Beispiel ist der Vers „Sieben Monate großer Krieg, Menschen durch Bosheit getötet“, der im Zusammenhang aktueller Spannungen in Europa und der Welt gesehen werden kann. Laut „Sky History“ taucht dieser Vierzeiler regelmäßig auf und kann auf militärische Auseinandersetzungen hindeuten.
Auch Bilder von Erdbeben oder einem „großen Stern, der sieben Tage brennt“, werden gern als Vorzeichen für globale Katastrophen gedeutet. Wissenschaftlich lässt sich jedoch weder ein Meteoriteneinschlag noch eine bestimmte Flut oder ein Beben für 2026 aus den Texten ableiten. Rückblickende Zuordnungen – etwa zur Ahrtal-Flut – arbeiten im Kern mit nachträglicher Sinnsuche, nicht mit überprüfbaren Prognosen.
Sonnenfinsternis 2026 und numerologische Spielereien
Besonders beliebt ist die Verbindung der Schriften mit der totalen Sonnenfinsternis über Teilen Europas im August 2026. Enthusiasten suchen dazu Verse über verdunkelte Sonnen oder „Feuer am Himmel“, um einen direkten Bezug herzustellen.
Fachleute betonen jedoch, dass Nostradamus typische Motive der Renaissance-Astrologie nutzt, die sich auf viele Himmelsereignisse anwenden lassen. Parallel kursieren numerologische Ansätze: Quatrains mit der Nummer 26 sollen automatisch auf das Jahr 2026 verweisen.
Antichrist, lange Kriege und kirchliche Umbrüche
Weitere Deutungen verknüpfen die Nummern 8,77 und 10,72 mit einer 27-jährigen Phase von Gewalt, die von 1999 bis 2026 reichen soll. Der „Schreckenskönig vom Himmel“ und der „Antichrist“ stehen im Zentrum spekulativer Szenarien über eine weltweite Eskalation, die nun auslaufen könnte.
Im Quatrain 2,41 taucht ein „großer Stern“ auf, dazu das Bild eines Papstes, der sein Land wechselt. Manche Autoren leiten daraus drastische Umbrüche im Vatikan oder tiefgreifende religiöse Krisen ab.
Psychologie der Prophezeiung
Doch stimmen die Prophezeiungen von Nostradamus wirklich? Klar ist: Ereignisse und Vorhersagen des Astrologen, die zufällig passen, prägen sich stärker ein als sämtliche Fehlprognosen.
Nostradamus schrieb zudem in einer Mischung aus Mittel-Französisch und lateinischen Fachbegriffen, was breite Interpretationsräume schafft. Unterschiedliche Manuskripte und Übersetzungen können zudem zu völlig abweichenden Lesarten führen.